Gaskraftwerke und Energie-Infrastruktur Siemens sichert sich Millionenaufträge im Irak

Der Irak will seine vom Krieg zerstörte Stromversorgung mit viel Geld erneuern. Siemens bekommt nun den Zuschlag für große Projekte - ein wichtiger Schritt im Kopf-an-Kopf Rennen mit dem US-Rivalen General Electric.

Auftrag mit politischer Unterstützung: Siemens-Chef Kaeser (r.), Iraks Energieminister Al-Khateeb, dahinter die Regierungschefs Abdel Mahdi und Merkel.
Kay Nietfeld/dpa

Auftrag mit politischer Unterstützung: Siemens-Chef Kaeser (r.), Iraks Energieminister Al-Khateeb, dahinter die Regierungschefs Abdel Mahdi und Merkel.


Im Wettstreit mit dem US-Konkurrenten General Electric (GE) um den lukrativen Wiederaufbau der irakischen Stromversorgung hat Siemens einen weiteren Etappensieg errungen. Der Münchner Konzern erhält den Zuschlag für Aufträge im Wert von insgesamt rund 700 Millionen Euro, wie Siemens-Chef Joe Kaeser mitteilte.

In Berlin unterzeichnete Kaeser am Dienstag mit dem irakischen Energieminister Luay Al-Khateeb und Regierungschef Abdel Mahdi eine "Umsetzungsvereinbarung" zu einer "Roadmap" für eine umfassende Wiederherstellung des Energiesektors im Irak. Bei der Unterzeichnung war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel anwesend.

Die Vereinbarung betrifft laut Siemens den Bau eines Gaskraftwerks mit einer Leistung von 500 Megawatt in Zubaidiya, die Modernisierung von 40 Gasturbinen mit Kühlsystemen und die Installation von 13 Umspannstationen sowie 34 Transformatoren. Bis zum Sommer des kommenden Jahres sollen die Baumaßnahmen sichtbar sein, sagte ein Sprecher.

Iraks Premier sagte, die "Roadmap" bestehe aus vier Etappen mit einem Umfang von insgesamt rund 14 Milliarden US-Dollar - also umgerechnet rund 12,5 Milliarden Euro. Siemens habe gute Chancen, den Zuschlag für "einen großen Teil von diesen Projekten" zu erhalten, sagte Abdel Mahdi.

Tausende Jobs und eine Klinik für den Irak

Allerdings dürfte der US-Konkurrent GE in den nächsten Monaten einiges an Boden gutmachen. Im vergangenen Herbst hatte sich die US-Regierung im Irak intensiv für GE stark gemacht. In Medienberichten war von erhöhtem Druck auf Bagdad zu lesen - konkret auf den damaligen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi. Doch auch die deutsche Regierung hatte ihren Einfluss geltend gemacht.

Siemens will weiterhin vor allem mit einem Gesamtplan für den Irak überzeugen. Außer dem Ausbau der Stromversorgung und der Schaffung Tausender Jobs verspricht der Konzern Unterstützung beim Kampf gegen Korruption sowie bei der Ausbildung von Irakern und dem Aufbau von Schulen und Kliniken. So habe sich Siemens unter anderem verpflichtet, eine "Smart Health"-Klinik zu spenden sowie Universitäten im Irak Software im Wert von 60 Millionen US-Dollar zur Verfügung zu stellen.

Der Auftrag hilft der kriselnden Kraftwerkssparte des Konzerns. Wegen Überkapazitäten bei Gasturbinen und des Trends zu erneuerbaren Energien steckt der Geschäftsbereich in Schwierigkeiten. Die Technik für die neuen Anlagen im Irak soll laut Siemens aus Berlin kommen. Dort entsteht das Zentrum für große Gasturbinen.

Im Irak hat die aufgrund der jahrelangen Kriege und Konflikte schlechte Strominfrastruktur bereits häufiger für politische Spannungen gesorgt. In der südlichen Provinz Basra hatten Bürger im vergangenen Jahr bei Protesten gegen die mangelhafte Versorgung mit Elektrizität und sauberem Trinkwasser staatliche Gebäude in Brand gesetzt.

fdi/dpa



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