Lothar Adler Siemens-Betriebsratschef verzichtet auf Vertragsverlängerung

Der Druck war offenbar zu groß: Der umstrittene Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler wird nicht wie geplant auch nach seinem 65. Geburtstag im Konzern bleiben. Eine satte Gehaltserhöhung für den Arbeitnehmervertreter hatte zuvor interne Untersuchungen ausgelöst.

Siemens-Logo: "Vorbildlich, geradlinig und couragiert gehandelt"
DPA

Siemens-Logo: "Vorbildlich, geradlinig und couragiert gehandelt"


München - Es gibt wenige Konzernbetriebsräte, die einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Uwe Hück von Porsche oder Bernd Osterloh von Volkswagen sind seltene Ausnahmen - und inzwischen auch der unglückselige Lothar Adler. Der oberste Arbeitnehmervertreter bei Siemens verzichtet nach dem Wirbel um sein Gehalt auf die umstrittene Verlängerung seines Vertrages. Das teilte der Elektrokonzern am Mittwochabend in München mit. Adler, der Ende Mai 65 Jahre alt wird, scheidet dann mit Erreichen der regulären Altersgrenze bei Siemens aus. "Damit endet auch sein Mandat im Aufsichtsrat", hieß es.

Adler wollte ursprünglich über seinen 65. Geburtstag hinaus noch einige Monate weiter arbeiten. Er wollte bis zur Hauptversammlung im Februar 2015 Siemens-Mitarbeiter bleiben - und sich dann auch aus dem Aufsichtsrat verabschieden, für den er bis 2017 gewählt war.

Eine kräftige Gehaltserhöhung für den Arbeitnehmervertreter kurz vor dem Erreichen der Altersgrenze hatte für Streit gesorgt. Der Vorgang wird noch immer intern untersucht. Der für Deutschland zuständige Personalchef Walter Huber ist im Zusammenhang mit dem Fall vorläufig von seinen Aufgaben freigestellt worden.

"Ich habe großen Respekt vor seiner Lebensleistung"

Adler hatte gesagt, er habe nach seiner Wahl an die Spitze des Betriebsrats gebeten, ein den Regeln der guten Unternehmensführung entsprechendes Gehalt zu ermitteln. Er habe keinen Anlass, an der Rechtmäßigkeit des von Siemens festgelegten Gehalts von bis zu 300.000 Euro zu zweifeln.

Siemens-Chef Joe Kaeser dankte Adler für seine Arbeit. Er sei ein überzeugter und überzeugender Interessenwalter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens gewesen. "Ich habe großen Respekt vor seiner Lebensleistung", sagte Kaeser laut Mitteilung. IG-Metall-Chef und Siemens-Aufsichtsratsvize Berthold Huber sagte, Adler habe als Betriebsratschef vorbildlich, geradlinig und couragiert gehandelt. "Sein erfolgreiches Wirken für die Interessen der Belegschaft verdient von uns allen großen Respekt."

yes/dpa/Reuters



insgesamt 23 Beiträge
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anderermeinung 21.11.2013
1. länger als 65
wollen die Gewerkschaften und viele SPD-ler ja auf keinen Fall. Wie kann man auf die Idee kommen, dass gerade der Betriebsratschef länger macht? Ich kann mir nur eines denken ...
naklar? 21.11.2013
2. Die Regel lautet ...
... in den meisten Firmen: Der Betriebsrat sichert vor allem seinen "eigenen" Arbeitsplatz. Zur Ehrenrettung: Der Betriebsrat ist nicht die Gewerkschaft; was viele Beschäftigte gerne vergessen oder einfach nicht wissen.
WaldemarIdar 21.11.2013
3. Das sagt doch alles
Siemens AG zahlt dem doch nur eine satte Gehaltserhöhung, um ihn im Amte zu halten. Weil er so schön "pflegeleicht" ist. Die "Mitbestimmung" hat zum Gegenteil dessen geführt, was sie erzeugen sollte. Die gut bezahlten Aufsichtsräte der Gewerkschaften, die 50 % im Aufsichtsrat besetzen, werden doch nicht ihr Pfründe gefährden, indem sie gegen die Arbeitgeberseite stimmen. Ganz im Gegenteil, alle Erfahrungen zeigen, dass sie ihre Funktion darin sehen, das Lohndumping, Abbau der Mitarbeiterrechte und das Einführen von prekären Arbeitsverhältnissen für Fremdarbeiter den eigenen Mitgliedern und den anderen Belegschaftsangehörigen zu verkaufen. Deshalb gibt es in Deutschland seit 40 Jahren (Mitbestimmungsurteil vom 1. März 1979) kaum noch Lohnerhöhungen über den Kaufkraftverlust hinaus. Obwohl die Produktivität um 100 % gesteigert wurde, was eigentlich bei einem gerechten Anteil am Fortschritt 100 % Reallohnsteigerung für die Wertschöpfer bedeuten müsste. Dieses und viel mehr haben allerdings nur die Betriebsräte für sich verbucht. Ein weitere Offensichtlichkeit, an die die deutschen Journalisten nicht herangehen. Weil auch sie der Mitbestimmung im Verlag unterliegen. Die deutschen Gewerkschaften sind so korrupt wie die Unions in Chicago. Meine Meinung dazu.
ChristianWild 21.11.2013
4. Mit Speck fängt man Mäuse
und beißt nicht die Hand die einen füttert. Mein Opa wusste dies, mein Vater wusste dies und ich weiss es jetzt auch oder glauben sie immer noch an die Ehrlichkeit. Die zehn Gebote gibt es nur für die DUMMEN.
gollygee01 21.11.2013
5. unerträgliche Heuchelei
wie hier geschmierte Leute auch noch hochgejubelt werden (wie kann so jemand sich noch "unabhängig" für seine Leute einsetzen), ausschliessslich um vom eigenem Dreck am Stecken in der Angelegenheit abzulenken.
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