Schuldenkrise in Italien Börsen begrüßen Berlusconis baldigen Rücktritt

Der Cavaliere gibt auf - und die Finanzprofis reagieren erleichtert. An der Wall Street und den Börsen Asiens stiegen die Aktienkurse nach der Rücktrittsankündigung Silvio Berlusconis, auch der Euro legte in einer ersten Reaktion zu. Die Zinsen für Italiens neue Schulden sanken dagegen prompt.

Scheidender Regierungschef Berlusconi: Märkte reagieren mit Gewinnen
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Scheidender Regierungschef Berlusconi: Märkte reagieren mit Gewinnen


New York/Tokio - Die Finanzmärkte in den USA und Asien sind sich einig: Die Ankündigung Silvio Berlusconis, bald das Amt des italienischen Ministerpräsidenten aufzugeben, ist offenbar eine gute Nachricht für die Börsen. In New York reagierte die Wall Street noch am Dienstagabend mit Erleichterung auf die Nachrichten - der Euro gewann an Wert, auch die Aktienkurse lagen durch die Bank im Plus. Der Dow-Jones-Index Chart zeigen notierte zum Handelsschluss mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 12.170 Punkten.

"Der Kampf ist zur Hälfte vorbei. Nun müssen wir noch wissen, wer Nachfolger wird", kommentierte ein US-Analyst den angekündigten Rückzug des italienischen Regierungschefs. Einige Anleger sahen einzig in einem Abgang Berlusconis die Vorraussetzung für eine Gesundung der italienischen Finanzen und damit für eine Eindämmung der Krise.

Auch in Asien reagierten die Finanzmärkte eindeutig. In Hongkong legten die Kurse im Hang-Seng-Index zwischenzeitlich um 2,05 Prozent zu, das Börsenbarometer schloss mit einem Plus von 1,6 Prozent. An der Börse in Tokio schloss der Nikkei -Index Chart zeigen um 1,25 Prozent höher. An allen Märkten war der zeitliche Zusammenhang zwischen den Nachrichten aus Rom und den steigenden Kursen offensichtlich.

Der Euro Chart zeigen sprang nach der Ankündigung Berlusconis im New Yorker Handel wieder über 1,38 Dollar. Für den deutschen Aktienmarkt werden am Mittwoch deutliche Gewinne zum Handelsbeginn erwartet. Finspreads - ein Unternehmen, das Wetten auf Aktienkurse anbietet - taxierte den Dax vorab um 1,68 Prozent höher.

Die Zinsen für neue Schulden Italiens sanken hingegen als Reaktion auf Berlusconis Rücktrittsversprechen leicht. Im frühen asiatischen Handel gaben zehnjährige Schuldverschreibungen von 6,77 Prozent auf 6,65 Prozent nach. Der Ölpreis stieg leicht. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 115,57 Dollar, das sind 57 Cent mehr als am Vortag.

Am Dienstagabend hatte der italienische Regierungschef seinen Rücktritt angekündigt, nachdem er zuvor bei einer Abstimmung im Parlament die absolute Mehrheit nicht erreicht hatte. Bevor er das Amt aufgibt, will Berlusconi aber noch ein Reformgesetz für mehr Wirtschaftswachstum durchsetzen, das er der EU zugesagt hat.

fdi/Reuters/AP/dpa-AFX

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fatherted98 09.11.2011
1. Wenn...
...solche Nachrichten ausreichen um die Börsen zu beflügeln, stimmt was nicht mit unserem Finanzsystem.
Gani, 09.11.2011
2. Ist so
Der Clown ist weg, es kann vorwärts gehen. Fragt sich nur ob es vorwärts gehen wird.
skorpianne 09.11.2011
3. Gegenteil
Zitat von fatherted98...solche Nachrichten ausreichen um die Börsen zu beflügeln, stimmt was nicht mit unserem Finanzsystem.
ganz im Gegenteil.Die "Finanzprofis" bewerten Staaten ebenso wie Unternehmen rein nach Anlageaspekten.Wenn die Zinsen sinken, ist das nur ein Zeichen dafür, dass man Italien eine Reform zutraut, Berlosconi nicht. Das entspricht ja wohl auch der " öffentlichen Meinung" .Was soll daran schlecht sein? Darf ich als Geldgeber nicht beurteilen, ob der dem ich mein Geld gebe, dafür taugt, dass ich es zurück bekomme? Das entscheidet dann derjenige dem ich Geld leihe? Die "Märkte" beurteilen letztlich nur die Politik des jeweiligen Landes nach Anlagegesichtspunkten, nicht mehr und nicht weniger.
SpieFo, 09.11.2011
4. Ich würde es so formulieren:
Zitat von skorpianneganz im Gegenteil.Die "Finanzprofis" bewerten Staaten ebenso wie Unternehmen rein nach Anlageaspekten.Wenn die Zinsen sinken, ist das nur ein Zeichen dafür, dass man Italien eine Reform zutraut, Berlosconi nicht. Das entspricht ja wohl auch der " öffentlichen Meinung" .Was soll daran schlecht sein? Darf ich als Geldgeber nicht beurteilen, ob der dem ich mein Geld gebe, dafür taugt, dass ich es zurück bekomme? Das entscheidet dann derjenige dem ich Geld leihe? Die "Märkte" beurteilen letztlich nur die Politik des jeweiligen Landes nach Anlagegesichtspunkten, nicht mehr und nicht weniger.
Wenn Investments (Aktien, Rohstoffe, etc) im Sekundentakt den Preis ändern, wenn es Instrumente gibt, mit denen man auf einen Index "wetten" kann, dann bildet der "Markt" nur die Quoten von Wetten ab, aber nicht den wahren Wert. Die "Märkte" sind aus dem Ruder gelaufen. Es bleibt jedem überlassen, wie er dieses Spiel mitspielt. Aber "Anlagen" sind es auf keinen Fall mehr! "Faites vos jeux!"
hajoschneider 09.11.2011
5. ?
Zitat von GaniDer Clown ist weg, es kann vorwärts gehen. Fragt sich nur ob es vorwärts gehen wird.
Der ist noch lange nicht weg. Wozu hält er sich noch diverse Hintertürchen auf. Der ist so selbstverliebt, dass er sich keinen anderen auf dem Thron vorstellen kann.
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