Offener Brief an Siemens-Familie "Geht man so mit Menschen um?"

Siemens will Tausende Jobs abbauen. In einem Brief an die Gründerfamilie werfen Betriebsräte dem Unternehmenschef jetzt Doppelmoral vor. Joe Kaeser lasse "gegenüber den eigenen Beschäftigten die oft zitierte Verantwortung außer Acht".

Kaeser-Figur bei Protestkundgebung in Berlin
DPA

Kaeser-Figur bei Protestkundgebung in Berlin


Die Siemens-Betriebsratsvorsitzenden haben Konzernchef Joe Kaeser wegen des geplanten Abbaus Tausender Arbeitsplätze und möglichen Standortschließungen Verantwortungslosigkeit vorgeworfen. Kaeser spreche öffentlich über Elitenversagen und Grundeinkommen, lasse aber "gegenüber den eigenen Beschäftigten die oft zitierte Verantwortung außer Acht", hieß es in einem offenen Brief der Arbeitnehmervertreter an die Nachfahren von Unternehmensgründer Werner von Siemens.

Die Arbeitnehmervertreter fragen: "Geht man so mit Menschen um, die jahrelang unermüdlich Einsatz für das Unternehmen gezeigt haben?" Man fühle sich "anonymen Aktionärsinteressen und überzogenen Margenzielen geopfert".

Dagegen verteidigte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in der "Süddeutschen Zeitung" die geplanten Werksschließungen. Aufgrund der "dramatisch eingebrochenen" Nachfrage, seien diese unausweichlich. "Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird man uns hinterher Managementfehler vorwerfen", sagte Cromme.

Die Arbeitnehmervertreter dagegen appellieren an die Siemens-Familie: "Helfen Sie uns, die Standortschließungs- und Personalabbaupläne vom Tisch zu bekommen!" Es gelte, mit Investitionen und Innovationen in zukunftsweisende Produkte Standorte und Beschäftigung zu sichern. "Eine Familie sollte besonders in schwierigen Zeiten zueinanderhalten", heißt es in dem Brief.

Siemens will in der Kraftwerks- und der Antriebssparte weltweit 6900 Arbeitsplätze streichen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Auch mehrere Standorte stehen auf der Kippe, unter anderem in Görlitz und Leipzig. Mittlerweile laufen erste Gespräche der Arbeitnehmervertreter mit dem Management. Am Montag hatte Kaeser den Betriebsrat zu Verhandlungen aufgefordert.

bau/dpa



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kayakclc 21.12.2017
1. Scheinheligkeit der Debatte
Das die Arbeitnehmervertretung sich zur Recht aufregt, kann ich nachvollziehen und ist berechtigt. Das sich aber die Politik allen voran die SPD und leise die CDU da einmischt, ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Der Kraftwerkssparte wurde von der Politik mit dem EEG Gesetz die Geschäftsgrundlage entzogen. Thermische Kraftwerke werden nicht mehr nachgefragt. Die Folge der Energiewende, die die Politik beschlossen hat. Jetzt Krokodilstränen weinen ist unglaubwürdig. Und was soll Siemens machen: Turbinen für Mrd weiter produzieren, und in eine Lagerhalle einlagern, nur damit die Leute von der Straße sind. Siemens trifft unternehmerischer Entscheidungen als Konsequenz der politischen Rahmenbedingungen. Man muss in der Politik eben auch die Folgen von Entscheidungen abwägen: Es gibt viele Verlieren der Energiewende. RWE EON gehören dazu, weswegen die Ruhrgebietsstädte die Einnahmen aus ihre Aktienpakteten wegbrechen, aber auch Siemens. Sicherlich: Siemens hätte da besser planen können, und ggf Leuten einen neuen Arbeitsplatz an einem anderen Konzernstandort anbieten sollen. Das sind taktische Fehler gewesen. An den politischen Rahmenbedingunegn ändert sich aber deswegen nichts, das die Arbeitsplätze wegfallen werden, solange die poltische Entscheidung nicht überdacht wird. Vielleicht will Her Schutz ein paar Turbinen kaufen?
redwed11 21.12.2017
2.
Es wäre ja zu hoffen, dass die Arbeitsplätze und Standorte bei Siemens erhalten bleiben. Aber wer die eiskalten, von keinerlei Empathie geprägten Interviews von Johannes Käser gesehen und gehört hat, weiß, hier sitzt ein brutaler Technokrat bei dem menschliche Regungen nicht vorkommen. Dieser Mann hätte vor 75 Jahren mit seiner Einstellung auch mit heben und senken des Daumens Karriere gemacht. Rücksicht auf menschliche Schicksale sind diesem Mann völlig fremd.
redwed11 21.12.2017
3.
Zitat von kayakclcDas die Arbeitnehmervertretung sich zur Recht aufregt, kann ich nachvollziehen und ist berechtigt. Das sich aber die Politik allen voran die SPD und leise die CDU da einmischt, ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Der Kraftwerkssparte wurde von der Politik mit dem EEG Gesetz die Geschäftsgrundlage entzogen. Thermische Kraftwerke werden nicht mehr nachgefragt. Die Folge der Energiewende, die die Politik beschlossen hat. Jetzt Krokodilstränen weinen ist unglaubwürdig. Und was soll Siemens machen: Turbinen für Mrd weiter produzieren, und in eine Lagerhalle einlagern, nur damit die Leute von der Straße sind. Siemens trifft unternehmerischer Entscheidungen als Konsequenz der politischen Rahmenbedingungen. Man muss in der Politik eben auch die Folgen von Entscheidungen abwägen: Es gibt viele Verlieren der Energiewende. RWE EON gehören dazu, weswegen die Ruhrgebietsstädte die Einnahmen aus ihre Aktienpakteten wegbrechen, aber auch Siemens. Sicherlich: Siemens hätte da besser planen können, und ggf Leuten einen neuen Arbeitsplatz an einem anderen Konzernstandort anbieten sollen. Das sind taktische Fehler gewesen. An den politischen Rahmenbedingunegn ändert sich aber deswegen nichts, das die Arbeitsplätze wegfallen werden, solange die poltische Entscheidung nicht überdacht wird. Vielleicht will Her Schutz ein paar Turbinen kaufen?
Was soll dieser Stuss. Siemens hätte rechtzeitig dafür sorgen müssen, dass andere Produkte an den kritischen Standorten produziert werden. Denn an den Standorten arbeiten hochqualifizierte Beschäftigte, die auch etwas anderes aus dem Siemens Programm herstellen können. Zum Anderen haben die Beschäftigten aus Görlitz mitgeteilt, dass die bei Ihnen hergestellten Produkte mit den Großkraftwerken absolut nichts zu tun haben. Aber auf die Fake news von Siemens fallen Leute wie Sie immer wieder herein. Das das alles nicht geschah sind keine taktischen Fehler, das ist Managerversagen und sonst nichts. Und wenn sich Politiker über das Versagen beschweren haben sie völlig recht. Allen voran Martin Schulz.
die Stechmücke 21.12.2017
4. Entmenschlichste Kapitalseele diktiert!
JK folgt stringent der Kapitalbewegung um Mehrwert zu erzeugen, dass dieser Mehrwert durch die Arbeit der Beschäftigten entsteht, interessiert diesen Menschen nicht. Karl Marx hatte formuliert, dass Leute wie JK seine eigenen Totengräber generiert. Dieses Gesetzt ist leider außer Kraft gesetzt.
swarf 21.12.2017
5. Das ist einfach der Wandel der Zeit
Wer soll sich denn für die Arbeiter u. Angestellten eines Untrnehmens interessieren? Der Eigentümer? Welcher Eigentümer?? Siemens ist eine AG. Die Eigentümer sind eine anonyme Masse, die nur darauf aus ist, größtmöglichen Profit zu erzielen. Wenn die Einzelteile eines Unternehmens mehr Wert ist als das Ganze — wird halt aufgeteilt. Ein Gewissen haben die Leute nicht. Die meisten Aktionäre haben auch mit der Unternehmenstradition nichts am Hut. Unternehmenskultur ist nur so lange wichtig, wie sich der Profit daraus rechnet. Welches Unternehmen hat noch eine Werksfürsorge, Werkswohnungen, möchte, dass die Leute beim Unternhemen bleiben? Solange Menschen nur als Kostenfaktor gesehen werden, gibt es auch kein Gewissen. Shareholdervalue ist das Gebot der Stunde. Werden Leute entlassen, steigt der Kurs. Je mehr Entlassungen, um so besser. Das ist der Lauf der Zeit. Und ich bin nicht in der KPD.
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