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16. Juni 2011, 15:50 Uhr

Schuldenkrise

US-Finanzaufsicht warnt vor Crash in Europa

Dramatische Warnung aus Amerika: Der US-Einlagensicherungsfonds fürchtet die Folgen der europäischen Schuldenkrise - und warnt vor einem Zusammenbruch des internationalen Bankensystems. Das Risiko von Kreditausfällen sei enorm, der Euro-Kurs fällt.

Washington - Böse Erinnerungen an den Lehman-Crash werden wieder wach: Der Zusammenbruch einer US-Bank war es, der 2008 das weltweite Finanzsystem ins Wanken brachte. Dieses Mal könnten es europäische Banken sein, die die Weltwirtschaft herunterziehen. Davor warnt der US-Einlagensicherungsfonds FDIC.

Im Zuge der Schuldenkrise könnten große Geldhäuser in Europa die Stabilität des gesamten Finanzsystems in Gefahr bringen, sagte FDIC-Chefin Sheila Bair. Sie sei tief besorgt wegen der Kreditqualität einer Reihe von Ländern und des Engagements einiger Banken dort, sagte Bair.

Die hochrangige US-Expertin bringt mit ihrer Aussage neuen Zündstoff in die Diskussion um dringend benötigte Griechenland-Hilfen. Ausgerechnet jetzt, wo es vor allem um die Frage geht, ob Banken an einem zweiten Rettungspaket beteiligt werden.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass erst im September eine Lösung gefunden wird. Euro-Kurs sackt ab

Der Kurs des Euro sackte am Donnerstag entsprechend ab - auf rund 1,40 Dollar. Auch die großen Börsenindizes standen unter Druck. Der Dax lag am Nachmittag knapp ein Prozent im Minus bei rund 7063 Punkten.

Doch wie groß ist die Gefahr eines Crashs in Europa wirklich? Ist die Schuldenkrise tatsächlich mit der Lehman-Pleite vergleichbar? Hochrangige Experten sehen tatsächlich Parallelen und warnen seit längerem.

FDIC-Chefin Bair geht zwar auf Details nicht explizit ein, warnt aber vor weiteren Gefahren im europäischen Bankensystem. Es sei beunruhigend, dass europäische Geldhäuser weiterhin ihre eigenen Kapitalanforderungen festsetzen, die auf internen Risikoschätzungen basierten. Dadurch fehlten objektive und strenge Beschränkungen, sagte sie.

Die meisten Aufsichtsbehörden und Politiker in den USA stimmten darin überein, dass die Banken gezwungen werden sollten, mehr Kapital vorzuhalten, fügte sie hinzu. Auf diese Weise könnten sich die Kreditinstitute vor Verlusten schützen und mögliche Erschütterungen im Finanzsystem überstehen. Insgesamt sei das Risiko hoch, dass Banken weitere Schwierigkeiten bekämen.

Deutsche Versicherer dringen auf Ausnahmeregelung

Neben den Banken fürchtet offenbar auch die Versicherungsbranche, in die Schuldenkrise verstrickt zu werden. Finanzinsidern zufolge soll eine Ausnahmeregelung für die deutschen Versicherer im Umgang mit griechischen Staatsanleihen verhindern, dass es zu Notverkäufen der Papiere kommt.

Nach der erneuten Rating-Herabstufung des Schuldenlandes durch Standard & Poor's taugten die Anleihen eigentlich nicht mehr als Deckungsstock zur Absicherung der Ansprüche der Versicherten. Damit verlieren sie für die Versicherer an Bedeutung, und es droht ein Verkauf - was die Kurse weiter sinken ließe. Daher liefen derzeit Gespräche zwischen dem Versichererverband GDV, der Finanzaufsicht BaFin und dem Bundesfinanzministerium mit dem Ziel, die Staatspapiere nicht aus dem Sicherungsvermögen ausbuchen zu müssen, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen.

Die Kapitalanlagen der deutschen Versicherer von insgesamt 1,2 Billionen Euro bestehen nur zu weniger als 0,5 Prozent aus griechischen Anleihen - das wären weniger als sechs Milliarden Euro. Der Löwenanteil davon entfällt auf die Branchenriesen Allianz (1,3 Milliarden Euro) und Münchener Rück (1,1 Milliarden).

Die "Financial Times Deutschland" zitierte aus einem Brief von GDV-Geschäftsführer Jörg von Fürstenwerth an die Mitgliedsinstitute, dass die BaFin vor Ablauf der Gespräche die Griechenland-Anleihen im Sicherungsvermögen nicht beanstanden werde. BaFin und GDV wollten sich nicht äußern. Insidern zufolge könnten die Gespräche einige Wochen dauern.

yes/Reuters

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