GE-Gebot für Alstom Frankreich bittet Siemens um Beistand

Die Regierung in Paris will mit aller Macht verhindern, dass der US-Konzern GE den französischen Industrieriesen Alstom übernimmt. Einem Zeitungsbericht zufolge hat sie den deutschen Konkurrenten Siemens gebeten, seinerseits ein Gebot abzugeben.
Siemens-Turbine: Droht der wichtigen Energiesparte stärkere Konkurrenz?

Siemens-Turbine: Droht der wichtigen Energiesparte stärkere Konkurrenz?

Foto: Matthias Rietschel/ ASSOCIATED PRESS

Paris - Zur Abwehr des US-Mischkonzerns General Electric schaltet Frankreich offenbar den deutschen Konkurrenten Siemens ein. Es geht darum, eine Milliarden-Offerte der Amerikaner für die wichtigste Sparte des französischen Technologiekonzerns Alstom zu vereiteln. Die Regierung in Paris sei an das Münchner Unternehmen herangetreten und habe es um ein Gegengebot gebeten, berichtet die Zeitung "Le Figaro". Siemens wollte sich nicht dazu äußern. Auch die französische Regierung lehnte einen Kommentar ab.

Der Verwaltungsrat von Alstom kommt dem Blatt zufolge am Sonntag zusammen, um über einen Verkauf seiner Kernsparte Energietechnik an den US-Rivalen General Electric (GE) zu beraten. Die Energiesparte, die Kraftwerksturbinen herstellt, erwirtschaftet drei Viertel der Umsätze von Alstom, ihr Verkauf könnte rund neun Milliarden Euro einbringen.

Für Siemens wäre ein Zusammenschluss von GE mit der Alstom-Sparte alarmierend. Auch die Deutschen sind in dem Segment Energietechnik aktiv und müssten eine erstarkte Konkurrenz fürchten. In der Branche wird daher seit Tagen über ein mögliches Gegengebot von Siemens für die betreffenden Teile von Alstom spekuliert.

Befeuert wurden diese Mutmaßungen am Samstagabend durch die französische Nachrichtenagentur AFP. Sie berichtet, Siemens bereite schon ein Angebot vor, um GE bei Alstom auszustechen. Die Agentur beruft sich auf "Branchenkreise". Siemens wollte den Bericht auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren.

Die ersten Berichte über das GE-Gebot für Alstom riefen die französische Regierung schon vor Tagen auf den Plan. Paris will eine Übernahme durch die Amerikaner in jedem Fall verhindern. Alstom ist extrem abhängig von staatlichen Aufträgen, der Konzern stellt unter anderem die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge für die Staatsbahn SNCF her und beliefert den Kraftwerksbetreiber EdF. Aus Kreisen verlautete, dass GE-Chef Jeff Immelt am Sonntag mit dem französischen Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg zusammenkommt.

Alstom war 2004 in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und vom Staat gerettet worden. Damals war in den Verhandlungen mit EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti bereits ein Verkauf der Energiesparte an Siemens erwogen worden. Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy sorgte jedoch dafür, dass ein solcher Deal nicht zustande kam.

wal/Reuters/AFP
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