Konzernumbau bis Ende 2022 Shell streicht bis zu 9000 Stellen

Rund zehn Prozent der Stellen sollen bei Shell wegfallen. Damit will der Konzern die Folgen der Coronakrise bekämpfen - und fit für die Zukunft werden. Die sieht der Ölmulti im Ökostrom.
Shell-Logo an einer Zapfsäule: über 8000 Stellen fallen weg

Shell-Logo an einer Zapfsäule: über 8000 Stellen fallen weg

Foto: Christophe Gateau / DPA

Shell leidet am eingebrochenen Ölpreis infolge der Coronakrise - und stemmt sich nun mit einem Sparprogramm gegen die wirtschaftlichen Folgen. Bis Ende 2022 sollen dafür zwischen 7000 und 9000 Arbeitsplätze wegfallen, teilte der niederländisch-britische Energiekonzern mit.

1500 Mitarbeiter hätten demnach bereits zugestimmt, dass ihre Arbeitsverträge aufgehoben würden. Insgesamt wären von den Stellenstreichungen rund zehn Prozent der weltweit 80.000 Beschäftigten betroffen.

Shell will durch den Arbeitsplatzabbau und eine Optimierung seiner Geschäftsabläufe ab 2022 zwischen 2,0 und 2,5 Milliarden Dollar jährlich einsparen. Nach Angaben von Unternehmenschef Ben van Beurden sind die Einschnitte unumgänglich - Shell habe keine andere Wahl, als "eine einfachere, besser gestraffte und wettbewerbsfähigere Organisation" zu werden, die schneller auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren könne.

Geringere Nachfrage macht Ölkonzernen zu schaffen

Der Konzern hatte die Mitarbeiter im Sommer einem Insider zufolge darüber informiert, dass bis Jahresende entsprechende Umbaupläne präsentiert werden zu sollen. Der Vorstand hatte damals bereits angekündigt, dabei auch einen Stellenabbau zu planen. Die neue Struktur soll nicht vor 2021 in Kraft treten.

Die Ölkonzerne haben in diesem Jahr wegen der Coronakrise und der geringen Nachfrage nach dem Rohstoff Milliardenverluste gemacht. Auch Shell-Konkurrent BP hatte bereits angekündigt, rund 10.000 Jobs zu streichen - etwa 15 Prozent aller Arbeitsplätze bei dem Konzern.

Shell teilte mit, im dritten Quartal sei wegen der Corona-Pandemie und der Hurrikane weniger Öl und Gas gefördert worden. Gleichzeitig sei die Kraftstoffnachfrage wieder angezogen, nachdem sie im zweiten Quartal zuzeiten des weltweiten Shutdown auf Tiefständen war. Shell kündigte an, im dritten Quartal erneut Abschreibungen in Höhe von ein bis 1,5 Milliarden vorzunehmen. Im zweiten Quartal hatte Shell die Buchwerte seiner Anlagen um 16,8 Milliarden Dollar gemindert. 

Shell bereitet Wechsel zu Ökostromsektor vor

Die Kostensenkungen sind zudem wichtig für die Pläne des Ölgiganten, in den Stromsektor und in erneuerbare Energien zu wechseln, um damit seine CO₂-Bilanz aufzubessern. Der Konzern will nicht nur seine eigenen Treibhausgasemissionen, sondern auch die der Kunden beim Verbrauch der Shell-Produkte senken oder kompensieren - und zwar um über ein Drittel binnen eines Jahrzehnts. Dies hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutsche Shell Holding GmbH, Fabian Ziegler, angekündigt.

Dabei will Shell rund 30 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen, was rund einem Zehntel des Reduktionsziels der Bundesregierung bis 2030 entspreche. "Wir glauben, dass das gelingen kann, wenn gleichzeitig die Politik für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgt und Kunden vermehrt CO₂-ärmere Produkte nachfragen", sagte Ziegler.

Shell wolle führender Anbieter von "grünem Wasserstoff" für Industrie- und Transportkunden werden. Dazu soll unter anderem die Elektrolyse-Kapazität in der Rheinland Raffinerie verzehnfacht werden. Außerdem wolle sich das Unternehmen durch Offshore-Wind oder kombinierte Offshore-Wind-/Wasserstoff-Produktion an der Produktion erneuerbarer Energien in Deutschland beteiligen sowie bis 2030 rund 1000 Schnellladesäulen für E-Autos an seinen Tankstellen errichten.

caw/AFP/Reuters
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