Selbstmordserie bei France Télécom Der "Kostenkiller" muss gehen

24 Tote innerhalb von 19 Monaten: Nach der Selbstmordserie beim französischen Telefonkonzern France Télécom muss der stellvertretende Generaldirektor Louis-Pierre Wenes das Unternehmen verlassen. Der Manager galt als "Kostenkiller".

Protest von France-Télécom-Mitarbeitern: "Monströse Manipulation"
AFP

Protest von France-Télécom-Mitarbeitern: "Monströse Manipulation"


Paris - Nach einer Serie von Selbstmorden hat die Nummer zwei des französischen Telefonkonzerns France Télécom den Posten räumen müssen. Der für das Frankreich-Geschäft zuständige stellvertretende Generaldirektor Louis-Pierre Wenes werde ab sofort durch Stéphane Richard ersetzt, der ab 2011 ohnehin die Führung des ehemaligen Monopolisten übernehmen soll, teilte das Unternehmen mit.

Die France-Télécom-Führung steht unter Druck, nachdem sich im Konzern in den vergangenen 19 Monaten 24 Mitarbeiter das Leben genommen haben. Gewerkschaften machen dafür den rasanten Umbau der Firma verantwortlich, der zahlreiche Versetzungen von Beschäftigten nach sich zieht.

Wenes, der sich einen Namen als "Kostenkiller" gemacht hat, wird von den Arbeitnehmervertretern als Hauptverantwortlicher für das verschlechterte Klima im Konzern gesehen. Noch vor zwei Wochen hatte er den Gewerkschaften vorgeworfen, die Suizidserie in den Medien für ihre Zwecke auszunutzen. "Man lässt die Toten sprechen", sagte er dem Magazin "Nouvel Observateur". Es handele sich um eine "monströse Manipulation".

Wenes' Nachfolger Richard war im Mai zum Nachfolger von Konzernchef Didier Lombard bestimmt worden. Er war Büroleiter von Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. France Télécom ist der drittgrößte Telekommunikationsanbieter Europas. Das Unternehmen wird noch zu knapp 27 Prozent vom Staat gehalten.

wal/AFP



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