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06. Februar 2015, 15:38 Uhr

Stellenstreichungen bei Siemens

"Wir sollten uns nichts vormachen"

Von , München

Siemens streicht fast 8000 Stellen in Deutschland und weltweit. Der Betriebsrat kündigt schwierige Gespräche an. Die neue Personalchefin Kugel aber sagt: "Wir werden wahrscheinlich nicht allen eine neue Stelle im Unternehmen anbieten können."

Die Empörung schlägt - wieder einmal - hohe Wellen. Denn Siemens baut - wieder einmal - im großen Stil Stellen ab. Fast 8000 sollen es diesmal sein, davon 3300 in Deutschland.

Pflichtschuldig meldeten sich Arbeitnehmervertreter und die IG Metall zu Wort. "Es werden harte Verhandlungen", kündigte die neue Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn an, zugleich stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende.

Das mag sein, wirklich überraschend kam der Personalabbau allerdings nicht. Es waren sie selbst und andere IG-Metall-Vertreter im Aufsichtsrat, die schon vor Längerem einen Abbau der Bürokratie in der großen Siemens-Welt gefordert hatten. Die bremse die Schaffenskraft und Kreativität im Unternehmen, argumentierten sie. Bürokratie habe allerdings auch "Gesichter", warnte Konzernchef Joe Kaeser schon damals. Verkehrte Welt, möchte man meinen.

Nun liefert er, indem er Verwaltungsebenen streicht - und kann es trotzdem nicht allen recht machen. "Wir wollen für die betroffenen Mitarbeiter eine Perspektive im Unternehmen mit neuen Tätigkeiten und Aufgabenbereichen", fordert der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler. Eine Herkulesaufgabe. Und die soll nun ausgerechnet eine zierliche, aber energische Person bewältigen, die seit gerade Mal fünf Tagen als oberste Siemens-Personalchefin für 114.000 Mitarbeiter in Deutschland und weltweit 341.000 Beschäftigte zuständig ist: Kaesers neue Vorstandskollegin Janina Kugel.

Neue Personalchefin wendet sich an Mitarbeiter

Im hauseigenen Intranet meldet sie sich heute erstmals zu Wort und gibt in einem Interview auf einige kurze Fragen schon ziemlich konkrete Antworten. Natürlich wäre sie lieber unter anderen Begleitumständen angetreten, verrät sie, und sie gehe "mit Respekt an die neue Aufgabe". Stelle und Bewerber, argumentiert sie, müssten zueinander passen, "von der Qualifikation her und mit Blick auf den Standort". Das verlange von den Mitarbeitern aber auch die Bereitschaft zu "Flexibilität und Veränderung".

Und wenn eine Versetzung doch nicht klappt? "Ja, da sollten wir uns auch nichts vormachen", kontert Kugel kurz und knapp, "wir werden wahrscheinlich nicht allen eine neue Stelle im Unternehmen anbieten können." Ihr Fazit: "Wir müssen in noch bessere Produkte investieren und brauchen wieder mehr Wachstum!" Das würde wohl auch ihr Chef blind unterschreiben.

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