Schmiergeldskandal bei Siemens Bundesgerichtshof kippt Freispruch von Ex-Vorstand

Siemens Ex-Vorstand Uriel Sharef war verantwortlich für das von Korruption umwitterte Südamerikageschäft. Münchner Richter sprachen ihn frei, nun hat der Bundesgerichtshof das Urteil teilweise gekippt.

Siemens-Logo: Nachwehen der Korruptionsaffäre
ddp

Siemens-Logo: Nachwehen der Korruptionsaffäre


Vor zehn Jahren erschütterte ein milliardenschwerer Schmiergeldskandal die deutsche Öffentlichkeit: Siemens, eines der Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft, hatte über Jahre 1,3 Milliarden Euro Bestechungsgelder in dunkle Kanäle gelenkt, um lukrative Aufträge zu ergattern.

Uriel Scharef, lange Siemens Chart zeigen-Vorstand und zuständig für Geschäfte in Südamerika, war einer der ranghöchsten Beschuldigten in der Affäre. Das Landgericht München sprach ihn im Mai 2014 frei. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil nun aber in Teilen aufgehoben. Sharef wird sich also wieder vor Gericht verantworten müssen, wegen des Verdachts der Untreue durch Unterlassen.

Die Richter am BGH in Karlsruhe bezweifeln, dass Sharef tatsächlich durch Umstrukturierungen im Konzern die Kenntnis von einer schwarzen Kasse verloren hatten, die er zuvor selbst verwaltet hatte. Das Urteil des Landgerichts aus dem Mai 2014 hat aber insoweit Bestand, als Sharef damals von dem Vorwurf freigesprochen wurde, zwei Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe veranlasst zu haben.

Der Ende 2006 aufgeflogene konzernweite Schmiergeldskandal hatte Siemens erschüttert und viele Manager den Job gekostet. Die meisten Prozesse endeten mit Bewährungs- und Geldstrafen beziehungsweise Geldauflagen.

Sharef gehörte zu den ranghöchsten ehemaligen Siemens-Managern, denen der Prozess gemacht wurde. Ihm hatte die Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, bei einem Geschäft mit fälschungssicheren Ausweisen in Argentinien ein Bestechungssystem gedeckt zu haben. Im Zentralvorstand war er für die Region zuständig. Am Münchner Landgericht muss sich nun eine andere Wirtschaftsstrafkammer noch einmal mit dem Fall befassen.

beb/dpa

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Russlandversteher 06.09.2016
1. Schmiergeldzahlungen
Ich bin seit über 30 Jahren weltweit im Großanlagenbau als Projektleiter und Bauleiter tätig und habe bei den großen Firmen gearbeitet. Wer glaubt, in Russland, dem arabischen Raum, Afrika und Fernost liefe irgendetwas ohne Bestechung, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Alle machen es und alle tun dermaßen scheinheilig, daß es einem nur noch schlecht werden kann.
frenchie3 06.09.2016
2. In meiner Lehrzeit
konnten Schmiergelder im Ausland sogar abgesetzt werden. Hat man uns Azubis jerenfalls immer erzählt. Wie auch immer, nix Bakschisch nix Geschäft, da hat sich nichts geändert
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