Schwache Konjunktur Ökonomen rechnen mit monatelanger Dümpelwirtschaft

Deutschlands Wirtschaft kommt nicht in Fahrt: Im Winter stagnierte sie auf dem Niveau vom Herbst, Ökonomen haben wenig Hoffnung, dass sich das bald ändert. Für das Gesamtjahr 2010 rechnen sie nur mit einem Mini-Aufschwung - und mit akuten Rückschlagsgefahren.

Kräne am Hamburger Hafen: Trübe Konjunkturaussichten
dpa

Kräne am Hamburger Hafen: Trübe Konjunkturaussichten


Hamburg/Frankfurt am Main - Das Konjunkturjahr 2010 beginnt mit einem Rückblick, der noch schlechter ist als befürchtet - und mit trüben Aussichten für die kommenden Monate.

Der katastrophale Konjunktureinbruch im vergangenen Jahr ist nun amtlich: Das Statistische Bundesamt bestätigte am Freitag einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,0 Prozent. Das letzte Quartal 2009 war sogar noch mieser als befürchtet. In diesem ist die deutsche Wirtschaft laut Statistischem Bundesamt nicht weiter gewachsen. Sie stagnierte auf dem Niveau des Vorquartals.

Und zum Jahresauftakt geht es ebenso mies weiter. "Wir haben erste Informationen, dass auch der Januar nicht so toll war, unter anderem, weil der Winter ungewöhnlich streng ist", sagte Roland Döhrn, der Leiter des Kompetenzbereichs "Wachstum und Konjunktur" am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Er halte es daher für möglich, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2010 sogar noch weiter zurückgehe - und gegenüber dem vierten Quartal schrumpfe. Auch den weiteren Jahresverlauf sieht Döhrn kritisch. "Insgesamt wird 2010 ein schwaches Jahr", sagt er. "Der Abschwung ist gestoppt, aber ein kräftiger Aufschwung ist nicht in Sicht. Es geht nur leicht aufwärts."

Schwächelnder Konsum

Auch die WestLB schließt einen leichten Rückgang des Bruttosozialprodukts zu Jahresbeginn nicht aus. Die Landesbank begründet dies mit der anhaltenden Talfahrt bei den Auto-Verkäufen und dem kalten Winter. Selbst bei einer Wetteränderung dürfte die Belastung demnach erheblich sein.

Während der private Konsum die Konjunktur im vergangenen Jahr nicht zuletzt dank der Abwrackprämie gestützt hat, sind 2010 kaum positive Effekte von dieser Seite zu erwarten. Noch immer geht in deutschen Haushalten die Angst vor Arbeitslosigkeit um. Deshalb sitzen Verbraucher auf ihrem Geld und halten sich mit Einkäufen zurück.

Immerhin: Während Griechenland und Spanien weiter tief im Tal der Rezession stecken, wird die weltweite Erholung die exportlastige deutsche Industrie nach dem Horrorjahr 2009 wieder kräftig anschieben. Nach einem Ausfuhrminus von 15 Prozent dürften die Exporte in diesem Jahr wieder um knapp 9 Prozent anziehen, sagt der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise. Davon werde nicht nur der knüppelhart von der globalen Krise betroffene Maschinenbau, sondern auch die Automobilindustrie oder die Chemie profitieren, betont Deutsche-Bank-Volkswirt Stefan Bielmeier.

Dabei dürfte auch der Euro-Kurs helfen, der jüngst wegen ausufernder Budgetdefizite unter Druck geriet. "Wir können froh sein, dass der Euro zurzeit nur 1,37 Dollar kostet und nicht mehr 1,50 Dollar, denn dass würde den Export schwächen", betont Heise.

Unsicherer Aufschwung durch Belastungen im Euro-Raum

Generell sieht die Euro-Gruppe Deutschland nach SPIEGEL-Informationen aber nicht als Problemland an. Die Bundesrepublik werde als eines der ersten Länder in der Währungsunion wieder wirtschaftlich Tritt fassen, heißt es in einer Beschlussvorlage der Finanzministerrunde der 16 Euro-Staaten. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sei "weitgehend intakt", und es sei zu erwarten, "dass die weltweite Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern wächst".

Andererseits drohen Deutschland negative Rückkopplungseffekte durch Probleme in der EU. Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums ist nach einer ersten Schätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat im vierten Quartal 2009 nur um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Im Krisenjahr 2009 insgesamt schrumpfte das BIP des Euro-Raums um 4,0 Prozent.

Vor allem die Schuldenkrise in Staaten wir Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien (siehe linke Spalte) könnte den schwachen deutschen Aufschwung schnell zunichte machen. Überall auf dem Kontinent wachsen die Staatsschulden ins scheinbar Grenzenlose - die Wirtschaftskrise lässt die Steuereinnahmen einbrechen, dazu kommen Milliardenbelastungen durch die nationalen Konjunkturprogramme, die Haushalte sind extrem belastet.

Deutschlands Banken - vor allem die Landesbanken - sind von der Schuldenkrise stark bedroht. Laut einer Schätzung der französischen Bank Societé Générale halten die deutschen Institute Staatsanleihen im Wert von mehr als 500 Milliarden Euro aus Griechenland, Portugal, Spanien und Irland, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag.

ssu/dpa/Reuters

insgesamt 510 Beiträge
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kurt klemm, 23.12.2009
1. Nur so
Die leeren und halbvollen Tanks des Konjunkturmotors müssen gefüllt und nicht die vollen Tanks erneut zum Überlaufen gebracht werden, dann springt auch der Konjunkturmotor wieder an. Bei Tanks, die überlaufen verdampft oder verbrennt der Konjunkturtreibstoff – wie häufig geschehen (ganz aktuell 140 MRD beim Crash anlässlich der Bankenkrise) Wir brauchen eine wesentlich breitere Einkommens- und Vermögensstreuung und nicht erneut eine Übersättigung der Satten durch eine Steuerreform, die oben wieder großzügig und unten mager bedient ! Der Mittelstand wartet auf Kunden und nicht auf Steuererleichterungen für Steuern, die er gar nicht zahlt. Die 700 Millionen Steuererleichterung für Milliardäre durch die Senkung des Spitzensteuersatzes haben Null-Komma-Null positiven Effekt auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt und damit auch auf die politischen Schöpfer dieses irrwitzigen Konstrukts. 700 Millionen in Händen der Verbraucher oder der Gemeinden würden die Wirtschaft und hier namentlich den Mittelstand stärken. Autos werden auch in Zukunft keine Autos kaufen und in die 4-fach-Garage passt auch in Zukunft kein fünttes Automobil - und sei es noch so klein. Übrigens: Von 1960 bis 2005 sank in Deutschland der Anteil der Steuern auf Gewinn- und Vermögenseinkommen von 20 Prozent auf 6,7 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Steuern auf Löhne und Gehälter von 6,3 auf 20,8 Prozent. Wer das nicht verändert, wird gar nichts verändern Wer das nicht kapiert, hat gar nichts kapiert.
nimmnix 23.12.2009
2. Krisen ?
Zitat von sysopDie Wirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise machen uns weiterhin zu schaffen. Viel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens. Wie kommt Deutschland Ihrer Meinung nach am besten aus der Krise?
Einfach mal aufhören wahnwitzig hohe Milliarden Beträge von Staatswegen her in die nicht nur und ausschließlich deutsche Wirtschaft zu pumpen. Beträge die noch nicht einmal erwirtschaftet wurden, geschweige denn durch zukünftige Steuereinnahmen abgedeckt und gesichert sind. Gelder die völlig Schamlos und je nach Bedarf ganz einfach in allen EU Ländern frisch gedruckt und in Umlauf gebracht werden um kurzfristig den Zusammenbruch von Firmen, ja ganzer Branchen und selbst staatlich betriebenen Dienstleister wie z.B. die ’Bundesanstalt für Arbeit’ zu verhindern. Die ’Bundesanstalt für Arbeit’ der eine Finanzspritze von 16 Milliarden Euro bis längstens Ende Februar 2010 reichen wird. Ein Faß ohne Boden !! Eine ’Anstalt’ in die in Deutschland lebende und arbeitende Bürger einbezahlen MÜSSEN. Bürger die aus der ganzen Europaeischen Union nach Deutschland kommen weil sie wissen das es bei uns noch etwas gibt. Sei es Arbeit oder Arbeitslosen Geld. Als ob es da nicht nahe genug liegen würde wenigstens 50 % der Ausgaben dieser ’Anstalt’ aus EU Mitteln zu finanzieren . Ich wünsche uns allen einfrohes Krisen freies und fettes Weihnachts Fest. Merry X-Mas NIMMNIX
ender, 23.12.2009
3. Ein Rezept gäbe es schon ...
Zitat von sysopDie Wirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise machen uns weiterhin zu schaffen. Viel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens. Wie kommt Deutschland Ihrer Meinung nach am besten aus der Krise?
Über die wichtigsten Rezepte (http://www.fkks.eu/item/11) wird gar nicht diskutiert. Deshalb kann man eigentlich auch nicht von Dissens reden. Beschäftigung muss für Unternehmer wieder attraktiv werden!
Knippi2006 23.12.2009
4.
Zitat von enderÜber die wichtigsten Rezepte (http://www.fkks.eu/item/11) wird gar nicht diskutiert. Deshalb kann man eigentlich auch nicht von Dissens reden. Beschäftigung muss für Unternehmer wieder attraktiv werden!
Auf den ersten Blick ein recht interessantes Konzept. Und jetzt das ABER: Das ganze führt zu nichts anderem als zu weiterer Konzentration, zu wuchernden Unternehmenskonglomeraten und keinesfalls zu dem, was viel nötiger wäre - Diversifikation.
semper fi, 23.12.2009
5. Auf Thema antworten
Zitat von sysopDie Wirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise machen uns weiterhin zu schaffen. Viel ist noch zu tun, aber über die richtigen Rezepte herrscht meist Dissens. Wie kommt Deutschland Ihrer Meinung nach am besten aus der Krise?
Wenn Knippi2006 Bundeskanzler wäre, eine Garantie für eine schnelle Erholung - oder auch nicht.
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