Windrad-Hersteller Senvion wird zerlegt

Die Krise in der Windkraftbranche hat ein neues Opfer gefordert: Dem Anlagenbauer Senvion ist es nicht gelungen, einen Käufer für seine Turbinenfertigung zu finden. Nun wird das Unternehmen aufgeteilt.

Senvion wird zerschlagen
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Senvion wird zerschlagen


Der insolvente Windkraftwerksbauer Senvion wird zerschlagen. Die rund 1800 Mitarbeiter am Unternehmenssitz in Hamburg, dem Werk Bremerhaven und dem Entwicklungszentrum in Osterrönfeld bei Rendsburg wurden auf Betriebsversammlungen darüber informiert, dass für das profitable Kerngeschäft mit Turbinen kein Käufer gefunden worden sei.

Insbesondere für die Turbinenfertigung in Bremerhaven mit 200 Mitarbeitern sehen die Perspektiven sehr schlecht aus, teilte das Unternehmen mit. Es seien "trotz intensiver und weltweiter Suche" keine Angebote für die gesamte Turbinenfertigung eingegangen.

Gegenwärtig könne der Bereich noch einige Projekte abarbeiten, die der Belegschaft bis Ende des Jahres Beschäftigung geben, teils auch etwas länger. Den ersten Mitarbeitern solle im September gekündigt werden.

Betrieb wird zunächst fortgeführt

Senvion beschäftigt weltweit mehr als 4000 Mitarbeiter und hatte im April wegen Schwierigkeiten bei der Abwicklung einiger Großprojekte Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.

Das Geschäft ist derzeit für die gesamte Windkraftbranche schwierig. In Deutschland sind im ersten Halbjahr 2019 kaum neue Anlagen an Land gebaut worden. Weltweit ist der Konkurrenzkampf hart und für kleinere Hersteller ohne Großkonzern im Hintergrund schwer zu gewinnen. Senvion hat das Indiengeschäft bereits in eine eigene operative Gesellschaft ausgegliedert.

Vorstandschef Yves Rannou hatte gehofft, die Gespräche mit Investoren bis Ende August zum Erfolg zu bringen. Bis dahin finanzieren die Gläubiger den Geschäftsbetrieb noch. Nun zeichnet sich hier eine Entspannung ab: "Die verbesserte finanzielle Situation des Unternehmens ermöglicht die Betriebsfortführung bis zum Verkauf an einen Investor", teilte Senvion mit. Das schließe Lohn- und Gehaltszahlungen für alle Geschäftsbereiche ein, hieß es.

Potenzielle Käufer werden am 10. September verkündet

Bereits Ende Juli hatte sich abgezeichnet, dass Rannou wohl nur für Teile des Unternehmens Interessenten finden würde. Auf einer Gläubigerversammlung am 10. September soll geklärt werden, für welche Teile es potenzielle Käufer gibt.

Auch die Gewerkschaft IG Metall hatte bis zuletzt auf einen vollständigen Erhalt gehofft. "Nun geht es darum, möglichst viele Arbeitsplätze sowie tarifliche Arbeitsbedingungen bei einem Verkauf des Service-Geschäfts zu sichern", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken.

Dazu erwarte die Gewerkschaft konkrete Vereinbarungen mit dem Sachwalter sowie Zusagen von möglichen Erwerbern. Rannou lenkt Senvion in der Insolvenz in Eigenverwaltung weiter selbst, ein Sachwalter überwacht den Prozess nur.

brt/Reuters/dpa

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Referendumm 28.08.2019
1.
Tja, ein Geschäft, das quasi nur ausschließlich über Subventionen und damit Steuergelder funktioniert, ist eben kein sinnvolles Geschäft. Hinzu kommen die ersten kritischen Berichte, dass die Windkraftenergie nämlich gar nicht so umweltfreundlich ist, wie zu oft - und völlig unreflektiert - behauptet wird. Und damit ist mal nicht die Vogel- und Insektenschredderei gemeint, sondern dass sich die Windverhältnisse durch Entzug von Gigawatt an Windleistung zum Negativen verändern und damit das Klima massiv (negativ) beeinflusst wird. Und wer sich jemals kompakte Kraftwerke mit mehreren Blöcken und zig Gigawatt Leistung von außen betrachtet und sich dann vorstellt, dass erst weit über 1.000 Windkraftanlagen diese Dauerleistung halbwegs übernehmen könnne, der wird erschrecken, denn Deutschland müsste dann vollflächig mit Windkraftanlagen zugetackert werden - und das wollen wir ALLE wirklich?
Finn Witulski 28.08.2019
2. @Referendum
Niemand will das. Niemand sagt, es würde mit einer einer einzigen regenerativen Energie die Welt gerettet werden. Windkraft, Solarenergie, Thermalenergie, Biogasanlagen, vielleicht irgendwann sogar Wasserstoff-Brennstoffzellen in Kraftwerks-Dimensionen oder hochentwickelte Atomreaktoren (z.B. Flüssigsalzanlagen o.ä.). Wer weiß. Und da sie von einem nicht sinvollen, steuerfinanzierten Geschäft sprechen: Die Kohleindustrie wurde bereits mit Millionen Euro Steuergeldern "gerettet"/wiederbelebt. Ob Windkraft der Umwelt irgendwann schadet muss beobachtet werden, keine Frage. Aber dass Atom-,Kohle-,Erdgas und ähnlich rücksichtslos angewandte Energie schädlich für die Umwelt sind, wissen wir heute. Wir wissen, dass es natürlicher Energien bedarf um die Welt zu erhalten, selbst wenn man seine Aussicht damit verschandelt und sie nicht so gnadenlos effizient sind wie bspw. Kohlemeiler. Und nein, das wollen vermutlich nicht ALLE, aber selbst in Deutschland sind nicht ALLE dafür bspw. die Todesstrafe abgeschafft zu lassen. 100% gesellschaftlicher Konsens ist nicht möglich.
steevieb 28.08.2019
3. hmmmm
also kurzes googgeln ergibt das es 2018 schon 30000 Windkraftanlagen in Deutschland gab und trotzdem schaffe ich es ab und an noch einen Meter zu laufen ohne über eine zu stolpern. Ihre tollen kompakten Kraftwerke brauchen zwar vielleicht nicht soviele Subvention - dafür bezahlen wir aber mit der zukünftigen Bewohnbarkeit unseres Planeten.
dirkcoe 28.08.2019
4. Systemfehler
Unsere Regierung scheint immer noch nicht verstanden zu haben, dass erneuerbare Energie nach dem Autobau ein zweites Standbein für unsere Wirtschaft werden muss. Mir ist es völlig unverständlich, das ein solches Unternehmen in die Insolvenz geht und zerschlagen wird.
rabode 28.08.2019
5. Woher haben sie diese Infos
Zitat von ReferendummTja, ein Geschäft, das quasi nur ausschließlich über Subventionen und damit Steuergelder funktioniert, ist eben kein sinnvolles Geschäft. Hinzu kommen die ersten kritischen Berichte, dass die Windkraftenergie nämlich gar nicht so umweltfreundlich ist, wie zu oft - und völlig unreflektiert - behauptet wird. Und damit ist mal nicht die Vogel- und Insektenschredderei gemeint, sondern dass sich die Windverhältnisse durch Entzug von Gigawatt an Windleistung zum Negativen verändern und damit das Klima massiv (negativ) beeinflusst wird. Und wer sich jemals kompakte Kraftwerke mit mehreren Blöcken und zig Gigawatt Leistung von außen betrachtet und sich dann vorstellt, dass erst weit über 1.000 Windkraftanlagen diese Dauerleistung halbwegs übernehmen könnne, der wird erschrecken, denn Deutschland müsste dann vollflächig mit Windkraftanlagen zugetackert werden - und das wollen wir ALLE wirklich?
bei allem Respekt, aber das ist wieder so ein Verschwörungstheroretischer Quatsch. Klimaveränderung durch Windkraft? Wie soll das zustande kommen? Sie wissen aber schon dass der Anteil der Windkraft in Deutschland an der Stromerzeugung jetzt schon bei 18% liegt. Wie kann man nur solch einen Unsinn schreiben.
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