Schweizer Währungshöhenflug Franken springt auf Rekordhoch zum Euro

Der Euro taumelt, die Schweizer Währung entwickelt sich zum Sicherheitshafen für nervöse Anleger. Der Kurs des Franken hat ein Rekordhoch erreicht, zieht zeitweise gar fast mit der europäischen Gemeinschaftswährung gleich. Experten sehen den Gipfel noch längst nicht erreicht.

Schweizer Franken: Die starke Währung macht der Wirtschaft zu schaffen
REUTERS

Schweizer Franken: Die starke Währung macht der Wirtschaft zu schaffen


Frankfurt am Main - Die Schweizer Währung könnte bald mit dem Euro gleichziehen: Der Kurs des Schweizer Franken ist am Dienstag auf ein Rekordhoch im Vergleich zum Euro Chart zeigen gesprungen. Angesichts neuer Sorgen an den Handelsplätzen vor einer deutlichen Abkühlung der US-Wirtschaft fiel der Eurokurs im Vormittagshandel zeitweise bis auf 1,0989 Franken. Ein Franken kostete damit rund 90 Cent. Die Währung der Schweiz notiert damit so hoch wie noch nie.

Der Franken befindet sich seit Monaten im Höhenflug. Im weiteren Handelsverlauf am Dienstag fiel der Franken wieder leicht zurück und stand zuletzt bei 1,1041 Euro. Für Konjunkturforscher Jan-Egbert Sturm von der ETH Zürich ist der Gipfelsturm aber noch nicht beendet: "Es ist nicht zuletzt ein Zeichen der Stärke, dass der Franken solche Höhen erklimmt", erklärt er im Interview mit der Zeitung "Der Sonntag".

Investoren wollen auf "Nummer sicher" gehen

Hintergrund ist folgender: Eine ganze Reihe überraschend schwacher Konjunkturdaten aus den USA sorgt derzeit für Unsicherheit bei Investoren. "Die US-Schuldenkrise ist gezähmt, die Wirtschaftskrise ist zurück" - so beschreiben Experten der Commerzbank die Lage an den Finanzmärkten. Wenn Investoren auf "Nummer sicher" gehen wollen, kaufen sie häufiger den Schweizer Franken - er gilt als krisenfeste Währung. Die "üblichen Verdächtigen" würden derzeit besonders stark nachgefragt, sagte dazu Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank.

Für eine exportorientierte Nation wie die Schweiz wird die teure Währung immer mehr zur Bürde. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) macht riesige Verluste. Allein im ersten Halbjahr 2011 belief sich das Minus auf 10,8 Milliarden Franken. Hauptgrund waren Wechselkursverluste.

Auch die Schweizer Wirtschaft droht den Kampf mit der starken Währung zu verlieren. Fest steht, dass der Exportboom der Schweizer Industrie des ersten Halbjahres außer bei den Uhrenexporten erst einmal vorbei ist - die Ausfuhren stagnieren und die Preise fallen. Wer die Preise nicht senkt, verliert seine Kunden. Und selbst wer noch gut exportiert, macht durch die Härte der Währung zum Teil schon rote Zahlen, wie die Maschinenindustrie feststellen muss.

dis/dpa-AFXP



insgesamt 111 Beiträge
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p13 02.08.2011
1. $$
Im Prinzip richtig, zu sagen, dass der Franken auf ein neues Rekordhoch "springt". Er zieht allerdings schon seit etlichen Monaten auf ein immer neues Rekordhoch. Aber schön, dass das endlich mal auch von den Medien bemerkt wird.
aceofspade 02.08.2011
2. Rette sich wer kann
Zitat von sysopDer Euro taumelt, die Schweizer Währung entwickelt sich zum Sicherheitshafen für nervöse Anleger.*Der Kurs des Franken hat ein Rekordhoch erreicht, zieht*zeitweise*gar fast mit der europäischen Gemeinschaftswährung gleich. Experten sehen den Gipfel noch*längst*nicht erreicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,777924,00.html
Es ist nicht so, dass der Franken so gut ist. Er ist nur im Kraenzchen der Fiat Moneten die Waehrung, die am wenigsten schlecht aussieht. Gold wird mitziehen, das es nicht abgewertet werden kann. Ein Zeichen, dass der Markt am Beginn einer rette-sich-wer-kann Mentalitaet ist. Alle Schulden werden am Ende bezahlt. Von den Sparern und denen, die den Illusionen der Lebensversicherungsindustrie aufgesessen sind, den Steuerzahlern und der breiten Allgemeinheit durch schleichende-galoppierende Inflation. Endgame. Das Vertrauen in die grossen Waehrungen ist weg.
alocasia 02.08.2011
3. Doof
Die Urlaubspläne für die Schweiz sind gestrichen, langsam wird es dann doch zu teuer. Dann halt nach Frankreich.
Ghost12 02.08.2011
4. Tja
in jedem Kindergarten für Zentralbanker wird beim ersten Besuch erzählt, wie man eine Währung stabilisiert. Bernanke und Trichet waren da aber krank.
blaubaer46 02.08.2011
5. Ich find es ja auch immer irgendwie putzig . . .
Zitat von sysopDer Euro taumelt, die Schweizer Währung entwickelt sich zum Sicherheitshafen für nervöse Anleger.*Der Kurs des Franken hat ein Rekordhoch erreicht, zieht*zeitweise*gar fast mit der europäischen Gemeinschaftswährung gleich. Experten sehen den Gipfel noch*längst*nicht erreicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,777924,00.html
. . . wenn die "Stärke" des Euros täglich nur gegen den Dollar (oder umgekehrt) gemessen und debattiert wird. Da werden 2 kranke Währungen miteinander verglichen. Zum Glück gibt es Referenzwährungen die das wahre Bild zeigen!
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