Sexistische Reklame Werberat spricht mehr Rügen aus

In Politik und Gesellschaft wird viel um gleichberechtigte Geschlechterrollen gestritten. Zugleich rügt der Werberat mehr herabwürdigende Reklame – die meist sexistisch auf Frauen abzielt.
Kampagne gegen sexistische Kampagnen in Bremen

Kampagne gegen sexistische Kampagnen in Bremen

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Carmen Jaspersen / dpa

Der Deutsche Werberat überprüft Reklame auf die Einhaltung der branchenüblichen Standards – und rügt Verstöße dagegen öffentlich. Deren Zahl hat im vergangenen Jahr zugelegt.

Die Selbstkontrolleinrichtung verhängte vergangenes Jahr 14 öffentliche Rügen gegen Firmen aufgrund von sexistischer Werbung. Das teilte das Gremium in Berlin mit. 2020 gab es 12 öffentliche Rügen, sie betrafen fast alle ebenfalls sexistische Werbung.

Die Geschäftsführerin des Deutschen Werberats, Katja Heintschel von Heinegg, sagte: »Die Werbung war im Wesentlichen frauendiskriminierend. In aller Regel war es eine herabwürdigende Darstellung, auch gekoppelt mit einem sexistischen Slogan.«

Acht Prozent mehr Beschwerden als im Vorjahr

In vielen Fällen der 2021 gerügten Werbung handelte es sich laut Werberat um Reklame von kleinen und mittleren Unternehmen, die im Allgemeinen nicht professionell begleitet werden.

2021 hatten den Werberat insgesamt Beschwerden von 1444 Personen, Institutionen und Organisationen erreicht. Das seien rund acht Prozent mehr als 2020 gewesen, hieß es weiter. Die Selbstregulierungseinrichtung der Werbewirtschaft entschied über 523 Fälle – fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

In 385 Fällen sah das Gremium nach der Prüfung kein Fehlverhalten der Firmen bei ihrer Werbung. In 138 Fällen kontaktierte der Werberat das werbende Unternehmen. 90 Prozent hätten daraufhin ihre Werbung zurückgezogen oder geändert. Passiert nichts, greift der Werberat zum Mittel der öffentlichen Rüge.

Der Werberat in Berlin wird vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW getragen. Er sieht sich als erste Anlaufstelle für Beschwerden aus der Bevölkerung und als Mittler zwischen Werbenden und Umworbenen. Bürger können sich an die Institution wenden, wenn kommerzielle Kommunikation zwar rechtlich nicht zu beanstanden ist, aber aus anderen Gründen als unangemessen empfunden wird.

apr/dpa