Trotz drohender Strafzinsen Anleger schaffen noch mehr Geld in die Schweiz

Nach der Freigabe des Franken tauschen internationale Investoren massenhaft Euro und Dollar in die Schweizer Währung. Der höhere Kurs stört sie dabei offenbar genauso wenig wie drohende Strafzinsen.
Schweizer Flagge in den Bergen: Franken als begehrte Währung

Schweizer Flagge in den Bergen: Franken als begehrte Währung

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Zürich - Die Flucht internationaler Anleger in die Schweiz hält an. Reiche Ausländer tauschten in der vergangenen Woche wieder Milliardenbeträge in Franken, obwohl sie für die Schweizer Währung nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses deutlich mehr zahlen müssen. Zudem müssen sie mit Negativzinsen auf Vermögen rechnen, die sie in der Schweiz parken.

Wenn Euro und Dollar in Franken getauscht werden, landet das Geld auf den Konten der Banken bei der Schweizer Notenbank. Die Guthaben dort stiegen in der vergangenen Woche sprunghaft um 26 Milliarden auf 365 Milliarden Franken, wie die Schweizer Nationalbank (SNB) am Montag mitteilte.

Der jüngste Anstieg ist der höchste in einer Woche seit März 2013. Dies sei ein sehr starker Hinweis dafür, dass die SNB auch nach der Aufhebung des Mindestkurses weiterhin im Markt interveniert und Euro aufkauft, erklärte ein Devisenexperte der Schweizer Bank Credit Suisse. Die Währungshüter wollen eine noch stärkere Aufwertung des Franken verhindern, weil dies Schweizer Güter im Ausland verteuert und auch dem Tourismus-Gewerbe das Leben schwermacht.

Negativzinsen als Preis für die Sicherheit

Am 15. Januar hatte die SNB den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro abgeschafft. Die Gemeinschaftswährung war daraufhin innerhalb von Minuten unter einen Franken gefallen. Zuletzt war ein Euro 0,99 Franken wert.

Zugleich erhöhte die SNB den Negativzins auf Einlagen der Banken bei der Notenbank auf minus 0,75 Prozent. Die Währungshüter hoffen, dass große internationale Anleger wie etwa Hedgefonds deshalb ihr Geld nicht mehr in der Schweiz, sondern etwa in den USA anlegen. Eine Reihe von Geschäftsbanken hat bereits angekündigt, die Negativzinsen an Großkunden weiterzugeben. Die Investoren schreckt das aber offenbar nicht ab.

Experten erklären die Flucht in den Franken mit der Unsicherheit, die die Wahl in Griechenland und das Staatsanleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) geschaffen haben. In dieser Lage sei ein Negativzins von 0,75 Prozent ein akzeptabler Preis für die Sicherheit, die der Franken bietet, erklärte ein Devisen-Analyst des Brokers Swissquote. Auch dass Anleger für einen Euro nur noch knapp einen Franken erhalten und nicht mehr 1,20 Franken, schrecke nicht ab.

Wenn die Euro-Untergrenze nicht aufgehoben worden wäre, hätte die SNB nach eigener Schätzung allein im Januar Devisen im Gegenwert von 100 Milliarden Franken kaufen müssen. Bereits jetzt betragen die Devisenreserven mit 500 Milliarden Franken rund 85 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsprodukts.

stk/Reuters
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