Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel ist neuer Chefkontrolleur bei Stahltochter von Thyssenkrupp

Umstellung auf Klimaneutralität, stark gestiegene Energiepreise: Die Situation von Thyssenkrupp Steel ist schwierig. Nun wurde der frühere Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel an die Spitze des Aufsichtsrats gewählt.
Früherer SPD-Chef und Wirtschaftsminister Gabriel (im Januar)

Früherer SPD-Chef und Wirtschaftsminister Gabriel (im Januar)

Foto: teutopress / IMAGO

Der frühere SPD-Chef und ehemalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist neuer Aufsichtsratschef der Stahltochter von Thyssenkrupp. Der 62-Jährige sei als Vertreter der Anteilseigner in das Kontrollgremium von Thyssenkrupp Steel Europe berufen und auf der konstituierenden Sitzung zum neuen Vorsitzenden gewählt worden, teilte der Konzern mit. Mit Gabriel wurde auch die ehemalige Tui-Personalchefin Elke Eller in den Aufsichtsrat berufen.

»In den kommenden Monaten und Jahren stehen wegweisende Entscheidungen mit wirtschaftlicher, industriepolitischer und umweltbezogener Relevanz an«, sagte Gabriel. Nirgendwo könne man exemplarisch so überzeugend zeigen wie beim Stahl, dass wirtschaftlicher Erfolg und Nachhaltigkeit in der Klimapolitik in Deutschland zusammengebracht werden.

Die Zukunft der Stahltochter mit ihren rund 27.000 Beschäftigten ist ungewiss. Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hatte kürzlich die geplante Verselbstständigung wegen der unsicheren Lage im Zuge des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine auf Eis gelegt. Im Interview mit dem SPIEGEL sagte sie, auch die gestiegenen Stahlpreise würden nicht wirklich helfen, weil dadurch nur ein Teil der erheblichen Anstiege bei den Energiepreisen umgelegt werden könne.

Arbeitnehmervertreter und die IG Metall fordern vom Management Klarheit, wie es weitergehen soll. Die Stahlindustrie steht mit der Umstellung auf eine klimafreundliche Produktion vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. Die Finanzierung des Milliardenprojekts ist aber völlig offen.

»Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Strategie der eigenständigen Aufstellung des Stahlgeschäfts gute Zukunftsperspektiven eröffnet – auch wenn die konkrete Form der Umsetzung aufgrund der geopolitischen Lage für den Moment offenbleiben muss«, sagte Merz. Für die Integrität dieses Prozesses sollten unabhängige Mitglieder in den Aufsichtsrat berufen werden, die das Vertrauen beider Seiten des Gremiums besitzen. Mit Gabriel haben man eine sehr kompetente und erfahrene Persönlichkeit gewinnen können.

fdi/Reuters
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