Für 140.000 Mitarbeiter Siemens will mobiles Arbeiten drastisch ausweiten

Präsenzpflicht ade: Der Siemens-Konzern setzt auch nach Pandemie-Ende auf eine massive Ausweitung mobilen Arbeitens, 140.000 Mitarbeiter sind betroffen.
Siemens-Zentrale in München

Siemens-Zentrale in München

Foto: Matthias Balk/ dpa

Jahrelang war mobiles Arbeiten für viele deutsche Firmen tabu, nun aber kann es manchen Arbeitgebern gar nicht schnell und weit genug gehen: Der Siemens-Konzern etwa will auch nach der Corona-Pandemie stark auf Arbeiten aus den eigenen vier Wänden setzen.

Ein Vorstandsbeschluss soll es im Konzern zum weltweiten Standard machen, dass mehr als die Hälfte der Mitarbeiter künftig an zwei bis drei Tagen pro Woche nicht mehr ins Büro oder ins Werk muss, wie Siemens am Donnerstag mitteilte. "Wir haben gesehen, wie produktiv und effektiv das mobile Arbeiten sein kann. Da haben sich einige Vorurteile in Luft aufgelöst", sagt Jochen Wallisch, ein führender Manager im globalen Personalbereich von Siemens.

Einen harten Anspruch soll es allerdings nicht geben. Sowohl Mitarbeiter als auch Vorgesetzte müssen zustimmen. Das Management will den Kulturwandel aber unterstützen. So betont der designierte Siemens-Chef Roland Busch, die Basis des Modells sei "eine Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur. Damit verbunden ist auch ein anderer Führungsstil, der sich an Ergebnissen orientiert, nicht an der Präsenz im Büro."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der Schritt betrifft 45.000 Mitarbeiter in Deutschland

Wallisch erwartet reges Interesse: "Wir gehen davon aus, dass das Angebot auf breite Akzeptanz und Nutzung treffen wird", sagt er. "Ein Großteil der Beschäftigten begrüßt grundsätzlich zwei bis drei Tage mobiles Arbeiten pro Woche - und zwar über alle Länder hinweg." Weltweit sollen 140.000 Mitarbeiter von dem Beschluss profitieren, davon rund 45.000 in Deutschland. Insgesamt hat der neue Siemens-Konzern - ohne das abgespaltene Siemens Energy gerechnet - rund 240.000 Mitarbeiter.

Bei der Umsetzung hat allerdings auch noch die Arbeitnehmerseite mitzureden, die Betriebsräte zum Beispiel. "Wir stehen dem Konzept grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber", heißt es von dort. "Aber es gibt viele Aspekte, über die wir noch intensiv sprechen müssen. Wir haben beispielsweise jahrelang über ergonomische Arbeitsplätze gesprochen, da kann es nicht sein, dass man künftig auf dem Küchentisch an einem kleinen Laptop arbeitet."

In der Coronakrise mussten viele Unternehmen die Möglichkeiten für Homeoffice und andere Möglichkeiten des mobilen Arbeitens ausweiten. Umfragen deuten darauf hin, dass diese Flexibilisierung die Krise häufig überleben dürfte. So sagten 54 Prozent von 7300 befragten Betriebe dem Ifo-Institut, dass sie eine dauerhafte Zunahme erwarten.

beb/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.