Schwedische Auto-Ehe Koenigsegg fehlt noch Geld für Saab-Kauf

Die Rettung des Autoherstellers Saab gerät zur Zitterpartie. Der Sportwagenbauer Koenigsegg und die bisherige Saab-Mutter General Motors haben sich auf die Konditionen geeinigt. Doch ein Aspekt ist noch unklar - nämlich von wem Koenigsegg das Geld für die Übernahme vorgestreckt bekommt.


Stockholm - Eine mögliche Übernahme des defizitären Autoherstellers Saab durch den Sportwagenproduzenten Koenigsegg rückt näher. Man habe sich mit General Motors (GM) auf die Bedingungen zum Kauf von Saab geeinigt, teilte Koenigsegg am Dienstag mit. Das Geschäft werde voraussichtlich innerhalb eines Monats besiegelt.

Saab: Möglicher Käufer Koenigsegg hofft auf Kredite und Bürgschaften
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Saab: Möglicher Käufer Koenigsegg hofft auf Kredite und Bürgschaften

Dennoch gibt es Zweifel, ob der Kauf tatsächlich schon sicher ist. Genährt werden die Bedenken ausgerechnet von dem Sportwagenhersteller selbst. Der Koenigsegg-Direktoriumsvorsitzende Augie Fabela räumte in einem Interview der Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" ein, dass die Finanzierung der Übernahme in Teilen noch ungeklärt sei. Wie es in der Zeitung heißt, stehe bei dem Konsortium um den kleinen schwedischen Fahrzeughersteller Koenigsegg die Finanzierung zu 70 Prozent.

Auch GM äußerte sich zurückhaltend. Der US-Autokonzern bestätigte zwar, dass eine Vereinbarung zum Verkauf von Saab geschlossen wurde. Allerdings geht der bisherige Saab-Mutterkonzern von einer weniger schnellen Übernahme aus. Der Abschluss der Transaktion werde bis Jahresende erwartet und könne dann "die Zukunft von Saab sicher stellen", teilte GM am Dienstag mit. Der Verkauf hänge unter anderem noch von den Finanzzusagen der schwedischen Regierung ab.

Koenigsegg hofft auf ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) über rund 550 Millionen Euro, für das Schweden bürgen soll. Fabela sagte, Koenigsegg habe zumindest positive Signale von der schwedischen Regierung erhalten. Die EIB wird voraussichtlich bis Ende September über den Kreditantrag entscheiden. Doch auch darüber hinaus fehlen dem Bericht zufolge noch rund 400 Millionen Euro. Fabela erwartet, dass GM bei Saab als Minderheitsaktionär engagiert bleibe, bis die Tochter wieder Gewinne schreibt. Dies solle in drei Jahren der Fall sein.

Saab mit 3400 Beschäftigten ist einer der weltweit kleinsten Anbieter von Autos aus Serienfertigung mit einer Jahresproduktion von 93.000 Wagen im vergangenen Jahr. Seit dem Einstieg von GM vor knapp 20 Jahren hat das schwedische Unternehmen bis auf zwei Jahre stets Verluste eingefahren. Für dieses Jahr wird ein Minus von drei Milliarden Kronen (276 Millionen Euro) erwartet. Bei Koenigsegg mit 45 Mitarbeitern wurden im vergangenen Jahr 18 Sportwagen gefertigt, von denen keiner weniger als umgerechnet rund 700.000 Euro kostete.

tko/Reuters/dpa



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