Volkswagen-Konzern Abgasaffäre betrifft auch 700.000 Seat

Die Abgasaffäre erreicht Seat: Unter den insgesamt elf Millionen betroffenen Fahrzeugen des VW-Konzerns sollen auch 700.000 Modelle des spanischen Autoherstellers sein.
Die Abgasaffäre hat auch Seat erreicht

Die Abgasaffäre hat auch Seat erreicht

Foto: SEAT

Neue Details in der Abgasaffäre von Volkswagen: Unter den von Manipulationen betroffenen Autos des VW-Konzerns sind rund 700.000 Fahrzeuge der Marke Seat. Das sagte ein Sprecher der spanischen VW-Tochter, ließ aber zunächst offen, welche Modelle genau betroffen sind.

Am Montag war bekannt geworden, dass 2,1 Millionen Audi und 1,2 Millionen Skoda mit einer Software ausgerüstet seien, die Abgaswerte manipuliert. Insgesamt betrifft der Skandal konzernweit laut Volkswagen etwa elf Millionen Fahrzeuge. Darunter sind nach Volkswagen-Angaben vom Dienstag 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge. Dazu zählen etwa die Modelle Caddy und Transporter.

Porsche-Modelle sind hingegen nicht von dem Abgas-Skandal betroffen. Der Autohersteller biete Macan, Panamera und Cayenne zwar auch mit Dieselmotoren an, doch der manipulierte Vierzylinder-Motor sei nicht in die Modelle eingebaut worden, sagte ein Sprecher.

VW hatte zugegeben, Abgaswerte in den USA mit einer verbotenen Software so manipuliert zu haben, dass sie im Testbetrieb weniger giftige Stickoxide ausstoßen als im normalen Betrieb. Dem Konzern drohen nun milliardenschwere Strafzahlungen.

Für die Abgasaffäre hat Volkswagen Rückstellungen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro gebildet. Einem Zeitungsbericht zufolge deckt diese Summe jedoch nicht alle entstehenden Kosten und Forderungen. Laut der "Automobilwoche" sind die aktuell veranschlagten 6,5 Milliarden Euro vor allem für technologische Lösungen und Serviceleistungen vorgesehen. Möglicher Schadensersatz, Anwaltshonorare und andere Kosten kämen dabei noch obendrauf.

Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller hatte bei der Veranstaltung am Montagabend "schonungslose und konsequente Aufklärung" versprochen. Laut Mitteilung erklärte er den Führungskräften, VW stehe vor der "größten Bewährungsprobe" der Unternehmensgeschichte. Demnach ist die Software nur in einem Teil der Wagen aktiviert. "Wir rechnen deshalb damit, dass die Zahl der tatsächlich betroffenen Fahrzeuge letztlich geringer sein wird."

Derzeit arbeitet VW an einer technischen Lösung, um das Problem zu beheben. Gegen den wegen der Affäre zurückgetretenen Konzernchef Martin Winterkorn ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Betrugsverdachts. Voraussichtlich am Mittwoch soll der bisherige Produktionsvorstand Oliver Blume zum neuen Porsche-Chef berufen werden. Gegenkandidaten gibt es keine.

Anmerkung der Redaktion: Der Text gibt den Informationsstand zum Zeitpunkt des Erscheinens wider. Am 28. September 2015 hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig eine Pressemitteilung herausgegeben, wonach ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn eingeleitet worden sei. Am 1. Oktober korrigierte die Staatsanwaltschaft diese Darstellung und teilte mit, es sei kein Ermittlungserfahren gegen Winterkorn eröffnet worden.

Daran erkenne ich, ob mein Auto betroffen ist

Sicherheit darüber gibt die Motornummer. Diese besteht aus maximal drei Buchstaben und einer Zahl. Sie wird vom Hersteller an einer einsehbaren Stelle des Motorblocks angebracht. Manchmal findet sich die Identifikationsnummer auch im Kaufvertrag. Im VW-Skandal handelt es sich um den Diesel-Motortyp EA 189.
Eine andere Möglichkeit bietet die Überprüfung der Fahrgestellnummer in der Werkstatt.
VW weist jedoch darauf hin, dass für die Kunden "momentan gar kein Handlungsbedarf" bestehe. "Alle betroffenen Fahrzeuge sind absolut sicher und fahrbereit", so ein VW-Sprecher. Derzeit arbeitet der Konzern an einer Lösung der Abgasprobleme. Liegt diese vor, sollen alle betroffenen Autos in die Werkstatt gerufen werden.

brk/AFP/Reuters