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02. Februar 2015, 12:47 Uhr

Franken-Freigabe

Schweizer Industrie auf Schrumpfkurs

Der starke Franken macht der Schweizer Industrie schwer zu schaffen. Der sogenannte Einkaufsmanagerindex ist im Januar drastisch eingebrochen. Der aktuelle Wert deutet auf eine schrumpfende Produktion hin.

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Zürich - Die Stimmung in der Schweizer Industrie hat sich nach der Aufgabe des Franken-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) deutlich verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sank im Januar um 5,4 Punkte auf 48,2 Punkte ein. Ein Wert über 50 Punkte deutet auf Wachstum hin. Ein derartiger Einbruch innerhalb eines Monats ist äußerst selten - es war das größte Minus seit der Finanzkrise.

Die Rahmenbedingungen der Schweizer Unternehmen hatten sich im vergangenen Monat allerdings schlagartig geändert: Die SNB hatte am 15. Januar ihren bisherigen Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro aufgegeben - und damit eine stärkere Aufwertung des Schweizer Franken zugelassen. Seitdem liegt der Eurokurs nur noch knapp über einem Franken.

Ein starker Franken macht es Schweizer Exportunternehmen schwerer, ihre Waren im Ausland zu verkaufen. Zudem wird Urlaub in der Schweiz für ausländische Touristen teurer, worunter der große Tourismussektor leidet.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat die meisten Firmen offenbar kalt erwischt. Drei Viertel waren am 15. Januar nicht gegen eine Aufwertung der Währung abgesichert, wie aus dem Einkaufsmanagerindex hervorgeht. Nun werden die Lager verkleinert und bei den Vorprodukten wird die Beschaffung zurückgefahren. Erste Firmen denken auch an einen Personalabbau.

Laut einer Hochrechnung der Bank Credit Suisse dürften Schweizer Unternehmen bei einem Eurokurs in der Nähe von einem Franken rund 31 Milliarden Franken im Jahr weniger einnehmen. Dieses Minus lässt sich teilweise ausgleichen, weil auch Rohstoffe und Vorprodukte aus dem Ausland für Schweizer billiger werden. Unter dem Strich bleiben nach Schätzungen der Credit-Suisse-Experten aber rund 18 Milliarden Franken, die den Firmen in der Kasse fehlen.

Zusammengefasst: Viele Schweizer Industrieunternehmen waren auf die Aufwertung des Franken-Wechselkurses nicht vorbereitet. Nun fürchten sie schlechtere Geschäfte. Der Einkaufsmanagerindex ist deutlich gesunken.

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stk/dpa Reuters

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