Skeptische Finanzmärkte Euro stürzt auf Vierjahrestief

Trotz der milliardenschweren Rettungsaktion misstrauen die Finanzmärkte dem Euro: Die Gemeinschaftswährung kostet derzeit so wenig, wie seit vier Jahren nicht mehr. Aktien werden dagegen teurer.
Börsenhändler in Frankfurt: Finanzmärkte misstrauisch

Börsenhändler in Frankfurt: Finanzmärkte misstrauisch

Foto: ddp

Frankfurt am Main - Die europäische Schuldenkrise hat den Euro   zu Wochenbeginn auf den tiefsten Stand seit rund vier Jahren gedrückt. Am Montagmorgen ging der Wert der Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,2237 Dollar zurück. Das ist der niedrigste Stand seit April 2006.

europäische Schuldenkrise

Grund für den anhaltenden Sinkflug des Euro ist die . "Mehr und mehr wird deutlich, dass die jüngsten Notmaßnahmen zwar die kurzfristigen Refinanzierungsrisiken beiseite gefegt haben", urteilte die HSH Nordbank. Die eigentliche Herkules-Aufgabe einer nachhaltigen Fiskaldisziplin bei höherer Wettbewerbsfähigkeit sei von den Euro-Ländern aber noch zu erbringen.

Die Unsicherheit der Anleger ist auch an der Entwicklung des Goldpreises zu erkennen. Die Feinunze verteuerte sich um bis zu 1,6 Prozent auf 1012,81 Euro und markierte damit einen neuen Rekordwert. Mit 869,14 Pfund je Feinunze kletterte das Edelmetall auch in der britischen Währung gerechnet auf neue Höchststände. Aus Furcht vor den Folgen der europäischen Schuldenkrise flüchteten immer mehr Anleger in den "sicheren Anlagehafen" Gold, sagten Börsianer. Ein Ende des Höhenflugs sei derzeit nicht in Sicht. Das Edelmetall kostete am Montagmorgen 1238,80 Dollar. Damit liegt der Weltmarktpreis nur rund zehn Dollar unter seinem Rekordhoch vom vergangenen Freitag.

Ölpreis sinkt unter 70 Dollar

Umgekehrt werden die Verwerfungen beim Ölpreis spürbar. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juni sank am Montagmorgen bis auf 69,82 Dollar. Zuletzt erholte sich WTI leicht und kostete mit 70,21 Dollar - 1,40 Dollar weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank um 1,33 Cent auf 76,60 Dollar. Händler begründeten die abermaligen Kursverluste am Ölmarkt überwiegend mit dem Dollar. Ein starker Greenback verteuert Rohöl für Investoren außerhalb des Dollar-Raums.

Der schwächelnde Euro macht inzwischen sogar Exportweltmeister China zu schaffen. "Der Yuan hat in den vergangenen vier Wochen um etwa 14,5 Prozent gegenüber dem Euro aufgewertet", sagte der Sprecher des Handelsministeriums, Yao Jian, am Montag in Peking. "Das erhöht den Kostendruck für die chinesischen Exporteure und beeinträchtigt auch Chinas Ausfuhren in die europäischen Länder." Ein Euro kostete zuletzt 8,3815 Yuan und war damit so billig wie seit Ende 2002 nicht mehr.

Weniger Einfluss hat das Misstrauensvotum gegenüber dem Euro auf die Entwicklung der Börsenkurse. Nach dem fulminanten Auf und Ab in den vergangenen 14 Handelstagen dürfte sich der deutsche Aktienmarkt nach Expertenschätzungen in der neuen Woche sogar weiter erholen. Das Ende April erreichte Jahreshoch bei rund 6342 Punkten gilt keineswegs als unerreichbar.

Experten rechnen mit Aufholjagd an den Börsen

Obwohl die Aufholjagd nach Bekanntgabe des Euro-Zonen-Rettungsschirms am vergangenen Montag bereits rasant war und der Dax   einen Großteil seiner zwischen dem 26. April und dem 7. Mai erlittenen Verluste von knapp elf Prozent oder fast 700 Punkten wieder wett machen konnte, sehen die Experten der Landesbank Berlin gute Chancen für eine Fortsetzung der Erholungsphase. "Dabei trauen wir dem Dax weiterhin neue Jahreshöchststände zu, wohingegen der EuroStoxx 50  seine Hochs im laufenden Jahr bereits gesehen haben dürfte."

Gleichwohl rief der Vorsitzende des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Wolfgang Franz, die Euro-Staaten dazu auf, einen Sanierungspakt zu verabreden. "Die Staaten sollten schnellstens einen glaubwürdigen und zielführenden Pakt zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte abschließen", sagte Franz der "Rheinischen Post". Ziel sollten neben der Rückführung der Neuverschuldung automatische Sanktionen bei Fehlverhalten sein.

EZB

Den Aufkauf von Staatsanleihen durch die kritisierte er scharf: "Die Europäische Zentralbank muss ihr Stabilitätsversprechen einhalten und keinem wie auch immer gearteten politischen Druck nachgeben. Die jetzt ergriffenen Maßnahmen sollten eine einmalige Notfallaktion bleiben."

mik/Reuters/AFP/dpa-AFX/dpa
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