Schwächelnder Onlinehandel Amazon sucht Untermieter für Warenlager

Der Pandemie-Boom ist für Amazon vorbei. Nun geht der weltweit größte Onlinehändler ungewöhnliche Wege, um Kosten zu drücken.
Amazon-Lager in Staten Island: Teuer und nicht gebraucht?

Amazon-Lager in Staten Island: Teuer und nicht gebraucht?

Foto: Eduardo Munoz Avarez / AP

In der Coronakrise explodierte das Geschäft von Amazon. Der weltweit größte Onlinehändler verbuchte Rekordgewinne. Doch inzwischen ist es mit dem Boom vorbei. Im ersten Quartal schrieb das Unternehmen überraschend und erstmals seit 2015 Verluste, die Wachstumsraten sind so niedrig wie zuletzt vor mehr als 20 Jahren – und auch der Aktienkurs sackte ab.

Angesichts dieses Einbruchs greift der Konzern nun zu ungewöhnlichen Mitteln, um die Kosten zu drücken. Amazon plant die Untervermietung eines Teils seiner Lagerhallen.

Der Schritt ermöglicht es dem Unternehmen, sich von den finanziellen Verpflichtungen zu befreien, die mit einem bestehenden Gebäude verbunden sind, sagte Amazon-Sprecherin Alisa Carroll. Das Gebäude entspreche nicht mehr den Bedürfnissen.

Höhere Produktivität angestrebt

Carroll machte keine Angaben dazu, wie viel Platz das Unternehmen untervermieten will. Bloomberg News  und das »Wall Street Journal« berichteten jedoch unter Berufung auf anonyme Quellen, dass der Einzelhändler mindestens zehn Millionen Quadratmeter Fläche untervermieten werde und weitere Mietverträge in Staaten wie New York, New Jersey und Kalifornien beenden könnte.

Das in Seattle ansässige Unternehmen hatte während der Pandemie die Größe seines Geschäftsbetriebs verdoppelt. Um mit der Nachfrage von Verbrauchern im Homeoffice Schritt zu halten, legte sich Amazon mehr und mehr Lagerhäuser und Mitarbeiter zu – und lockte diese auch noch mit höheren Löhnen als üblich. Das kommt den Konzern nun teuer zu stehen. Hinzu kommt, dass auch Amazon mit der Inflation zu kämpfen hat: Das verfügbare Einkommen der Verbraucher wird geringer und Lieferungen werden teurer.

Die nun angestrebte Verkleinerung sei etwas, das viele etablierte Unternehmen täten, teilte Sprecherin Carroll mit. Der jüngste Verlust bei Amazon ist außer auf das schwächelnde Onlinegeschäft auch auf eine große Abschreibung für das Elektroauto-Start-up Rivian Automotive zurückzuführen.

Amazon-Geschäftsführer Andy Jassy teilte zuletzt mit, dass sich das Unternehmen nun auf die Verbesserung der Produktivität konzentrieren wolle.

apr/AP