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Geldflüsse verwundern Investoren Signa sorgte für millionenschwere Finanztransfers in René Benkos Privatreich

Die Insolvenzverfahren der Signa-Immobilientöchter offenbaren den Abfluss von Millionen Euro zu Firmen, die Konglomeratsgründer René Benko zuzuordnen sind. Geldgeber werden nervös.
Signa-Gründer René Benko mit Ehefrau Nathalie 2020 beim Skirennen in Kitzbühel

Signa-Gründer René Benko mit Ehefrau Nathalie 2020 beim Skirennen in Kitzbühel

Foto:

Patrick Steiner / GEPA / IMAGO

Wie bei einem Dominospiel stürzt derzeit ein Unternehmen des Signa-Konglomerats von Immobilienjongleur René Benko nach dem anderen in die Insolvenz. Die Verfahren bringen nun ans Licht, wie im verschachtelten Reich Geld zwischen den Unternehmen der Signa-Gruppe und Firmen im Einflussbreich von Benkos Familienstiftungen verliehen wurde.

Daten der Signa Development, des zentralen Projektentwicklers der Signa-Gruppe, offenbaren, dass von dort Millionen abflossen, noch bevor das Unternehmen Insolvenz anmeldete. Nach den Zahlen, die dem SPIEGEL vorliegen, verlieh Signa Development 189,8 Millionen Euro an die Laura Holding, eine wichtige Beteiligung der Benko zuzurechnenden Laura Privatstiftung sowie einiger gewichtiger Signa-Investoren. Darüber hinaus lieh die Signa-Tochter der Laura Finance Holding, einer Tochterfirma der Laura Holding, weitere 124,8 Millionen Euro. Die Laura Privatstiftung wurde einst von René Benko und seiner Mutter Ingeborg gestiftet, die mitsamt Benkos Tochter Laura Begünstigte ist. Zuerst berichtete die »Financial Times« über den Geldtransfer. Signa gab keinen Kommentar.

Die Geldflüsse schüren neue Sorgen bei Investoren, die ohnehin argwöhnisch geworden sind, seit sich Benkos einst hochtrabende Versprechungen stetiger Renditen durch außergewöhnliche und luxuriöse Immobilienprojekte in Luft aufgelöst haben. Sie bangen nun um das von ihnen eingezahlte Geld und stellen zunehmend Fragen, wie viel ihrer Gelder in Benkos Privatvermögen gelangt sein könnten. »Die Finanzströme sind so undurchsichtig gewesen, dass niemand sagen kann, was bei ihm selbst hängen geblieben ist«, sagt ein gewichtiger Investor.

Seit vergangenem Jahr ringt die Signa Holding als übergeordnete Gesellschaft der Gruppe in einem Insolvenzverfahren ums Überleben. Genauso die Signa Prime, in der die Immobilienjuwelen geparkt sind – vom KaDeWe in Berlin bis zum Park Hyatt in Wien. Und die Signa Development. Daneben taumelt eine Beteiligungsfirma nach der anderen in ein Insolvenzverfahren, etwa weil Geld für die fertigzustellenden Bauprojekte fehlt.

Von den bisherigen Geldgebern jedenfalls ist kaum mehr finanzielle Hilfe zu erwarten. Zu groß ist die Sorge, dass frische Finanzmittel im Wirrwarr des Signa-Reichs gleich wieder versickern. So hatte Signa-Prime-Sanierungsvorstand Erhard Grossnigg noch über die Jahreswende versucht, Geld zur Rettung der Firma und ihrer Immobilien von bestehenden Signa-Investoren einzusammeln. Doch die schlugen das Angebot für Genussscheine mit neun Prozent Verzinsung aus, obwohl diese vorrangig bedient worden wären.