Skandal bei Hamburg Mannheimer Ergo fahndet nach weiteren Sex-Partys

War das ausschweifende Fest in Budapest kein Einzelfall? Versicherer Ergo forscht jetzt nach, ob es weitere Sex-Sausen bei seinem Tochterunternehmen gab. Die Versicherungsbranche schäumt vor Wut über den Skandal.

Ergo-Zentrale in Düsseldorf: "Strukturvertriebe sind keine Kinder von Traurigkeit"
dpa

Ergo-Zentrale in Düsseldorf: "Strukturvertriebe sind keine Kinder von Traurigkeit"


Düsseldorf - Diese Party hat ein Nachspiel: Das rauschende Sexfest mit kostenlosen Gespielinnen, das die Ergo-Tochter HMI für ihre besten Vetreter schmiss, wirft ein schlechtes Licht auf die gesamte Versicherungsbranche. Nun steht die Frage im Raum, ob solche ausufernden Partys unter Versicherungsvertretern üblich sind.

Der Ergo-Konzern hofft, diese Frage verneinen zu können. Er untersucht jetzt, ob es weitere Feiern gab. "Wir sind uns sehr sicher, dass sich das seit 2007 nicht wiederholt hat", sagte eine Unternehmenssprecherin. Über die Jahre davor konnte das Unternehmen am Freitag noch keine Angaben machen: "Die Nachforschungen dazu dauern noch an", hieß es.

Der zum Ergo-Konzern gehörende Strukturvertrieb der Hamburg-Mannheimer HMI hatte 2007 seine besten 100 Vertreter nach Budapest eingeladen. Für die akquisestärksten Mitarbeiter standen in einer angemieteten Therme Prostituierte mitsamt Himmelbetten zur freien Verfügung. Ergo hat bestätigt, dass an jenem Abend während einer sogenannten "Incentive"-Reise etwa 20 Prostituierte anwesend gewesen seien.

Dass der pikante Ausflug nun nun bekannt wurde, könnte laut "Financial Times Deutschland" an einem Streit ehemaliger Vertreter um Ausgleichszahlungen liegen. Diese sähen sich laut Branchenkreisen um viele Millionen Euro gebracht und kämpften bereits seit Jahren um das Geld, schreibt die Zeitung. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte sich Ergo zu dem Bericht nicht äußern.

Versicherungsbranche massiv verstimmt

In der Versicherungsbranche hat die Sex-Party für massive Verstimmung gesorgt, Versicherer und Verbände fürchten um ihr Image. "Es ist verabscheuungswürdig, was da abgelaufen ist - grausam, in welches Licht man gezogen wird", sagte Hans-Georg Jenssen, Vorstand des Verbands Deutscher Versicherungsmakler.

Möglicherweise sei der Skandal aber auch "typisch für besonders auf Erfolg getrimmte strukturierte Vertriebsformen", sagte Jenssen. "Die Strukturvertriebe sind keine Kinder von Traurigkeit. Um die Truppe trotz schrumpfender Märkte bei Laune zu halten, muss immer mehr geboten werden."

"Es macht uns Sorgen, dass so etwas passieren kann", sagte auch ein Sprecher des Bundesverbands der Versicherungskaufleute in Bonn. "Ein ganzer Berufsstand wird dadurch in ein schlechtes Licht gerückt."

Auch die Anbieter von "Incentive"-Reisen, die Unternehmen ihren Mitarbeitern oder Geschäftspartnern zur Belohnung und Motivation spendieren, sind darüber entsetzt, dass ein Unternehmen aus ihren Reihen eine solche Sause organisiert haben soll. Das sei "unfassbar", sagte ein Veranstalter.

Das "Handelsblatt" hatte zuerst über die Party in Budapest berichtet und sich dabei auch auf eidesstattliche Versicherungen mehrerer Teilnehmer berufen.

seh/dpa



insgesamt 57 Beiträge
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Pandora0611 20.05.2011
1. HMI, der Name ist Programm
Zitat von sysopWar das ausschweifende Fest in Budapest kein Einzelfall?*Versicherer Ergo forscht jetzt nach, ob es weitere*Sex-Sausen bei seinem Tochterunternehmen gab. Die Versicherungsbranche schäumt vor Wut über den Skandal. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,763999,00.html
Nicht umsonst gab/gibt es für die Hamburg-Mannheimer das Synonym: Hamburg-Mafia. Natürlich sind sie üblich, sie dürfen nur nicht öffendlich werden! Zeugen haben unter Eid ausgesagt, daß es ca. 100 waren. Was für ein Image? Das der Abzocker? Betrüger? Übervorteiler? Das war schon lange fällig!
Tao08 20.05.2011
2. Hallo Herr Kaiser
Da rackert man täglich 12 bis 14 h im Vertrieb um unter die Top 100 Verkäufer zu gelangen und wenn man es geschafft hat, ist es doch verständlich, wenn Mann als Belohnung einmal im Jahr die Sau raus lassen will. Frei nach dem alten Unternehmensmotto: "Mehr vom Leben". Spaß beiseite. Was hat sich die Unternehmensführung wohl dabei gedacht? Dazu fällt mir der Film "Die Firma" ein. Ich vermute, dass man die erfolgreichsten Verkäufer an sich binden wollte. Und nach solch einer Orgie ist der ein oder andere erpressbar geworden (wie bei Hartz -> VW Betriebsrat). Und wenn solch ein Leistungsträger (mitsamt des Kundenstamms) zur Konkurrenz wechseln wollte, wird er es sich nochmals durch den Kopf gehen lassen, bevor die Ehefrau/Umfeld über irgendwelche Kanäle etwas von Sexorgien erfährt. Hm… Ist das der Grund, weshalb die deutsche Wirtschaft sich gegen eine Frauenquote in den Chefetagen wehrt? Wären dann solche Praktiken nicht mehr anwendbar? Ich wünsche den Betroffenen gute Nerven und dass sie sich von den Geschehnissen nicht verunsichern lassen.
mischamai 20.05.2011
3. das gute Licht ist schon lange aus
"Ein ganzer Berufsstand wird dadurch in ein schlechtes Licht gerückt." ...das ich nicht lache,das ist ja noch verzeihbar,aber das "gute Licht" ist schon lange erloschen.Seit Jahren nichts als falsche Versprechen bei den Versicherungen,Protzbauten,aber den Versicherten die Leistungen zerschlagen.Also wenn ich da an meine Versprechungen bei meiner Lebensversicherung denke wird mir mehr als schlecht.
zauberer1, 20.05.2011
4. Eigene Untersuchungen
Zitat von sysopWar das ausschweifende Fest in Budapest kein Einzelfall?*Versicherer Ergo forscht jetzt nach, ob es weitere*Sex-Sausen bei seinem Tochterunternehmen gab. Die Versicherungsbranche schäumt vor Wut über den Skandal. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,763999,00.html
Wieder mal Deutschland, da untersucht der Täterkreis ihre eigenen Verfehlungen. Sehr witzig.
mischamai 20.05.2011
5. Statistik
..ach ja hier noch etwas zum hohen Ansehen in der Versicherungsbranche.. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/183994/umfrage/ranking-unbeliebter-berufe/ also das Niveau passt schon ganz gut...
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