Windrad-Hersteller Senvion wird zerlegt

Die Krise in der Windkraftbranche hat ein neues Opfer gefordert: Dem Anlagenbauer Senvion ist es nicht gelungen, einen Käufer für seine Turbinenfertigung zu finden. Nun wird das Unternehmen aufgeteilt.
Senvion wird zerschlagen

Senvion wird zerschlagen

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Der insolvente Windkraftwerksbauer Senvion wird zerschlagen. Die rund 1800 Mitarbeiter am Unternehmenssitz in Hamburg, dem Werk Bremerhaven und dem Entwicklungszentrum in Osterrönfeld bei Rendsburg wurden auf Betriebsversammlungen darüber informiert, dass für das profitable Kerngeschäft mit Turbinen kein Käufer gefunden worden sei.

Insbesondere für die Turbinenfertigung in Bremerhaven mit 200 Mitarbeitern sehen die Perspektiven sehr schlecht aus, teilte das Unternehmen mit. Es seien "trotz intensiver und weltweiter Suche" keine Angebote für die gesamte Turbinenfertigung eingegangen.

Gegenwärtig könne der Bereich noch einige Projekte abarbeiten, die der Belegschaft bis Ende des Jahres Beschäftigung geben, teils auch etwas länger. Den ersten Mitarbeitern solle im September gekündigt werden.

Betrieb wird zunächst fortgeführt

Senvion beschäftigt weltweit mehr als 4000 Mitarbeiter und hatte im April wegen Schwierigkeiten bei der Abwicklung einiger Großprojekte Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.

Das Geschäft ist derzeit für die gesamte Windkraftbranche schwierig. In Deutschland sind im ersten Halbjahr 2019 kaum neue Anlagen an Land gebaut worden. Weltweit ist der Konkurrenzkampf hart und für kleinere Hersteller ohne Großkonzern im Hintergrund schwer zu gewinnen. Senvion hat das Indiengeschäft bereits in eine eigene operative Gesellschaft ausgegliedert.

Vorstandschef Yves Rannou hatte gehofft, die Gespräche mit Investoren bis Ende August zum Erfolg zu bringen. Bis dahin finanzieren die Gläubiger den Geschäftsbetrieb noch. Nun zeichnet sich hier eine Entspannung ab: "Die verbesserte finanzielle Situation des Unternehmens ermöglicht die Betriebsfortführung bis zum Verkauf an einen Investor", teilte Senvion mit. Das schließe Lohn- und Gehaltszahlungen für alle Geschäftsbereiche ein, hieß es.

Potenzielle Käufer werden am 10. September verkündet

Bereits Ende Juli hatte sich abgezeichnet, dass Rannou wohl nur für Teile des Unternehmens Interessenten finden würde. Auf einer Gläubigerversammlung am 10. September soll geklärt werden, für welche Teile es potenzielle Käufer gibt.

Auch die Gewerkschaft IG Metall hatte bis zuletzt auf einen vollständigen Erhalt gehofft. "Nun geht es darum, möglichst viele Arbeitsplätze sowie tarifliche Arbeitsbedingungen bei einem Verkauf des Service-Geschäfts zu sichern", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken.

Dazu erwarte die Gewerkschaft konkrete Vereinbarungen mit dem Sachwalter sowie Zusagen von möglichen Erwerbern. Rannou lenkt Senvion in der Insolvenz in Eigenverwaltung weiter selbst, ein Sachwalter überwacht den Prozess nur.

brt/Reuters/dpa
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