Niedrige Schlachtkapazitäten in der Pandemie 750.000 Tiere stehen im Schweinestau

Wegen Corona-Schließungen und -Auflagen verarbeiten Fleischereien weniger Tiere als früher. Der Platz im Stall wird immer knapper – und für die Schlachtbetriebe gelten ab Januar noch strengere Regeln.
Blick in einen Schweinestall (Symbolbild): Muss Deutschland die ganze Welt mit Schweinefleisch ernähren?

Blick in einen Schweinestall (Symbolbild): Muss Deutschland die ganze Welt mit Schweinefleisch ernähren?

Foto: Friso Gentsch / dpa

Die Coronakrise legte die Schattenseiten der deutschen Fleischindustrie offen. Und auch wenn viele von Infektionen ihrer Mitarbeiter geplagte Fleischereien wieder ihren Betrieb aufgenommen haben, ist die Zahl der schlachtreifen Schweine auf vielen Höfen immer noch hoch – und der Platz für die Tiere damit entsprechend eng.

Der niedersächsischen Agrarministerin Barbara Otte-Kinast zufolge befinden sich wegen immer noch geringer Schlachthofkapazitäten in der Coronakrise weiterhin sehr viele Tiere in diesem sogenannten Schweinestau. Bundesweit seien etwa 750.000 Schweine »in der Warteschleife«, sagte die CDU-Politikerin der »Neuen Osnabrücker Zeitung «. Die Lage in den Ställen habe sich »überhaupt noch nicht entspannt«.

Ministerin: Landwirte psychisch belastet

In der Pandemie werden aus Infektionsschutzgründen weniger Schweine geschlachtet. Zudem waren mehrere große Betriebe nach Corona-Ausbrüchen unter den Beschäftigten zumindest zeitweise geschlossen. Das führte zu einem Stau an Schlachtschweinen in der Landwirtschaft. Inzwischen haben einige große Schlachtbetriebe ihre Arbeit wieder aufgenommen, doch es gibt auch wieder neue Ausbrüche. Hinzu kommt, dass die Kapazität angesichts künftig strengerer Regeln für die Betriebe ebenfalls leiden könnte: Werkverträge sollen ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr möglich sein, während Leiharbeit ab dem 1. April 2021 in der Fleischwirtschaft verboten werde.

Ministerin Otte-Kinast wies auf die psychische Belastung der vom Schweinestau betroffenen Landwirte hin: »Die Verzweiflung ist riesengroß.« Hinzu komme, dass die Erzeugerpreise »extrem niedrig« seien, die Landwirte also nur noch wenig Geld für ihre Tiere bekämen. Der Fleischpreis war nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Ostdeutschland eingebrochen. Wichtige Exportländer wie China hatten deutsche Ware daraufhin gesperrt.

Die Agrarministerin mahnte, die Krise als Chance zu nutzen, die Landwirtschaft neu zu denken: »Ist es wirklich Aufgabe der Landwirtschaft, die ganze Welt zu ernähren?«, fragte sie. Vielmehr müsse darüber nachgedacht werden, ob nicht regionale Wertschöpfungsketten gestärkt werden sollten. Der niedersächsische Landwirt solle nicht finanziell vom asiatischen Markt abhängig sein.

apr/dpa