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15. Februar 2019, 16:13 Uhr

Anzeigenportal-Konzern

Finanzinvestoren bieten 5,7 Milliarden Euro für Scout24

So viel Geld war Finanzinvestoren noch keine andere Firma in Deutschland wert: Blackstone und Hellman & Friedman wollen Scout24 für 5,7 Milliarden Euro kaufen. Der Anzeigenportal-Betreiber begrüßte das Angebot.

Im Januar scheiterte der Versuch noch, doch nun bahnt sich eine Rekordübernahme durch Finanzinvestoren in Deutschland an: Für den Anzeigenportal-Betreiber Scout24 bieten die Beteiligungsgesellschaften Blackstone und Hellman & Friedman bis zu 5,7 Milliarden Euro. Darin enthalten sind 800 Millionen Euro Schulden, die die Investoren übernehmen würden.

Konkret bieten die beiden Finanzinvestoren nun 46 Euro je Aktie und damit 2,50 Euro mehr als noch im Januar. Scout24 betreibt unter anderem die größte deutsche Häuser- und Wohnungsseite Immobilienscout24.de sowie die Internetportale Autoscout24.de und Finanzcheck.de. Blackstone und Hellman & Friedman wollen mehr als 50 Prozent an Scout24 einsammeln - gelingt das nicht, scheitert die Übernahme.

Es wäre die bislang größte Übernahme eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland durch Finanzinvestoren. Auf Platz zwei dieser Rangliste würde damit der hessische Arzneimittelhersteller Stada rutschen, für den Bain und Cinven einst 5,6 Milliarden Euro einschließlich Schulden zahlten. An der Börse stieg der Kurs der Scout24-Aktien um zwölf Prozent auf 46,48 Euro, damit waren sie die größten Gewinner im Nebenwerte-Index MDax.

Die neuen Eigentümer sind alte Bekannte

Das aktuelle Angebot wird von Scout24-Chef Tobias Hartmann unterstützt - anders als noch im Januar. "Ich freue mich über unsere gemeinsame langfristige Vision und unser Ziel, Scout24 zu einem führenden europäischen Digitalunternehmen zu machen", teilte Hartmann mit. Die Investoren würden "als vertrauenswürdige und langfristige Partner geschätzt, die als ehemalige Eigentümer mit dem Unternehmen vertraut sind". Blackstone und Hellman & Friedman waren 2014 schon einmal bei dem Unternehmen eingestiegen und brachten es 2015 an die Börse. Nach dem Börsengang zogen sie sich nach und nach zurück, die letzten Aktien verkauften sie erst im Sommer 2018.

Scout24 war im vergangenen Jahr zum wiederholten Male deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg um 12,5 Prozent auf 531,7 Millionen Euro, der Betriebsgewinn legte um 10,5 Prozent auf 257,3 Millionen Euro zu.

Angesichts niedriger Zinsen suchen Finanzinvestoren weltweit intensiv nach Anlagemöglichkeiten für das Geld, das ihnen reiche Familien, Pensionskassen, Versicherer und andere große Anleger anvertrauen. Allein Blackstone hatte im Januar noch fast 113 Milliarden Dollar übrig, für die der Investor Unternehmen kaufen wollte.

Zuletzt sind die Finanzinvestoren aber wieder etwas vorsichtiger geworden, denn die Konjunktur kühlt sich in Europa gerade ab. Wird zu teuer eingekauft, lassen sich die gezahlten Preise über Jahre nicht mehr hereinholen. Das zeigen die Erfahrungen aus dem Jahr 2007, kurz vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise.

fdi/Reuters

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