Waffenhersteller Sig Sauer schließt deutschen Produktionsstandort

Aus für die deutsche Zentrale: Die Waffenfirma Sig Sauer will ihren Standort in Eckernförde aufgeben. Die Mitarbeiter sollen demnach gekündigt werden.
Zentrale von Sig Sauer in Eckernförde: Schließung bis Jahresende

Zentrale von Sig Sauer in Eckernförde: Schließung bis Jahresende

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Der Waffenhersteller Sig Sauer will Medienrichten zufolge seinen deutschen Produktionsstandort im schleswig-holsteinischen Eckernförde zum Jahresende dicht machen. Das wurde der Nachrichtenagentur dpa aus der Unternehmensführung bestätigt.

Die hiesigen Standortnachteile erlaubten für die Zukunft keine wirtschaftliche Produktion von Sport- und Behördenwaffen, teilte das Unternehmen dpa zufolge mit. Betriebsrat und Belegschaft seien über die wirtschaftliche Situation bereits informiert worden. Demnach verlieren etwa 125 Beschäftigte ihre Jobs.

Sig Sauer beschwert sich über angebliche Benachteiligung

Das Unternehmen verwies in einer Pressemitteilung darauf, dass die deutsche Gesetzgebung die Nutzung von Sportwaffen immer mehr einschränke. "Bei der Vergabe von Behördenaufträgen werden sowohl von der deutschen Polizei als auch von der Bundeswehr einige wenige lokale Produzenten bevorzugt." Sig Sauer werde wegen der internationalen Ausrichtung des Unternehmens von den Ausschreibungen systematisch ausgeschlossen. Die meisten Entwicklungen der Firma stammten aus den USA.

Den Angaben des Waffenherstellers zufolge haben die Gesellschafter in den vergangenen Jahren große finanzielle Beiträge zur Stabilisierung des Unternehmens geleistet. Es seien auch drastische Sparmaßnahmen erfolgt, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. "Zu den vorhandenen Problemen kommen die aktuellen Auswirkungen der Coronakrise, die eine Fortführung des Geschäftsbetriebs in Eckernförde wirtschaftlich zusätzlich erheblich belasten."

Neue Vorwürfe: Illegale Waffenlieferungen nach Mexiko

Seit dem Jahr 2000 gehört nach Firmenangaben die Sig Sauer GmbH & Co. KG in Eckernförde zur L&O Holding in Emsdetten (Nordrhein-Westfalen), zu der zudem auch die US-Schwester Sig Sauer Inc. in Newington (US-Bundesstaat New Hampshire) und die schweizerische Swiss Arms in Neuhausen gehören.

Zuletzt war Sig Sauer vor allem wegen unerlaubter Geschäftspraktiken in den Schlagzeilen: Vor einem Jahr waren drei Ex-Manager von Sig Sauer am Landgericht Kiel wegen illegaler Waffenlieferungen nach Kolumbien zu Bewährungsstrafen und Geldstrafen verurteilt worden. Seit April dieses Jahres geht die Staatsanwaltschaft Kiel neuen Vorwürfen gegen Sig Sauer nach, denen zufolge das Unternehmen auch nach Mexiko illegal Waffen geliefert haben soll.

kko/dpa
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