Autovermieter Sixt macht Chauffeur- und Limousinensparte dicht

Deutschlands größte Autoverleihfirma Sixt gibt ihren Limousinenservice auf. Das Unternehmen hat seine exklusiven Fahrdienste nach SPIEGEL-Informationen still und heimlich beendet. Rund 80 Mitarbeitern wurde gekündigt.
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Jens Kalaene/ dpa

Auf der Website des Sixt Limousinen-Service ist scheinbar noch alles in Ordnung. Für die mögliche Reise von Hamburg nach Berlin-Tegel an diesem Samstagnachmittag wird dem Suchenden eine Fahrt in der Mercedes-Benz E-Klasse, im BMW 5-er oder im Audi A6 und einem "Fahrer mit exzellenten Englisch-Sprachkenntnissen" für schlappe 463,61 Euro angeboten.

Doch was der möglicherweise ahnungslose Kunde nicht weiß: Den exklusiven Limousinen-Dienst von Deutschlands Nummer eins auf dem Autoverleihmarkt gibt es nicht mehr. Das Geschäft wurde eingestellt. Den rund 80 Mitarbeitern wurde das Aus per Brief mitgeteilt. Die Auswirkungen aus der Coronakrise hätten immense Effekte auf den Geschäftsbetrieb, heißt es in dem Schreiben vom 25. März, das dem SPIEGEL vorliegt. Man sehe sich gezwungen, "mit sofortiger Wirkung" den Geschäftsbetrieb der Sixt Executive GmbH, zu der der Limousinenservice gehört, einzustellen und "allen Mitarbeitern betriebsbedingt zu kündigen".

Der Markt für exklusive Taxi- und Chauffeurdienste in Deutschland ist hart umkämpft. Seit einigen Jahren versuchen sich zahlreiche Wettbewerber wie Uber, Blacklane oder FreeNow in dem Segment. Auch scheint für Sixt die Entwicklung nicht zufriedenstellend gewesen zu sein. So teilte das Pullacher Unternehmen auf Anfrage mit, dass auch nach Abklingen der Coronakrise der Geschäftsbetrieb der Tochtergesellschaft nicht wieder aufgenommen werde. Das Geschäft sei "seit geraumer Zeit massiv unter Druck und hatte keine positive Prognose für die Zukunft". Daher sei Kurzarbeit für die Beschäftigten auch nicht infrage gekommen.

Das Taxigeschäft, das Sixt in Deutschland in Kooperation mit den Taxizentralen über Sixt ride anbiete, sind nach Aussagen einer Sprecherin von Samstag von dieser Entscheidung nicht betroffen.

Die starke Ausbreitung von Covid-19 auch in Deutschland hat Sixt insgesamt stark mitgenommen. Das Unternehmen mit etwa 8000 Beschäftigten rechnet nach einem Rekordjahr 2019 mit starken Einbußen im laufenden Jahr. Die Vermietflotte wurde wegen der aktuellen Krisenmaßnahmen deutlich verkleinert, die Dividendenauszahlung fürs vergangene Jahr gestrichen.

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