Schuldenkrise Spanien muss Anlegern höhere Zinsen zahlen

Rückschlag für Spanien: Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone sammelte bei einer Anleihe-Auktion weniger Geld ein als erwartet. Die Finanzierung am Kapitalmarkt wird für die Spanier immer teurer.

Spanische Euro-Münze: 3,3 Milliarden Euro sammelte das Land bei der Anleihe-Auktion
DPA

Spanische Euro-Münze: 3,3 Milliarden Euro sammelte das Land bei der Anleihe-Auktion


Madrid - Die Nachfrage war geringer als erhofft: Bei einer Anleihe-Auktion sind die Zinsen für Spanien höher ausgefallen als zuletzt. Die durchschnittliche Rendite lag mit 4,813 Prozent deutlich über dem Niveau der vorherigen Auktion mit 4,037 Prozent. Die Finanzierung am Kapitalmarkt wird für das hoch verschuldete Land damit immer teurer. Insgesamt sammelte die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone 3,3 Milliarden Euro frisches Geld für die bis 2014 und 2015 laufenden Bonds ein.

Spanien steht wie Italien derzeit im Fokus der Finanzmärkte. Viele Anleger halten sich zurück, in ein Land zu investieren, das immer noch mit der Rezession und der höchsten Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone kämpft. Spaniens Wirtschaftsministerin Elena Salgado hatte sich am Mittwochabend noch mit Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero getroffen, um über die Lage zu beraten. Nach dem Gespräch sagte Salgado, der Druck auf Spaniens Staatsschulden sei besorgniserregend, aber "ich würde die Situation nicht als sehr ernsthaft bezeichnen". Salgado begründete ihre Einschätzung mit der Volatität der Märkte im handelsarmen Sommer, den wirtschaftlichen Problemen der USA sowie dem dortigen Schuldenstreit. Grund zu ein wenig Hoffnung bietet der Markt für zehnjährige spanische Anleihen: Hier sank der Zinsaufschlag um 0,16 Prozentpunkte auf 6,06 Prozent.

Auch der italienische Anleihemarkt hat sich nach der Rede von Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Parlament beruhigt. Die Rendite bei zehnjährigen Staatsanleihen sank am Donnerstag auf unter sechs Prozent. Der Mailänder Leitindex MIB reagierte mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent. Nachdem die Renditen auf zehnjährige italienische Staatsanleihen am Mittwoch ein Rekordhoch seit der Euro-Einführung erreicht hatten, versprach Berlusconi im Senat und in der Abgeordnetenkammer in Rom weitere Reformen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und forderte die Abgeordneten zur parteiübergreifenden Kooperation auf.

kra/Reuters/dapd



insgesamt 4 Beiträge
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Schwede2 04.08.2011
1. Schulden kann man halt nur machen, wenn es...
Zitat von sysopRückschlag für Spanien:*Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone sammelte bei einer Anleihe-Auktion weniger Geld ein als erwartet. Die Finanzierung am Kapitalmarkt wird für die Spanier immer teurer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778355,00.html
...Vertrauen zum Schuldner gibt. Ist dieses Vertrauen weg, kommt von außen auch kein Geld mehr. Die Bürger wissen das schon lange und stellen sich mit Ihrer Lebensplanung darauf ein. Es wird langsam Zeit, dass die Staaten diese Lehre endlich auch begreifen. Mehr auszugeben, als man einnimmt, geht auf Dauer 100%-ig schief. Der große Schlag steht unmittelbar bevor. Und bitte dran denken. Die Spanier sind auch mit griechischen Rettungsschirm beteiligt. Wer wird dort wohl in die entstehende Bresche springen?? - Genau!!
wika 04.08.2011
2. Die seltsamen Heilmethoden des Marktes …
… will ich hier mal sinnbildlich wiedergeben. Zuerst macht man den Fehler, dass man Ponys und Ackergäule in ein Gespann zwängt … kein Bauer wäre so doof, aber unsere Politik weiß schließlich was in der Theorie geht. Sprich der Fehler war vorprogrammiert, weil man unterschiedlich leistungsfähige Volkswirtschaften nicht mal eben so via Euro zusammenleimen kann. Jetzt werden die Schwachen zu teuer. Welche Heilungsmethode denken wir uns aus? Klar doch, die schwächelnden Ponys im Gespann mit dem schlechten Rating wird jetzt über Risikozuschläge der verbleibende Proviant gekürzt. Nach einhelliger Meinung der Märkte müsse dies die Heilung bringen und die Ponys kräftigen, auf dass sie nach der Hungerkur und den verringerten Möglichkeiten so kräftig sind wie die Ackergäule. Ja und die Ackergäule. Klar, weil die so blöd waren sich zu den Zirkusponys zu gesellen, müssen natürlich auch diese abgestraft werden, denn ihre Leistungsfähigkeit sinkt ja schließlich, weil sie statt der Nutzlast nun die ersten toten Ponys mit durch die Gegend schleppen müssen. Wer bringt jetzt die Heilung? Sicher: *"Charles Ponzi", der Erfinder des Schneeballsystem* (wird ja eigentlich durch die aktuelle Politik posthum geehrt) … Link (http://qpress.de/2011/07/16/eu-finanzminister-wollen-charles-ponzi-auszeichnen/). Denn er wusste schon vor gut hundert Jahren, dass man auf verbranntes Geld ewig schneller und mehr einfach frisches draufkippt, dann bleibt der Berg erhalten … bis … naja. Also sollten unsere Wirtschaftsweisen vielleicht mal einen Bauern fragen, so einen mit dicken Kartoffeln, statt ihrer papiernen Orakel. Derzeit scheint eines gewiss, wenn man so weitermacht, dann wird sich das Gespann von alleine zerlegen, ganz entgegen aller Prognosen der ach so schlauen Geldadeligen. Vielleicht muss man doch noch einmal überdenken wem diese Wirtschaftswitzenschaftler dienen und ihren Verstand verkauft haben.
idealist100 04.08.2011
3. Warum
Zitat von sysopRückschlag für Spanien:*Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone sammelte bei einer Anleihe-Auktion weniger Geld ein als erwartet. Die Finanzierung am Kapitalmarkt wird für die Spanier immer teurer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778355,00.html
Warum nehmen die nicht das Geld von der EZB für 1,25 %. Das kommt doch morgen sowie so, ach quatsch da bezahlen wir doch lieber mit Steuergeld das für 1,25% geliehene Geld der Banken an diese mit 5%. Irgenwie Zirkusreif das ganze.oder?
ferdinand7 04.08.2011
4. Was nun?
In der spanischen Presse habe ich soeben gelesen, daß die Anleihe-Platzierung angesichts der derzeitigen Marktverhältnisse erfolgreich war, und daß sich das Volumen in der oberen Range bewegt. Hier wird es als Rückschlag dargestellt um einfach noch mehr Dramatik in die Situation reinzubringen. Ich weiß nicht ob das i.O. ist, immer nur die negativen Zeichen zu setzen. Hier sollte die Presse m.E. auch mal ein bißchen mehr Verantwortung zeigen. Es wird z.B. immer unterschlagen, daß Spanien schon über 80% der für 2011 geplanten Auktionen durchgeführt hat, und daß der durchschnittliche Zinssatz der bisherigen Platzierungen insgesamt noch unter 4% liegt, nämlich bei 3,86%. Die Situation ist sicher schwierig aber noch lange nicht hoffnungslos.
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