Neue Unternehmensstruktur Siemens Energy streicht fast jeden dritten Managerposten

Der Energietechnikkonzern Siemens Energy will seine Struktur umbauen – und zahlreiche Hierarchieebenen abschaffen. So sollen schnellere Entscheidungen möglich sein.
Turbinenfertigung bei Siemens Energy in Görlitz

Turbinenfertigung bei Siemens Energy in Görlitz

Foto: Matthias Rietschel/ AP

Hier ein Pöstchen, da ein Pöstchen – und am Ende wollen alle mitreden. Diesen Eindruck von der eigenen Arbeitsweise hatte offenbar auch das Unternehmen Siemens Energy. Der Energietechnikkonzern will jedenfalls nun radikal im Management kürzen und fast jeden dritten Führungsjob streichen. Wo es bisher bis zu elf Hierarchieebenen gab, werden es künftig maximal sechs sein.

Die schlankeren Strukturen sollten Entscheidungsprozesse deutlich beschleunigen, teilte das Unternehmen zu seinem Kapitalmarkttag mit. Ziel der Maßnahmen sei es unter anderem, auf komplexe Abstimmungsprozesse zu verzichten und das Verantwortungsbewusstsein einzelner Einheiten zu stärken. Ein Stellenabbau werde durch die Neuorganisation nicht angestrebt. Die betroffenen Mitarbeiter sollten andere Aufgaben erhalten, hieß es.

Lieferketten ähnlich wichtig wie Technologie

»Technologie ist wichtig, reicht aber für sich genommen nicht mehr aus«, sagte Siemens-Energy-Chef Christian Bruch. »Ausschlaggebend wird sein, wie wir unsere Lieferketten und Fertigungen steuern, wie wir Projekte abarbeiten und wie wir unsere wachsende Datenbasis erfolgreich nutzen.«

Das Segment mit Gas- und Stromanlagen solle zudem in drei Geschäftsfelder aufgeteilt werden: Das Geschäft mit Gasturbinen werde im Bereich Gas Services gebündelt, dem größten der neuen Geschäftsbereiche mit rund neun Milliarden Euro Umsatz.

Aktivitäten im Bereich der Stromübertragung und Speicherung gehörten künftig zu Grid Technologies (5,8 Milliarden Euro Umsatz), Transformation of Industry (3,9 Milliarden Euro Umsatz) sei für alle Themen rund um die Reduzierung des Stromverbrauchs und der CO2-Emissionen in industriellen Prozessen zuständig. Dadurch solle dem Kapitalmarkt die Möglichkeit gegeben werden, die Entwicklung der Geschäfte besser zu beurteilen.

Erst am Wochenende hatte Siemens Energy ein milliardenschweres Übernahmeangebot für die Anteile an Siemens Gamesa vorgelegt, die dem Konzern noch nicht gehören. Von diesem Schritt erhofft sich Siemens Energy eine leichtere Sanierung der angeschlagenen spanischen Windkrafttochter.

apr/Reuters