Siemens-Affäre Gericht kündigt Bewährungsstrafen für zwei Manager an

Einer der letzten großen Prozesse in der Siemens-Schmiergeld-Affäre ist fast abgeschlossen. Das Landgericht München stellt ehemals hochrangigen Managern des Konzerns Bewährungs- und Geldstrafen in Aussicht. Die Angeklagten haben ein umfangreiches Geständnis abgelegt.

Siemens-Zentrale: Manager legen Geständnis ab
ddp

Siemens-Zentrale: Manager legen Geständnis ab


München - Die juristische Aufarbeitung des größten Schmiergeld-Skandals in der deutschen Nachkriegsgeschichte ist beinahe abgeschlossen. Im Prozess gegen den früheren Siemens-Bereichsvorstand Michel Kutschenreuter stellte das Landgericht München dem Angeklagten am Montag eine Bewährungs- und Geldstrafe in Aussicht.

Wie der Vorsitzende Richter Joachim Eckert am Montag sagte, hatten im Vorfeld Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger im Gegenzug für ein Geständnis eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und eine Geldstrafe von 60.000 Euro ausgehandelt. Zudem stellte die 6. Strafkammer einen Strang des Verfahrens hinsichtlich eines Teils der Bestechungsvorwürfe gegen eine Auflage von 100.000 Euro ein.

Kutschenreuter räumte ein, die schwarzen Kassen und die Schmiergeldpraxis seiner Mitarbeiter gedeckt zu haben. Er übernehme dafür die Verantwortung, sagte er vor Gericht. Auch der mitangeklagte frühere Leiter des Rechnungswesens des Siemens-Telekommunikationsbereichs legte ein Geständnis ab und sieht dafür einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren und einer Geldauflage von 40.000 Euro entgegen.

System von schwarzen Kassen

Die Staatsanwaltschaft legt Kutschenreuter zur Last, das System der schwarzen Kassen und die Bestechung von Amtsträgern und Geschäftsleuten in Russland und Nigeria geduldet zu haben. In dem westafrikanischen Staat sollen Regierungsmitglieder und Vermittler mit bis zu einer Million Euro geschmiert worden sein, um Siemens Chart zeigen Aufträge für den Ausbau des Telefonnetzes zu verschaffen. Mehrere Kutschenreuter unterstellte Mitarbeiter, die das Schmiergeldsystem aufgebaut und verwaltet hatten, waren deshalb bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Der ehemalige Bereichsvorstand Kutschenreuter, der heute in Dubai lebt, ist in der Korruptionsaffäre der bislang ranghöchste Siemens-Manager, der vor Gericht steht. Die Münchener Staatsanwaltschaft hat allerdings bereits gegen den früheren Konzernvorstand Thomas Ganswindt Anklage erhoben.

Für Siemens ist die größte Schmiergeldaffäre in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, bei der 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen waren, weitgehend abgehakt. Der Konzern zahlte für Strafen, Steuerrückstände und die interne Aufklärung rund 2,5 Milliarden Euro. Mit den meisten seinerzeit verantwortlichen Vorständen hat sich Siemens auf Schadensersatzzahlungen geeinigt.

mik/Reuters/apn/AFP



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Ghost12 24.03.2010
1.
Zitat von sysopDer Daimler-Konzern hat aktiv an der Aufklärung der Korruptionsaffäre mitgewirkt. Ein Indiz dafür, dass wirklich ein Sinneswandel stattgefunden hat? Oder geht es nur um Schadensbegrenzung?
Korruption ist IN! Heutzutage wird man als Nichtsnutz Politiker- unabhängig von der Partei. Dann bekommt man nach dem Amt einen Aufsichtsratsposten oder wird "Berater". Selbstverständlich muss man dafür vorher etwas leisten. Daimler agiert nur logisch und schwimmt mit der Masse. Man muss heute bestechen, sonst läuft gar nichts mehr im Laden.
sitiwati 24.03.2010
2. klar, die Amis
erst vermauscheln sie Airbus, jetzt ziehen sie über MB her, klar nach Siemens und anderen deutscehn Firmen werden weitere Opfer gesucht, h Kleinfeld aus den USA gekommen, Siemens an die wand gefahren, jetzt wieder einen dicken Posten in den USA, MB blutet für den kaputten Chrysler Konzern, einfach die Schmiergelder damit verrechnen !
babus 24.03.2010
3. was haben die Konsumenten gelernt
Zitat von Ghost12Korruption ist IN! Heutzutage wird man als Nichtsnutz Politiker- unabhängig von der Partei. Dann bekommt man nach dem Amt einen Aufsichtsratsposten oder wird "Berater". Selbstverständlich muss man dafür vorher etwas leisten. Daimler agiert nur logisch und schwimmt mit der Masse. Man muss heute bestechen, sonst läuft gar nichts mehr im Laden.
NICHTS - wie das Interesse am Thema zeigt. Die Wirtschaft wirtschaftet weiter, die Banken auch, die Protitöre auch - und der Bürger? Den interessiert dieses Thema nicht. Er zahlt, zahlt. Was kostete ein vierer Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel zu DM - Zeiten. Und was kostet es heute, z.B. in Düsseldorf? Und wer profitiert?
Ghost12 24.03.2010
4.
Zitat von babusNICHTS - wie das Interesse am Thema zeigt. Die Wirtschaft wirtschaftet weiter, die Banken auch, die Protitöre auch - und der Bürger? Den interessiert dieses Thema nicht. Er zahlt, zahlt. Was kostete ein vierer Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel zu DM - Zeiten. Und was kostet es heute, z.B. in Düsseldorf? Und wer profitiert?
Wundert mich auch, die Korruption zahlt ja auch jemand. Und jetzt ist es so dicke gekommen, dass gerade sämtliche Ersparnisse und Renten verschoben werden. Nicht plötzlich, das Ganze hat sich schon seit Jahren angedeutet. Der Bürger muss bald für seine Passivität richtig derbe zahlen. Es gibt zwar ein wenig Aufregung, dann wählte man doch die andere Volkspartei oder eine der kleineren, die genauso versumpft sind. Diese Dummheit war fatal, ob es noch eine bundesweite Wahl gibt halte ich für sehr zweifelhaft. Das Finanzsystem kippt schon sehr bald. Was dann kommt, weiß niemand.
AberHallo 06.04.2010
5. Eine bodenlose Frechheit
Zitat von sysopDer Daimler-Konzern hat aktiv an der Aufklärung der Korruptionsaffäre mitgewirkt. Ein Indiz dafür, dass wirklich ein Sinneswandel stattgefunden hat? Oder geht es nur um Schadensbegrenzung?
Wie kommen die Amis überhaupt dazu, den Weltpolizisten zu spielen? Was geht es die an, wenn ein Japaner einen Chinesen besticht? Wofür kassieren die Millionen, ohne Gerichtsverfahren und den Nachweis eines konkreten Schadens? Andere Länder sollten sich gegen diese Hybris zur Wehr setzen. Vielleicht sollten wir unsere Gesetze dahingehend ändern, dass wir weltweit Dinge anklagen, die UNS nicht in den Kram passen. Wie wäre es z.B. wenn wir US-Bundestaaten zu Millionen-Strafen verurteilen würden für jede Menschenrechtsverletzung (Hinrichtung=Mord) die dort begangen wird? Was ist eigentlich mit den Umweltschäden, die bei Offshore-Ölförderung entstehen? Da gäbe es viele Gründe, den USA so richtig eins einzuwürgen.
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