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29. Juli 2013, 20:06 Uhr

Machtkampf

Ackermann hat Vorbehalte gegen Kaeser als Siemens-Chef

Von , München

Machtspiele bei Siemens: Nach SPIEGEL-Informationen wollte Aufsichtsratsvize Josef Ackermann den "würdelosen Abgang" von Peter Löscher verhindern. Nun könnte der Ex-Deutsche-Bank-Chef auch dem designierten Vorstandschef Joe Kaeser in die Quere kommen.

Die geplante Ablösung von Peter Löscher als Siemens-Chef hat zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und seinem Vize, Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, geführt. Das erfuhr der SPIEGEL von Insidern, die sich Sorgen um die Zukunft des Münchner Industriekonzerns machen. Das Weltunternehmen müsse schnell wieder in "ruhiges Fahrwasser" geraten, hatte am Montag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel über einen Sprecher mitteilen lassen.

Doch davon kann bislang nicht die Rede sein. Nach SPIEGEL-Informationen soll sich insbesondere Ackermann am vergangenen Samstag vehement gegen eine Beschlussempfehlung des Aufsichtsratspräsidiums zur Absetzung von Amtsinhaber Löscher und einer Bestellung von Finanzchef Joe Kaeser als Nachfolger gestemmt haben. Demnach hatte Aufsichtsratschef Cromme ursprünglich geplant, schon am vergangenen Wochenende einen Konsens über die avisierte Personalrochade herbeizuführen. Doch Ackermann stellte sich quer.

Auch die Modalitäten, wie Löschers Vertrag aufgelöst werden sollte, standen noch nicht fest. Ackermann und zwei weitere Mitglieder der Anteilseignerseite im Aufsichtsrat fänden die Hauruck-Verabschiedung von Löscher "würdelos", heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens. Laut der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich dabei neben Ackermann noch um Allianz-Chef Michael Diekmann und Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Nach SPIEGEL-Informationen würden sie erwägen, Kaeser am Mittwoch ihre Stimme zu verweigern. Ein Ackermann-Sprecher sagte am Montagabend, der frühere Deutsche-Bank-Chef habe noch nicht entschieden, wie er abstimmen werde.

Gewählt werden dürfte der charismatische Niederbayer wohl ohnehin. Selbst wenn er im ersten Durchgang die nötige Zweidrittelmehrheit der 20 möglichen Stimmen verfehlen sollte, hätte er im zweiten Durchgang noch immer beste Chancen. Dann reicht die einfache Mehrheit und die Doppelstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden. Der heißt Cromme und hat Kaeser als künftigen Vorstandschef auserkoren. Außerdem sollen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat fest hinter Kaeser stehen.

Ackermann soll Ex-Siemens-Chef Kleinfeld favorisieren

Ob es tatsächlich zu einer zweiten Abstimmung kommt, bleibt abzuwarten. Schon jetzt kursieren wilde Gerüchte über die angeblich wahren Gründe für Ackermanns Blockadehaltung. Danach soll er selbst Ambitionen auf den Job als Siemens-Oberkontrolleur haben, was er heftig dementiert. Anstelle von Kaeser favorisiere Ackermann unter anderem Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld als obersten Siemens-Lenker, wird in Konzernkreisen kolportiert. Ackermanns Sprecher dementiert auch dies vehement.

Der derzeitige Alcoa-Chef Kleinfeld hatte allerdings bereits vor Wochen ausrichten lassen, dass er für eine Rückkehr nach Deutschland nicht zu haben sei.

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