Shell, Total, ENI Ölkonzerne schreiben Milliardenverluste

Die Nachfrage nach dem Rohstoff Öl ist in der beispiellosen Corona-Wirtschaftskrise weltweit eingebrochen. Mit Folgen für drei europäische Konzerne - sie melden hohe Quartalsverluste.
Shell-Raffinerie bei Singapur: 18 Milliarden Dollar Verlust im Quartal

Shell-Raffinerie bei Singapur: 18 Milliarden Dollar Verlust im Quartal

Foto: ROSLAN RAHMAN/ AFP

Der Ölpreiseinbruch während der Coronakrise hat drei großen europäischen Ölkonzernen riesige Milliardenverluste im zweiten Quartal eingebrockt. Allerdings war das eigentliche Geschäft bei zwei der drei Unternehmen noch lukrativ.

Beim britisch-niederländischen Ölkonzern Shell stand wegen hoher Abschreibungen unter dem Strich ein Fehlbetrag von 18,1 Milliarden Dollar für den Zeitraum von April bis Juni, wie das Unternehmen mitteilte. Im Vorjahr hatte Shell noch einen Gewinn von knapp drei Milliarden Dollar erzielt. Wegen des beispiellosen Nachfrage- und Preisverfalls schrieb Shell 16,8 Milliarden Dollar ab. Bereinigt - also im Hinblick auf das rein operative Geschäft - machte Shell noch Gewinn, dieser brach aber auf 638 Millionen Dollar ein.

Der französische Total-Konzern meldete für das zweite Quartal unter dem Strich einen Verlust von 8,4 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum war es noch ein Gewinn von 2,8 Milliarden Dollar gewesen. Auch hier waren Abschreibungen von 8,1 Milliarden Dollar die Ursache für das Minus. Als Grund für die Abschreibungen nannte Total-Chef Patrick Pouyanné den Einbruch der Nachfrage nach Öl und Gas infolge der Coronavirus-Pandemie und den damit verbundenen Preisverfall.

Im zweiten Quartal sei der Preis für Rohöl der Sorte Brent auf im Schnitt 30 Dollar je Fass abgesackt, sagte Pouyanné. Der Gaspreis habe einen historischen Tiefstand erreicht, und die Margen im Raffineriegeschäft seien zusammengebrochen.

Der italienische Ölkonzern ENI verbuchte für den Zeitraum von April bis Juni einen Verlust von 4,4 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. ENI erwirtschaftete auch im operativen Geschäft ein Minus; bereinigt lag der Fehlbetrag bei 714 Millionen Euro. Die Abschreibungen beliefen sich im zweiten Quartal auf 2,8 Milliarden Dollar.

Als Reaktion hat ENI ein Sparprogramm über jeweils 1,4 Milliarden Euro in diesem und im nächsten Jahr aufgelegt. Aus der Pandemie herauszukommen werde schwierig, es herrsche eine große Unsicherheit, sagte Konzernchef Claudio Descalz. So rechnet das Management mit einer Erholung der Nachfrage erst 2021.

fdi/dpa-AFX
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