Start-up versus Autoverleih Gericht verbietet Werbe-Attacke auf Sixt

Sixt ist für amüsante Werbung bekannt, doch die Kampagne eines Start-ups, das sich mit Sixt vergleicht, blockierte der Autovermieter. Nun stellte ein Gericht fest, dass der Preisvergleich der Werbe-Attacke irreführend war. Das Start-up moniert, die Richter hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Tamyca-Chef Minis: Große Klappe - bis Sixt das Start-up stoppte

Tamyca-Chef Minis: Große Klappe - bis Sixt das Start-up stoppte

Foto: tamyca / Tobias Hahn

Hamburg - Die Firma Sixt ist bekannt für ihre frechen Werbekampagnen. Als beispielsweise die Affäre um Christian Wulff wegen möglicher Begünstigungen durch befreundete Unternehmer hochkochte, hieß es bald auf einem Sixt-Plakat: "Spaß kann man auch ohne reiche Freunde haben - mit einem Mietwagen von Sixt". Dazu war das Konterfei des damaligen Bundespräsidenten Wulff zu sehen.

Mit provokanter Werbung sollte der Autoverleiher - Jahresumsatz: rund 1,5 Milliarden Euro - umgehen können, möchte man meinen. Doch bei einer Werbekampagne eines Konkurrenten hörte der Spaß auf.

Das Start-up Tamyca hatte auf mehreren Plakaten die eigenen Preise mit denen des Vermiet-Riesen verglichen - und war im Verleih von ähnlichen Fahrzeugen bis zu 60 Prozent günstiger. Möglich ist das, weil das Start-up kein Autoverleih im klassischen Sinne ist, sondern ein Car-Sharing-Service, bei dem jeder private Autobesitzer seinen Wagen über eine Internetplattform an andere Autofahrer vermieten kann. Durch den Vergleich wollte Tamyca Kunden zeigen, dass privates Car-Sharing oft die günstigere Alternative sei. "Große Klappe - viel dahinter", heißt es auf einem Werbeplakat.

Im April 2012 mahnte Sixt Tamyca wegen des Preisvergleichs ab - mit dem Argument, dass die verglichenen Preise Extrembeispiele seine, die nicht für den durchschnittlichen Preisunterscheid stehen. Zudem seien die Angebote generell nicht vergleichbar. Das Start-up wehrte sich und legte gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch ein. Nun hat das Landgericht München Sixt recht gegeben und den Widerspruch von Tamyca abgeschmettert.

Tamyca-Chef Michael Minis bedauert das Urteil, hat sich aber zumindest jenseits des Werbeverbots seine große Klappe bewahrt. "Die Old Economy hat noch nicht verstanden, dass neue Dienstleistungen die alten ersetzen und damit vom Verbraucher als etwas Vergleichbares wahrgenommen werden", sagte er. Der Unternehmer sieht in der Werbeblockade einen Versuch von Sixt, sich die schnell wachsende Car-Sharing-Konkurrenz vom Leib zu halten.

Sixt hält das Urteil für gerechtfertigt. Es sei dem Unternehmen nicht darum gegangen, die amüsante Werbung eines Konkurrenten zu unterbinden, sagte ein Sprecher. Doch die Angaben der Tamyca-Werbung seien irreführend gewesen. Dagegen sei man vorgegangen.

ssu