Mindestannahmeschwelle nicht erreicht Finanzinvestoren scheitern mit Übernahme von Scout24

Finanzinvestoren boten 5,7 Milliarden Euro für Scout24 - so viel wie für keine andere Firma in Deutschland. Doch die Aktionäre haben die Übernahmepläne für den Anzeigenportalbetreiber platzen lassen.

Portale von Scout24
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Die Beteiligungsgesellschaften Blackstone Chart zeigen und Hellman & Friedman kratzten gemeinsam bis 5,7 Milliarden Euro zusammen und ließen sich sogar eine Kreditlinie über 800 Millionen Euro zusichern, um gegebenenfalls noch nachlegen zu können. Doch selbst dieses rekordverdächtige Angebot war den Aktionären von Scout24 nicht gut genug. Die beiden Finanzinvestoren mussten ihre geplanten Übernahme des Anzeigenportalbetreibers abblasen.

Die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie sei nicht erreicht worden, teilte die von den Investoren beauftragte Gesellschaft Pulver BidCo in München mit. Zum Ablauf der Annahmefrist des Angebots am 9. Mai entsprach die Summe demnach nur rund 42,8 Prozent aller Scout24-Aktien.

Aktienkurs gibt stark nach

Konkret hatten Blackstone und Hellmann & Friedmann nun 46 Euro je Aktie und damit 2,50 Euro mehr als noch bei einem ersten Anlauf im Januar gescheitert. Mit 5,7 Milliarden Euro wäre Scout24 die teuerste Übernahme eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland durch Finanzinvestoren gewesen.

Der Aktienkurs des im MDax notierten Unternehmens brach nach der Bekanntgabe des geplatzten Übernahmeversuchs zeitweise um mehr als sieben Prozent ein. Zuvor hatte sich das Papier seit der Bekanntgabe des Angebots im Februar in der Nähe des Gebotspreises gehalten, der Mitte Februar auf 46 Euro pro Aktie nachgebessert wurde.

Scout24 betreibt mehrere Internetportale, darunter AutoScout24 und ImmobilienScout24. Hellman & Friedman hatte das Unternehmen selbst erst vor drei Jahren an die Börse gebracht. Scout24 war 2018 zum wiederholten Male deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg um 12,5 Prozent auf 531,7 Millionen Euro, der Betriebsgewinn legte um 10,5 Prozent auf 257,3 Millionen Euro zu.

Scout24-Finanzvorstand Christian Gisy hat zuletzt das Interesse an Teilen von Ebay Classifieds, der Kleinanzeigensparte der Internet-Handelsplattform Ebay bekräftigt, zu der unter anderem der größere AutoScout-Rivale Mobile.de gehört. "Brauchen wir dazu dringend einen strategischen Partner? Definitiv nicht", sagte Gisy, kurz bevor die Finanzinvestoren ihre Niederlage einräumten. "Wir sind auch aus eigener Kraft in der Lage, das zu liefern."

Angesichts niedriger Zinsen suchen Finanzinvestoren weltweit intensiv nach Anlagemöglichkeiten für das Geld, das ihnen reiche Familien, Pensionskassen, Versicherer und andere große Anleger anvertrauen. Allein Blackstone hatte im Januar noch fast 113 Milliarden Dollar für Übernahmen übrig.

apr/dpa/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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iSd3d 14.05.2019
1. Ärgerlich.
Übernehmen, ausbluten lassen, zerschlagen, die Reste meistbietend verscheuern und mit Milliardengewinn weiterziehen, noch mehr zerstören - also typisch Blackrock, hat hier leider nicht geklappt. Doof für viele Multimilliardäre, die nun vielleicht sogar mit einstelliger Rendite leben müssen, wenn nicht das nächste Projekt klappt.
stefanbodensee 14.05.2019
2. Die schon wieder ....
wenn ich den Namen 'Blackstone' höre, dann zieht sich bei mir (sinnbildlich) jede Körperöffnung zusammen. Das Sinnbild der Heuschrecke, mit Geld wie Heu, mit Macht und Einfluss wie Heu - und mit 'ohne Skrupel' wie Heu. Mag sein, daß ich damit das eine oder andere Klischee bediene, aber bei dieser Art Konglomerat graut es mir. Gut, daß den Herrschaften noch ab und an ein Knüppel vor die Füße geworfen wird - und man ihnen Einhalt gebietet. Ob es langfristig was nutzt, lasse ich vorerst dahingestellt - mit 113 Milliarden 'Übernahmekapital' hat man ja eine große Spielwiese zur Auswahl - leider.
siegfried_richard_albert 15.05.2019
3. Heuschrecken
Eines muss klar sein. Wenn Finanzinvestoren Milliarden Euro für Firmenübernahmen haben ist es Ihnen egal, wenn ein (1!) Kauf nicht klappt. Sie werden sicher in Kürze ein anderes Unternehmen finden, das sie gewinnbringend kaufen und wieder verkaufen können. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie die Arbeiter und Angestellten mit kleinem Einkommen in 50 Jahren leben müssen.
charly05061945 16.05.2019
4. Unlogisch
Der Beitrag ist wohl nicht ganz schlüssig. Blackstone hat also 113 Milliarden Kapital für Übernahmen übrig muss aber 5,7 Milliarden zusammen mit einem Partner "zusammenkratzen" und sich obendrein noch eine Kreditlinie von 800 Millionen einräumen lassen?
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