Siemens-Skandal Griechischer Ex-Minister gesteht Annahme von Schmiergeld

Umgerechnet mehr als 200.000 Euro habe er bekommen: Der ehemaliger griechische Verkehrs- und Transportminister Mandelis hat zugegeben, in den 90er Jahren Schmiergeld von Siemens genommen zu haben - als "Sponsorenzuschuss". Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage.
Siemens-Zentrale in München:

Siemens-Zentrale in München:

Foto: dapd

Athen - Der frühere griechische Verkehrs- und Transportminister Tassos Mandelis hat gestanden, 1998 Schmiergelder in Höhe von mindestens 450.000 Mark kassiert zu haben. Das Geld sei als "Sponsorenzuschuss" auf ein Konto in der Schweiz eingezahlt worden, sagte der sozialistische Ex-Minister am Donnerstag vor einem Untersuchungsausschuss des Parlamentes in Athen.

Mandelis wurde nicht festgenommen, weil die Sache verjährt sei, berichtete die griechische Presse anschließend. Am Nachmittag erhob die Staatsanwaltschaft von Athen jedoch Anklage wegen Annahme von Schmiergeldern. Zudem werde untersucht, ob er auch andere Straftaten wie Steuerhinterziehung begangen habe, hieß es. Mandelis wurde die Ausreise aus Griechenland verboten. Berichte, nach denen er das Land am Nachmittag in Richtung Aserbaidschan verlassen habe, stellten sich als falsch heraus. "Ich bin in Griechenland und stehe der Justiz zur Verfügung", sagte Mandelis am Abend im griechischen Fernsehen.

Siemens

Mandelis' Angaben zufolge hatte sich ein Unbekannter telefonisch bei ihm gemeldet, sich als Vertreter der -Zentrale ausgegeben und ihm angeboten, seinen Wahlkampf zu unterstützen. Die Gelder seien in zwei Raten - zunächst 200.000 Mark und danach weitere 250. 000 Mark - auf ein Konto in der Schweiz überwiesen worden.

Beamte der Steuerfahndung durchsuchten am Nachmittag die Zentrale von Siemens-Griechenland in der Vorstadt Maroussi. Eine Erklärung dazu gab es nicht, wie das Staatsfernsehen berichtete. "Ex-Minister packt aus - Sozialisten unter Schock", lautete der Tenor in der Presse. Mandelis war von 1988 bis 2004 auch zuständig für die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes und die Modernisierung der griechischen Bahnen.

über 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden sein

Nach Schätzungen in der griechischen Presse könnte Schmiergeld in einer Gesamthöhe von bis zu 100 Millionen Euro an Politiker und Funktionäre geflossen sein. Bereits vor drei Jahren hatte ein anderer hoher Funktionär der Sozialisten gestanden, er habe eine Million Mark in einem Koffer von Siemens-Mitarbeitern erhalten und diese in die Kasse der Sozialistischen Partei (Pasok) eingezahlt. Bei Siemens sollen in den vergangenen Jahren . Ein Großteil des Geldes soll im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein.

otr/dpa/Reuters
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