Trotz Trump Siemens will 200 Millionen Dollar in Mexiko investieren

Seit 1894 ist Siemens in Mexiko aktiv - und will daran trotz der Abschottungspläne der benachbarten USA nichts ändern. Der Konzern kündigt in dem nordamerikanischen Land neue Investitionen an.

Wirtschaftsminister Guajardo (M.) und Siemens-Chef Joe Kaeser (l.)
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Wirtschaftsminister Guajardo (M.) und Siemens-Chef Joe Kaeser (l.)


Der Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hat bei einem Besuch in Mexiko Investitionen in Höhe von rund 200 Millionen Dollar über zehn Jahre angekündigt. Dadurch sollten rund 1000 neue Arbeitsplätze entstehen, sagte Kaeser in Mexiko-Stadt. Mit dem mexikanischen Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo unterzeichnete er eine Absichtserklärung über neue Projekte.

Zuletzt war Mexiko als Standort unter Druck geraten, weil die neue US-Regierung von Donald Trump den Freihandel in der Region infrage stellt und mit hohen Steuern auf mexikanische Produkte gedroht hat. Der Autokonzern Ford Chart zeigen stellte daraufhin Pläne für ein neues Werk in Mexiko ein.

"Wir unterstreichen unser Engagement im Mexiko", sagte Kaeser. "Mexiko kann auf Siemens zählen." Die protektionistischen Töne aus Washington sieht der Siemens-Chef kritisch: "Handel bringt Freiheit und Wohlstand."

Siemens Chart zeigen ist seit 1894 in Mexiko aktiv. Das Unternehmen ist dort vor allem im Energie-, Auto- und Industriebereich tätig. Siemens betreibt in Mexiko neun Werke, zwei Logistik- sowie drei Forschungszentren und beschäftigt rund 6200 Mitarbeiter. Zuletzt hatte Siemens in dem lateinamerikanischen Land kräftig zugelegt: Im Geschäftsjahr 2015 stiegen die Aufträge um 41 Prozent, im Geschäftsjahr 2016 um 32 Prozent.

"Einer der interessantesten Märkte überhaupt"

"Mexiko ist einer der interessantesten Märkte überhaupt. Das Land ist wettbewerbsfähig, und wir sehen großes Wachstumspotenzial", sagte Siemens-Mexiko-Chefin Louise Goeser. Siemens liefert Fördertechnik an den staatlichen Erdölkonzern Pemex Chart zeigen. Der bislang streng regulierte Energiesektor war zuletzt geöffnet worden. Wegen des niedrigen Ölpreises war das Interesse an den bisherigen Ausschreibungen allerdings durchwachsen.

Wachstumschancen sieht Siemens im Bereich der erneuerbaren Energien. Bislang speist sich 20 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Bis 2025 sollen es 35 Prozent werden, bis 2050 bis zu 50 Prozent.

Auch im Automobilsektor ist Siemens aktiv. Rund 60 Prozent der Automatisierungs- und Energiesparsysteme in den mexikanischen Autowerken stammen von dem deutschen Konzern. Mexiko will bis 2020 der fünftgrößte Autobauer der Welt werden. Allerdings geht der Großteil der Produktion in die Vereinigten Staaten. Sollte die US-Regierung tatsächlich Zölle auf in Mexiko gefertigte Fahrzeuge erheben, könnte der Standort an Attraktivität einbüßen.

dab/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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hevopi 15.02.2017
1. Nicht ohne Risiko,
denn wer kennt die unwägbaren Reaktionen der US-Politik? Wie es sich mit Einfuhrsteuern speziell der KFZ-Branche verhält, mit den niedrigen Stundenlöhnen in der 3. Welt (die Industrieländer sind doch alle nicht mehr wettbewerbsfähig), mit der Reaktion auf die streiksüchtigen Gewerkschaften (Lufthansa, Bahn usw.), mir ist es ein Rätsel, wie das in der Zukunft weitergeht. Europa war wegen der völlig verkorksten Politik ja schon gestern und die Arbeitslosigkeit wird aus meiner Sicht erschreckende Ausnahmen annehmen, die größten Länder der Erde arbeiten vermutlich nicht mehr kooperativ zusammen, hoffentlich bleibt uns wenigsten der 3. Weltkrieg erspart.
Reiskornzähler 15.02.2017
2.
Endlich mal jemand mit Rückgrat. Ich glaube nicht, daß die deutsche Wirtschaft bei Trump etwas lernen kann sondern viel eher ist es umgekehrt. Trotzige Reaktionen werden Onkel Donald nicht weiterhelfen. Das lernen die meisten schon im Kindergarten, ähh sorry in der KITA.
Greggi 15.02.2017
3. Geschickter Schachzug ...
von Joe (Kaeser). USA ist sowieso schwierig für Siemens, da die Amerikaner grundsätzlich amerikanisch kaufen, also Produkte von General Electric (GE). Und GE deckt im Grunde genommen alles das ab, was Siemens im Portfolio hat (Ausnahmen bestätigen die Regel). Und wer weiß schon, wie lange Donald sein Unwesen treibt ... (es wird, so oder so, eine "Nachära" Trump geben ...).
Bueckstueck 15.02.2017
4. Gut so, Siemens.
Wenn man so lange in einem Land auf einem anderen Kontinent tätig ist, dann braucht man sich nicht dafür zu rechtfertigen. Das sind gewachsene Strukturen in einem Konzern, der eben auf jedem Kontinent Dependenzen benötigt um sein Geschäft voranzutreiben - es geht hier schliesslich auch um Service Leistungen. Da kann man nicht ausschliesslich Leute aus Deutschland um die Welt scheuchen. Und überhaupt: Der irre Donald ist wie ein Unwetter das vorbeiziehen wird. Wer langfristig plant, plant deshalb ohne Donald. Das machen ja auch die US-Firmen so. Sie geben dem Affen Zucker damit er ruhig ist... und irgendwann ist er wieder weg.
kraftmeier2000 15.02.2017
5. Ja so
läuft es bei Siemens, hier in D… werden Stellen abgebaut und relativ wenig investiert, und im Billiglohnland Mexico investiert man ganz groß, und das ganze hat sicher nichts mit D. Trump zu tun, und wer zeigt denn hier Rückgrat? Siemens produziert ja auch groß in den USA, heißt was in den USA z. B. an Siemens-Gasturbinen gebraucht wird, wird auch dort Produziert, und das nicht erst seit Trump.
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