Reaktion auf Angriffskrieg Siemens zieht sich komplett aus Russland zurück

Es ist das Ende einer 170 Jahre währenden Geschäftsbeziehung: Siemens stellt alle Geschäfte in Russland ein. Die Probleme dort infolge des Ukrainekriegs haben dem Konzern auch das zweite Quartal vermasselt.
Sitz von Siemens in Moskau: Verbindungen zu Russland werden gekappt

Sitz von Siemens in Moskau: Verbindungen zu Russland werden gekappt

Foto: Anadolu Agency / Getty Images

Der Technologiekonzern Siemens zieht sich als Folge des Krieges in der Ukraine aus dem russischen Markt zurück. »Wir verurteilen den Krieg in der Ukraine und haben beschlossen, unsere industriellen Geschäftsaktivitäten in Russland in einem geordneten Prozess zu beenden«, sagte Siemens-Chef Roland Busch.

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hatte Siemens bereits das Neugeschäft und auch internationale Lieferungen in das Land und nach Belarus eingestellt. Siemens erzielt rund ein Prozent des Konzernumsatzes in Russland und Belarus.

Die Geschäftsbeziehungen zwischen Siemens und Russland haben eine 170-jährige Tradition.

Die Geschäftsbereiche würden die Abwicklung ihrer Aktivitäten in einem geordneten Prozess im Einklang mit den regulatorischen Anforderungen und internationalen Sanktionen steuern, teilte Siemens nun zu dem gänzlichen Rückzug mit. Demnach hat der Konzern in Russland etwa 3000 Mitarbeiter. Siemens hat große Standorte in Moskau und Sankt Petersburg. Darüber hinaus gibt es diverse Vertriebsbüros.

Das Russlandgeschäft hat Siemens im zweiten Quartal auch das Ergebnis verdorben. So verbuchte das Unternehmen eine Belastung unter anderem aus Abschreibungen von 600 Millionen Euro. Sie entfallen hauptsächlich auf das Zuggeschäft. Außerdem hält das Unternehmen weitere Belastungen im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich für möglich – der Zeitpunkt, wann diese verbucht würden, sei noch offen.

Insgesamt machte Siemens im zweiten Geschäftsquartal 1,2 Milliarden Euro Gewinn. Das ist nur noch halb so viel wie im Vorjahreszeitraum, dennoch bestätigte der Konzern seine Prognose für das laufende Jahr. Voraussetzung sei, dass sich die Engpässe in der Lieferkette nicht verschärften und auch die Pandemie keine neuen Herausforderungen mit sich bringe.

Als positiv wertete Siemens hohe Auftragseingänge. Sie stiegen um knapp ein Drittel auf fast 21 Milliarden Euro. Die Umsätze nahmen um 16 Prozent auf 17 Milliarden Euro zu. »In einem extrem schwierigen Umfeld ist unser Geschäft weiterhin stark«, sagte Siemens-Chef Roland Busch. »Der gestiegene Auftragseingang und Umsatz spiegeln erneut das Vertrauen unserer Kunden in uns wider.«

Neben dem Ukrainekrieg bekommt der Konzern die Folgen der Coronapandemie zu spüren. Es gehe darum, größere Unterbrechungen zu vermeiden, obwohl es erhöhte Risiken bei elektronischen Bauteilen, Rohstoffen und der Logistik gebe, teilte der Konzern mit. In der Sparte mit Automatisierungstechnik kam es dennoch zu längeren Lieferzeiten.

mmq/Reuters/dpa