Krisenangst Shell zieht 15 Milliarden Dollar aus Europa ab

Die Schuldenkrise in den südeuropäischen Ländern verschreckt große Investoren. Jetzt zieht der Ölkonzern Shell 15 Milliarden Dollar aus den betroffenen Staaten ab. Das Geld soll in den USA angelegt werden - dort sei es sicherer.

Logo an einer Shell-Tankstelle: Zu hohes Risiko in Europa
AFP

Logo an einer Shell-Tankstelle: Zu hohes Risiko in Europa


London - Die Unsicherheit in der europäischen Schuldenkrise schreckt Investoren ab. Dies zeigt aktuell das Beispiel des Ölkonzerns Shell: Finanzvorstand Simon Henry sagte der britischen "Times", das Unternehmen ziehe wegen der Euro-Krise Gelder in Milliardenhöhe aus Europa ab.

Konkret wolle der Konzern 15 Milliarden Dollar Barmittel in US-Staatsanleihen oder bei US-Banken anlegen - weil das Geld dort sicherer sei. Laut der Zeitung zieht Shell Chart zeigen den größten Teil seiner Liquiditätsreserven aus Europa ab. Henry sagte, der britisch-niederländische Konzern sehe sich gezwungen, seine Risiken in den am schwersten von der Schuldenkrise betroffenen Ländern der Euro-Zone zurückzufahren.

Auch der Chef des französischen Reifenkonzerns Michelin, Jean-Dominique Senard, zeigte sich angesichts der Euro-Krise beunruhigt. Er forderte von den EU-Mitgliedsländern mehr Zusammenarbeit, um die Gemeinschaftswährung zu retten. "Wenn sechs oder sieben Länder Europas enger zusammenrückten, so wie es derzeit diskutiert wird, und einen föderalen Staat schaffen würden, gäbe das der EU und ihrer Wirtschaft Auftrieb", sagte Senard der "Süddeutschen Zeitung".

Auch SPD-Chef spricht sich für gemeinsames Budget aus

Bei der Idee einer gemeinsamen europäischen Nation spreche er von einem kleinen Kreis von Staaten, der zunächst vielleicht damit anfange, ein gemeinsames Budget zu haben. "Ich weiß, dass dies kein einfaches Thema ist, aber das darf uns nicht davon abhalten, darüber nachzudenken", sagte Senard. Er sei überzeugt, dass nur so das Vertrauen der Menschen wiedergewonnen werden könne.

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte einen Strategiewechsel bei der Lösung der Euro-Krise. Er plädiere für eine offene gemeinschaftliche Haftung für die Schulden aller Euro-Staaten bei gleichzeitiger strenger gemeinsamer Haushaltskontrolle, sagte er der "Berliner Zeitung".

mmq/Reuters/dapd

insgesamt 53 Beiträge
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derweise 06.08.2012
1. Geldabfluss wegen des Euros
Zitat von sysopAFPDie Schuldenkrise in den südeuropäischen Ländern verschreckt große Investoren. Der Ölkonzern Shell zieht 15 Milliarden Dollar aus den betroffenen Staaten ab. Davon profitieren die USA. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,848422,00.html
Geldabfluss wegen des Euros war zu erwarten. Das haben unsere famosen Politiker gut gemacht. Deshalb muß die Zahl der Parlamentarier im Bundestag von 600 auf 300 halbiert werden!
Thaeve 06.08.2012
2. China
Ob darauf die Chinesen nur warten? Die ganzen Multis schieben ihre Milliarden in den Dollar-Raum und sobald das abgeschlossen und Euro-Raum Pleite ist, schmeißen die all ihre $-Anleihen auf den Markt. Eine Woche später sind die USA dann auch real da, wo sie heute nur virtuell sind - in der Staatsinsolvenz. Und die ganzen Multis gleich mit. Deutlich unblutigere Methode globale Hegemonie zu erlagen, als das was die Bushisten getrieben haben.
symolan 06.08.2012
3.
Zitat von sysopAFPDie Schuldenkrise in den südeuropäischen Ländern verschreckt große Investoren. Der Ölkonzern Shell zieht 15 Milliarden Dollar aus den betroffenen Staaten ab. Davon profitieren die USA. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,848422,00.html
Mich fasziniert das Statement von Sigmar Gabriel. Wenn ich jeweils das SPON-Forum zu Euro-Themen lese, frage ich mich, ob die SPD überhaupt gewählt werden will. Eine viel unbeliebtere Position zur Eurokrise als diese kann ich mir kaum vorstellen, falls das SPON-Forum auch nur ansatzweise die Meinung hierzu reflektiert.
huettenfreak 06.08.2012
4. Vereinigte Staaten von Europa
Auf dem Weg zu den Vereinigten Staaten von Europa ist es doch nur logisch wenn alle ihr Geld (Steueraufkommen) und die Schulden zusammen in einen Topf werfen. Wir können uns nicht immer nur die Rosinen (zollfreier Export) herauspicken. Ich sage immer "Leben und leben lassen".
KuGen 06.08.2012
5. Eine gemeinsame europäische Nation ?
Gibt es nicht. Braucht es nicht. Und ist auch nicht gewollt. Und wenn es einer will, soll er seine Gründe offen legen. Kugen (ein alter Europäer)
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