Brasilien Fünf Konzerne ersteigern Riesen-Ölfeld vor Rio

Es geht um bis zu zwölf Milliarden Barrel Öl in großer Meerestiefe: Ein Konsortium aus Europa, China und Brasilien hat sich die Förderrechte für ein riesiges Ölfeld vor der Küste Rio de Janeiros gesichert. Kritiker sprechen vom Ausverkauf des Landes.

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Rio de Janeiro - Es sind nur fünf Firmen, die den Zuschlag erhalten haben: Die beiden Konzerne Shell (GB/Niederlande) und Total (Frankreich), die staatlichen Multis CNPC und CNOOC (beide China) sowie die staatlich kontrollierte Petrobras aus Brasilien sicherten sich die Förderrechte für ein riesiges Offshore-Ölfeld vor der Küste des Landes. Insgesamt waren elf Firmen zugelassen. Aber zum Schluss landete nur ein Angebotsumschlag in der Auktionsbox.

Das Ölfeld "Campo de Libra" liegt im Atlantik rund 180 Kilometer vor Rio. Dort werden in mehreren Kilometern Tiefe acht bis zwölf Milliarden Barrel Öl vermutet. Bei voller Funktion wird die Produktionskapazität in Libra in etwa 15 Jahren auf bis zu 1,4 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) pro Tag geschätzt.

Die fünf Firmen haben den Zuschlag unter der Voraussetzung erhalten, dass dem brasilianischen Staat ein Anteil von mindestens 41,65 Prozent am Öl zusteht. Das Konsortium blieb am Montag bei diesem Mindestgebot und bekam - mangels Konkurrenz - bei einer live im Fernsehen übertragenen Veranstaltung den Zuschlag.

Zuvor waren mehr als tausend Polizisten und Soldaten vor dem Hotel in Barra da Tijuca westlich von Rio de Janeiro aufmarschiert, um die Ölfeld-Auktion vor den erwarteten Demonstranten zu schützen. Doch die Situation eskalierte.

Die Demonstranten wollten in die abgeriegelte Zone vorstoßen, die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein - brasilianischen Medien zufolge wurden mehrere Menschen verletzt. An den Protesten gegen die Versteigerung hatten sich Ölarbeiter, Studenten und Mitglieder linker Parteien beteiligt. Die Demonstranten kritisierten einen "Ausverkauf" der brasilianischen Ölreserven an ausländische Firmen.

Großkonzerne wie Chevorn, Exxon und BP waren bei der Auktion erst gar nicht an den Start gegangen. Die Regierung hatte anfangs mit 40 interessierten Konzernen gerechnet. Es war die erste Ausschreibung unter dem Regime des sogenannten "Teilungs"-Modells, das dem Staat neben Gebühren auch feste Anteile am geförderten Öl zugesteht und zudem Petrobras mit einem gesetzten Anteil von 30 Prozent als Betreiber der Offshore-Operation in Libra festsetzt. Das Konsortium muss nun zudem einen hohen Bonus an die Regierung in Höhe von 15 Milliarden Reais, etwa fünf Milliarden Euro zahlen.

Petrobras ist neben den 30 Prozent mit weiteren 10 Prozent an dem Konsortium beteiligt. Shell und Total halten je 20 Prozent und die chinesischen Staatskonzerne CNPC und CNOOC jeweils 10 Prozent. Der Vertrag zur Exploration läuft über 35 Jahre.

Allein durch die Gebühren erwartet die Nationale Öl-Agentur (ANP) in der Vertragslaufzeit Einnahmen von 100 Milliarden Euro. Das Öl lagert in rund 6000 Metern Tiefe, weswegen die Investitionssummen vermutlich im dreistelligen Milliarden-Bereich liegen. Mit einer Aufnahme der Produktion im "Campo de Libra" wird 2018 bis 2019 gerechnet.

Derzeit produziert Brasilien insgesamt rund 2,1 Millionen Barrel Öl pro Tag, davon stammen etwa 320.000 Barrel aus dem Offshore-Bereich in großer Meerestiefe ("Pré-Sal").

kha/dpa/AP

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aurichter 21.10.2013
1. Bieterkonsortium
da sind sich sich die Ölriesen wieder mal auf ganzer Linie einig. Die Automobilhersteller allen voran sehen da natürlich auch gern zu, braucht man dann doch auch wieder einmal die Kasse für alternative Antriebstechniken nicht all zu sehr strapazieren. Bei diesen Entwicklungen und den Vetterkungeleien bleibt die Umwelt auch wieder auf der Strecke. Mit den zusätzlichen Petro- Dollar kann Brasilien jetzt ja eine nachhaltige Umweltpolitik anstoßen und den Raubbau zumindest im Urwald und Amazonasgebiet unterbinden und die rsffgierige Holzindustrie auch zum Schutz ihrer Ureinwohner wirkunksvoll eindämmen.
mursilli 21.10.2013
2. Riesenölfeld?
Zitat von sysopAFPEs geht um bis zu zwölf Milliarden Barrel Öl in großer Meerestiefe: Ein Konsortium aus Europa, China und Brasilien hat sich die Förderrechte für ein riesiges Ölfeld vor der Küste Rio de Janeiros gesichert. Kritiker sprechen vom Ausverkauf des Landes. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/shell-total-petrobras-konsortium-ersteigert-offshore-oelfeld-vor-rio-a-929168.html
Das Ölfeld mag für für die Spiegelredaktion oder ein Land - hier Brasilien - "riesig" sein. Angenommen, es gelingt von dem Lager 9 Milliarden auszubeuten, so reicht das beim gegenwärtigen Bedarf von täglich fast 90 Mio Barrel weltweit für gerademal 100 Tage.
carahyba 21.10.2013
3. Die Ironie ...
Zitat von aurichterda sind sich sich die Ölriesen wieder mal auf ganzer Linie einig. Die Automobilhersteller allen voran sehen da natürlich auch gern zu, braucht man dann doch auch wieder einmal die Kasse für alternative Antriebstechniken nicht all zu sehr strapazieren. Bei diesen Entwicklungen und den Vetterkungeleien bleibt die Umwelt auch wieder auf der Strecke. Mit den zusätzlichen Petro- Dollar kann Brasilien jetzt ja eine nachhaltige Umweltpolitik anstoßen und den Raubbau zumindest im Urwald und Amazonasgebiet unterbinden und die rsffgierige Holzindustrie auch zum Schutz ihrer Ureinwohner wirkunksvoll eindämmen.
Die Ironie Ihres Beitrags bleibt leider hinter den Fakten zurück. Vielleicht erinnern Sie sich nicht mehr an die "Investitionen" von VW do Brasil im Amazonasgebiet, wo 50.000 Hektar mit ebenso viel Rindviecher "bewirtschaftet" wurden. Riesige Flächen sind damals kahl geschlagen aber nur wenig Holz verwertet worden. Heute gehören diese Flächen zur Bodenkategorie "solo degradado" (kaputter Boden). Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Siemens-Nixdorf hatte ein ähnliches Projekt. Heute wird der Mantel des Schweigens darüber gedeckt.
mitello 21.10.2013
4. Bric
Wenn vor Jahren die sogenannten BRIC-Länder als diejenigen mit den Größten Anlagechancen am Markt gehandelt wurden so war das ironisch gemeint. Keines dieser Länder erfuellt Standards einer gerechten Verteilung-schon gar nicht des Geldes. Brasilien ist mit seiner Politik der letzten 2 Jahrzehnte keinen Pfifferling wert um ihn dort anzulegen. Das Land steht für mich auf Sicht oekologisch am Abgrund und das mit weitreichenden Folgen. Es lebe die Fussball WM 2014.
aurichter 21.10.2013
5. @ carahyba
Es war mir durchaus ernst mit meinen Bemerkungen, wobei mir die vielfälltigen Umweltverbrechen im Einzelnen nicht bekannt sind, was jedoch nicht am Desinteresse liegt, sondern überwiegend an der Tatsache, daß diese Sünden viel zu selten auf der Tagesordnung stehen.
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