Vergabe der Bundesliga-Rechte Endspiel um 500 Millionen Euro

Der Pay-TV-Sender Sky kämpft um seine Existenz, um die Fußball-Bundesliga. Denn erstmals bietet auch die Deutsche Telekom für die Live-Übertragungsrechte. Welche Chancen hat der Herausforderer? Und was ändert sich für den Zuschauer?
TV-Übertragung im Wolfsburger Stadion: Rechteinhaber Sky unter Druck

TV-Übertragung im Wolfsburger Stadion: Rechteinhaber Sky unter Druck

Foto: Jochen Lübke/ dpa

Hamburg - Für die Vereine der Fußball-Bundesliga könnte die Situation kaum komfortabler sein: Ab 2013 winken dem FC Bayern, Borussia Dortmund und den anderen 34 Clubs deutlich mehr Geld aus dem Verkauf der TV-Rechte. Sie könnten erwarten, dass "mehr rumkommt", sagt der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert. Die Gesamteinnahmen dürften auf bis zu 500 Millionen Euro pro Saison steigen. Bislang sind es 412 Millionen Euro. Der Hauptgrund: Zum ersten Mal bietet auch die Deutschen Telekom um sämtliche Live-Rechte.

Das Interesse von Europas größtem Telekommunikationskonzern setzte den derzeitigen Rechteinhaber Sky Deutschland   massiv unter Druck. Es wird erwartet, dass der Pay-TV-Sender sein Angebot deutlich aufstocken musste. Denn für das Unternehmen von Großaktionär Rupert Murdoch geht es um die Existenz. Ohne das Aushängeschild Fußball-Bundesliga droht eine Massenflucht der rund drei Millionen Abonnenten. Und dass Murdoch bereit wäre, einen weiteren Rückschlag beim defizitären deutschen Ableger hinzunehmen, ist schwer vorstellbar.

Bis zum Ende der Saison 2012/13 besitzt Sky den Großteil der Senderechte - und zahlt dafür im Schnitt 250 Millionen Euro pro Jahr. Um den finanzkräftigen Konkurrenten Telekom auszustechen, müsste der Pay-TV-Sender wohl deutlich mehr hinblättern. Experten rechnen mit rund 300 Millionen für die erste Saison, danach könnte der Preis pro Jahr jeweils um weitere 25 Millionen Euro steigen.

Die Telekom   hat aktuell nur die Rechte für das IPTV-Angebot - also für TV über das Internet. Dafür zahlt der Konzern jährlich 25 Millionen Euro. Um die Entertainment-Plattform, die seit dem Herbst auch über Satellit zu empfangen ist, attraktiver zu machen, ist die Telekom aber offenbar bereit, ein Vielfaches dieser Summe zu investieren - um so auch die Rechte via Satellit und Kabel zu ergattern.

Die Entscheidung fällt am Dienstag, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vergibt die DFL dann insgesamt 19 Pakete und sechs Paketbündel für die Jahre 2013 bis 2017. Zu den 15 Bietern zählte nach einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" auch der Springer-Konzern. Rund die Hälfte der Unternehmen ist aber bereits vor Ende der Verhandlungen ausgestiegen.

Werden Live-Übertragungen günstiger?

Klar ist: Sollte die Telekom den Zuschlag für das Premiumpaket bekommen, würde dies die deutsche Fernsehbranche revolutionieren. Der Konzern strebt eine Position als "Großhändler" der Rechte an. Im Klartext heißt das, die Telekom tritt anders als Sky keine eigene Sendelizenz an, sondern verkauft die Rechte an andere Unternehmen. Statt wie derzeit nur Live-Berichte von einem einzigen Anbieter würde es dann künftig eine Masse an Anbietern geben, die Live-Fußball zeigen.

Der Zuschauer könnte also ein Telekom-Produkt nutzen, ohne Telekom-Kunde zu sein. Der Konzern verspricht der DFL, auf diesem Wege deutlich mehr Zuschauer für Live-Übertragungen gewinnen zu können. Und auch der Kunde würde profitieren - da dank des neuen Wettbewerbs die Preise sinken.

Doch ist das wirklich realistisch? Fußballfans sollten sich da keine zu großen Hoffnungen machen. Unternehmensberater Alexander Henschel etwa glaubt nicht, dass Live-Übertragungen billiger werden. "Bundesliga-Fußball ist derzeit das einzige Produkt, für das Zuschauer in Deutschland bereit sind, substantiell Geld auszugeben", sagt der Geschäftsführer von Goetzpartners. Wenn die Unternehmen jetzt noch mehr Millionen für die Rechte ausgeben, müssten sie dieses Geld auch wieder reinholen. "Das ist mit Dumping-Angeboten kaum zu machen."

Wie verändert sich das Angebot?

Vorstellen kann sich Henschel allerdings, dass die Attraktivität der Angebote wächst. "Sowohl die Telekom als auch Sky wollen ihr mobiles Angebot ausbauen." Dort sieht der Unternehmensberater auch das größte Potential. Der Markt im Kabel- und Satellitenfernsehen sei hingegen gesättigt, es gehe dort nur noch darum, Konkurrenten Kunden abzujagen.

Der Grund: Mit immer leistungsfähigeren Smartphones und Tablets steigt auch die Zahl der Menschen, die außerhalb des Wohnzimmers Fußball-Übertragungen sehen wollen - und bereit sind, dafür zu zahlen. Im Free-TV dürfte sich dagegen wenig ändern. Es wird erwartet, dass die ARD auch nach 2013 die Zusammenfassungen der Spiele zeigt. Das lässt der Sender sich derzeit rund 100 Millionen Euro pro Saison kosten.

Für die Vereine ist die "Sportschau" so attraktiv, weil sie hohe Einschaltquoten garantiert. Die Clubs können deshalb mehr Geld von Sponsoren verlangen, als wenn ihre Spiele nur im Bezahlfernsehen laufen.

Wie entscheidet die DFL?

Am vergangenen Donnerstag mussten die Interessenten ihre Angebote abgeben. Seitdem brütet DFL-Geschäftsführer Seifert mit einigen Juristen über den Verträgen. Eine eigens für die DFL entwickelte Software errechnet die lukrativste Zusammenstellung.

Für Seifert geht es aber nicht nur ums Geld. Er soll auch verhindern, dass es zu einem Desaster wie bei der Kirch-Pleite 2002 kommt. Oder zu einem Chaos wie bei dem nur einjährigen Pay-TV-Gastspiel von Arena 2006/2007. Diese Angst könnte das größte Hindernis für die Telekom sein. Denn Sky hat bereits durchblicken lassen, gegen einen möglichen Zuschlag für den Konzern klagen zu wollen. Dabei zielen die Konkurrenten auf die Beteiligung des Staates, die es der Telekom verbietet, eine Rundfunklizenz zu erhalten. Derzeit umgeht der Konzern dieses Problem zwar, indem man den Sendebetrieb an Constantin Medien weitergereicht hat.

Doch ob dieses Modell auch bei einem größeren Einstieg ins Fernsehgeschäft akzeptiert würde, ist fraglich. Da die DFL kein Interesse an einer langjährigen Zitterpartie hat, sieht es eher so aus, als bekomme Sky erneut den Zuschlag. Die "Bild"-Zeitung vermeldet bereits ohne Angabe von Quellen, die DFL werde den Clubs empfehlen, am bisherigen Partner festzuhalten. Die Telekom solle dagegen erneut nur die Rechte für das Internetfernsehen bekommen.

Mit Material von dpa
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