Selektive Behandlung nach Ethnie Schweden untersucht Rassismusvorwürfe gegen H&M

Eine Zeitung berichtet von »Rassismuskultur« bei H&M, Kunden würden je nach ethnischer Herkunft unterschiedlich behandelt. Schwedens Diskriminierungsbeauftragter fordert eine Erklärung.
Foto: FREDRIK SANDBERG / AFP

Der Diskriminierungsbeauftragte der schwedischen Regierung, Lars Arrhenius, hat eine Prüfung von Vorwürfen gegen den Modekonzern H&M eingeleitet. Hintergrund sind mehrere Medienberichte, wonach das Unternehmen in Schweden Kunden je nach ethnischer Zugehörigkeit unterschiedlich behandele und sie benachteilige, indem von einigen selektiv beim Umtausch von Waren die Quittung eingefordert werde, teilte Arrhenius am Mittwoch mit.

Er werde nun unter anderem die Sicht des Unternehmens auf die Berichte abfragen. Zweck der umfassenden und unabhängigen Untersuchung sei es, herauszufinden, ob die Modekette gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen habe.

H&M hat nach Angaben von Arrhenius bis zum 22. Dezember Zeit, sich zu der Angelegenheit zu äußern. Der Konzern bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa, man sei über den Vorgang informiert worden. Das Unternehmen werde darauf entsprechend der Bitte um Stellungnahme antworten.

Nichts gelernt aus dem letzten Skandal?

Die schwedische Zeitung »Aftonbladet« hatte bereits Mitte November berichtet, dass mehrere Kunden wegen ihres ethnischen Ursprungs schlechter behandelt worden seien als andere. Die Zeitung stützte sich bei der Recherche unter anderem auf Angaben langjähriger H&M-Angestellter und auf Aufnahmen, die mit einer versteckten Kamera gedreht wurden.

Eine Angestellte gab sogar zu Protokoll, sie habe den Eindruck gehabt, dass im Geschäft eine »Rassismuskultur« herrsche. In einer Reaktion darauf schrieb H&M der Redaktion, das Unternehmen distanziere sich klar von jeglicher Form von Rassismus und Diskriminierung. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst.

H&M unter Druck


Anfang 2018 hatte H&M mit einer als rassistisch empfundenen Werbung für Empörung gesorgt. Auf der Website des Unternehmens war zeitweise ein kleiner dunkelhäutiger Junge in einem grünen Kapuzenpulli abgebildet, auf den der Schriftzug »Coolest Monkey in the Jungle« (Coolster Affe im Urwald) gedruckt war. Das Unternehmen zog die Werbung nach heftiger Kritik später zurück und entschuldigte sich.

beb/dpa
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