Medienberichte Sigmar Gabriel gilt als Favorit für den Job als Chef-Autolobbyist

Anfang Oktober hatte das manager magazin berichtet, Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel werde als neuer VDA-Präsident gehandelt. Medienberichten zufolge steht er kurz vor dem Ziel - auch einen Fahrplan soll es geben.

Sigmar Gabriel: Künftig Cheflobbyist der Autobranche
Jens Büttner/ DPA

Sigmar Gabriel: Künftig Cheflobbyist der Autobranche


Von der Politik in die Wirtschaft: Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel gilt seit Wochen als Favorit für das Präsidentenamt des mächtigen Automobilverbandes VDA. Das manager magazin hatte darüber Anfang des Monats berichtet. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" gibt es nun nähere Hinweise zum zeitlichen Ablauf.

Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelgeschichte: "Ist die deutsche Autoindustrie noch zu retten?"

Kommende Woche wolle das VDA-Präsidium Details mit Gabriel klären, berichtet die Zeitung. Zeitgleich gebe es auch Gespräche mit einer Kandidatin von der CDU: Hildegard Müller, einst Staatsministerin im Kanzleramt und Topmanagerin eines Energiekonzerns. Ihr würden allerdings nur Außenseiterchancen eingeräumt.

"Die Reihenfolge steht fest", heißt es laut "Bild am Sonntag" aus informierten Kreisen. "Sollten keine unüberbrückbaren Differenzen mit Gabriel auftreten, wird er der neue Präsident", zitiert die Zeitung ihre Quelle. Ein anderer Topmanager sagte demnach, Gabriel sei zu 99 Prozent sicher. Er sei der Wunschkandidat der Autokonzerne.

FAZ: Konzerne noch im Clinch

Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntag" ist das Rennen zwischen Gabriel und Müller noch offen. Wer von den beiden den Vorzug erhalte, darüber lägen die Konzerne noch im Clinch. Die formelle Entscheidung fällt der VDA-Vorstand demnach in der ersten Novemberwoche.

Gabriel hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, im November sein Bundestagsmandat vorzeitig niederzulegen. Der wichtigste Grund dafür sei das Gefühl, "dass ich mit 60 Jahren jetzt noch einmal die Chance habe, etwas Neues anzufangen", begründete er seinen Rückzug in einem Brief an "Freunde und Weggefährten".

Gabriel gilt als politische Größe, der sich immer wieder eng mit der Autoindustrie auseinandersetzte. Unter anderem saß er als Ministerpräsident von Niedersachsen um die Jahrtausendwende im Volkswagen-Aufsichtsrat.

Gabriel war von 2009 bis 2017 Vorsitzender der SPD. Er war zudem Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister. Seit 2005 sitzt er im Bundestag. Zuletzt hatte es wiederholt Kritik daran gegeben, dass der Politiker wegen seiner zahlreichen Nebentätigkeiten sein Abgeordnetenmandat nicht mehr in ausreichendem Umfang wahrnehme. Der bisherige VDA-Chef Bernhard Mattes hatte im September seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt.

fok/AFP

insgesamt 233 Beiträge
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ahasoisses 27.10.2019
1. Aha ...
... einer der letzten Anständigen der SPD, der Politik, auf der Welt. Bemerkenswert wie es die SPD schafft die eigene Abschaffung immer noch weiter zu beschleunigen - Gratulation!!
quark2@mailinator.com 27.10.2019
2.
Warum gibt es keinen Paragraphen gegen Interessenskonflikte von Politikern, egal ob nun jemand Bahn-Manager, Ölmanager oder VDA-Chef wird ? Aus meiner Sicht sollten Politikerentgelte und -alterssicherung ausreichen, um jegliche Top-Jobs für ehemalige Top-Politiker per se zu verbieten. Das müffelt einfach zu sehr nach rückwirkender Bestechung und Einflußnahme. Kein Problem, wenn jemand hinterher weiter seine Anwaltskanzlei betreibt, solange er/sie nicht Beratergebühren o.ä. bekommt, sondern Fälle abarbeitet. Aber das was hier immer so passiert ... da sollte mal jemand die Demokratie schützen.
weltraumschrott 27.10.2019
3. Vorschlag zur grammatikalischen Formulierung...
Es handelt sich m.E.n. um das Amt des Cheflobbyisten. Man spricht auch vom Amt des Kanzlers und nicht vom Amt als Kanzler, oder?
alterknacker54 27.10.2019
4. Sehr gut!
Soll er doch! Auf dem Posten wird er jedenfalls weniger Schaden anrichten als seinerzeit als Wirtschaftsminister (Zahlreiche Genehmigungen für Waffenexporte auch in Krisengebiete und auch an dubiose Kunden).
J.Corey 27.10.2019
5. Über die Glaubwürdigkeit deutscher Politiker ...
... muss man sich keine Gedanken machen. Der eine zum VDA, der andere zu Gazprom, ... - das riecht nicht mehr, das stinkt zum Himmel.
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