Weltwirtschaft in der Krise Investoren ziehen eine Billion Dollar aus Schwellenländern ab

Die einstigen Wachstumstreiber der Weltwirtschaft schwächeln: Immer mehr Anleger ziehen ihr Geld aus Schwellenländern wie China, Brasilien und Russland ab. Experten fürchten, dass der Trend sich noch beschleunigen wird.
Finanzdistrikt von Shanghai: Angst vor dem Währungskrieg

Finanzdistrikt von Shanghai: Angst vor dem Währungskrieg

Foto: © Aly Song / Reuters/ REUTERS

Schwaches Wachstum, taumelnde Währungen, politische Spannungen: Viele frühere Hoffnungsträger der Weltwirtschaft sind zu Problemfällen geworden. Die einst von der Finanzindustrie als Emerging Markets gepriesenen Schwellenländer wie Brasilien, Russland oder China werden für Investoren offenbar immer unattraktiver.

Wie die "Financial Times" berichtet, sind in den 13 Monaten bis Ende Juli rund 940 Milliarden Dollar aus den größten 19 Schwellenländern abgeflossen, deutlich mehr als während der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009. Die Zeitung beruft sich dabei auf Daten und Schätzungen des Vermögensverwalters NN Investment Partners.

Hinter den Zahlen steht ein fundamentaler Wandel der weltweiten Geldströme. Angesichts der historisch niedrigen Zinsen in Europa und den USA und des anhaltend starken Wachstums in vielen Schwellenländern waren zwischen Mitte 2009 und Mitte 2014 rund zwei Billionen Dollar in die vielversprechenden neuen Märkte geflossen. Nun geht es wieder in die andere Richtung - und zwar in einem Tempo, dass sich in den kommenden Wochen und Monaten noch einmal verschärfen dürfte.

Vor allem China steht derzeit im Fokus der Investorenängste. In der vergangenen Woche hatte die Zentralbank in Peking die Landeswährung Yuan stark abgewertet, um die eigene Exportwirtschaft zu stärken. Damit riskiert China jedoch, dass auch andere Schwellenländer ihre Währungen künstlich schwächen - ein Währungskrieg wäre die Folge. Entsprechend verschreckt reagieren die Börsen. Auch an diesem Mittwoch ging es mit den chinesischen Aktienkursen wieder abwärts.

Doch es ist längst nicht China allein: Auch Länder wie Brasilien, die Türkei, Russland und Malaysia haben mit enormen wirtschaftlichen und politischen Problemen zu kämpfen. Auch ihre Währungen verlieren an Wert. Verschärfend hinzu kommt der Verfall der Rohstoffpreise, der einigen dieser Länder extrem zu schaffen macht.

Experten erwarten denn auch, dass der Geldabfluss aus den Schwellenländern nicht so schnell gestoppt werden kann. Im Gegenteil: "Diese Abflüsse werden noch viel weiter gehen", sagte Maarten-Jan Bakkum, Schwellenländer-Stratege bei NN Investment Partners, der "Financial Times".

Haupttreiber weiterer Abflüsse könnte neben den Entwicklungen in China vor allem die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank Fed werden. Die hat bereits angekündigt, noch in diesem Jahr die Leitzinsen in den USA erhöhen zu wollen. Anlagen in Dollar würden dadurch attraktiver - und alle Währungen würden an Reiz verlieren.

stk