Verkauf von Ölfeldern Westliche Konzerne ziehen sich weiter aus Nigeria zurück
Total-Ölbohrinsel vor Nigerias Küste: Marode Anlagen erschweren Geschäft
Foto: PIUS UTOMI EKPEI/ AFPParis - Die Ölförderung in Nigeria lohnt sich für die westlichen Ölkonzerne offenbar immer weniger. Nach dem britisch-niederländischen Multi Shell macht sich auch der französische Total-Konzern auf den Rückzug.
Total teilte am Montag mit, man habe den Verkauf eines zehnprozentigen Anteils an einem Förderprojekt an die nigerianische Firma Aiteo abgeschlossen. Es ist bereits die dritte nigerianische Förderlizenz, die Total abgibt. Zusammen hat das Unternehmen mit den Verkäufen bereits mehr als eine Milliarde Dollar kassiert.
Total will sich in Zukunft auf nur noch wenige Projekte in Nigeria konzentrieren - und steht damit nicht allein da. Konkurrent Shell hatte bereits im vergangenen Jahr seinen Rückzug aus dem Land eingeläutet - und in der vergangenen Woche seine Beteiligung an jenem Projekt veräußert, von dem sich nun auch Total getrennt hat. Käufer war auch in diesem Fall die einheimische Firma Aiteo, sie zahlte 1,7 Milliarden Dollar.
In Nigeria werden pro Tag rund 2,2 Millionen Fässer Erdöl produziert - so viel wie in keinem anderen afrikanischen Land. Die westlichen Ölmultis haben von diesem Boom jahrzehntelang profitiert - und wurden immer wieder wegen verheerender Umweltverschmutzungen kritisiert. Erst kürzlich erklärte sich Shell bereit, rund 70 Millionen Euro an 15.600 Fischer und Bauern aus dem Niger Delta zu zahlen, deren Existenzgrundlage bei zwei Ölkatastrophen im Jahr 2008 vernichtet wurde.
Der nun angetretene Rückzug der Konzerne dürfte für die Menschen vor Ort aber kein Grund zum Aufatmen sein. Nichtregierungsorganisationen fürchten, dass die lokalen Unternehmen noch weniger Rücksicht auf die Gesundheit der Menschen und den Umweltschutz nehmen werden - und fordern die Großkonzerne auf zu bleiben.
Doch für die rechnen sich viele Projekte einfach nicht mehr. Ein Grund dafür ist der stark gefallene Ölpreis, der aufwendige Bohrungen nicht mehr rentabel erscheinen lässt. Aber auch die marode Infrastruktur und politische Unruhen schrecken die Multis ab. Im Norden des Landes kämpft die Terrorgruppe Boko Haram mit Gewalt für einen islamischen Staat. Seit dem Jahr 2009 hat sie dabei rund 13.000 Menschen getötet. Am Wochenende fanden unter großen Sicherheitsvorkehrungen Präsidentenwahlen statt.