Digitale Kommunikation im Büro Salesforce übernimmt Chat-Anbieter Slack

Der SAP-Konkurrent Salesforce will den Chat-Anbieter Slack übernehmen. Salesforce-Chef Benioff nennt die mehr als 27 Milliarden Dollar schweren Fusionspläne eine »Hochzeit im Himmel«.
Slack-App auf einem Handy: Harter Konkurrenzkampf mit Zoom und Microsoft-Teams

Slack-App auf einem Handy: Harter Konkurrenzkampf mit Zoom und Microsoft-Teams

Foto: Ashley Landis / AP

Der Cloud-Computing-Anbieter Salesforce will für mehr als 27 Milliarden Dollar den Bürochat-Anbieter Slack schlucken. Der Software-Konzern wettet damit darauf, dass auch nach dem Ende der Pandemie mehr als zuvor digital kommuniziert wird.

Zugleich zeigt die Übernahme die Grenzen für mittelgroße Player in der heutigen Tech-Industrie auf: Slack profitierte zwar auch von verstärkter Heimarbeit in Corona-Zeiten – aber nicht so stark wie zum Beispiel Zoom. Hinzu kommt die scharfe Konkurrenz durch die Teams-Software von Microsoft, die häufig im Office-Bündel mitverkauft wird.

In der Coronakrise wuchs Slack in den vergangenen Quartalen jeweils um rund 50 Prozent im Jahresvergleich. Slack werde bei dem Deal insgesamt mit 27,7 Milliarden Dollar bewertet, teilte Salesforce nach US-Börsenschluss am Dienstag mit. Der Betrag geht unter anderem auf den aktuellen Salesforce-Kurs zurück. Slack-Aktionäre sollen pro Anteilsschein 26,79 Dollar sowie 0,0776 Salesforce-Aktien erhalten. Salesforce, das in der Vergangenheit bereits stark über Zukäufe gewachsen ist, bezahlt den Preis in Aktien sowie Bargeld. An der Wall Street gaben die beiden Papiere nachbörslich nach.

Der Gründer und Chef von Salesforce, Marc Benioff, setzt dennoch große Hoffnungen in den Deal. Er sprach von einer »Hochzeit im Himmel« – eine Formulierung, die Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp einst auch für die nach wenigen Jahren gescheiterte Fusion mit Chrysler verwendete.

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Zusammen würden beide Firmen die Zukunft von Unternehmenssoftware verändern, wie die Menschen in einer digitalen Welt arbeiten, schwärmte Benioff. Slack solle auch in Salesforce-Produkte integriert werden.

Slack-Konkurrenz im eigenen Haus blieb Nischenprodukt

Salesforce ist unter anderem mit webbasierter Software für Aufgaben wie Kundenmanagement und Datenanalyse ein wichtiger Konkurrent des deutschen SAP-Konzerns. Benioff machte bereits vor der Gründung von Salesforce 1999 Karriere beim SAP-Rivalen Oracle. Unter dem Salesforce-Dach versammelte er eine Reihe von Zusatz-Angeboten wie etwa die Bürosoftware Quip und den Datenauswertungs-Dienst Tableau. Mit Chatter gab es auch einen Slack-Konkurrenten im eigenen Haus, der jedoch ein Nischenprodukt blieb.

Slack, das seinen Sitz in San Francisco nur wenige Hundert Meter entfernt vom neuen Salesforce-Tower hat, debütierte 2013. Die Plattform zur Bürokommunikation wurde schnell populär bei Start-ups und mit der Zeit auch in größeren Unternehmen. Gründer und Chef Stewart Butterfield brachte Slack im Sommer vergangenen Jahres an die Börse mit einer Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar.

Der 47-jährige Butterfield gehörte einst zu den Gründern der Fotoplattform Flickr. Gemessen an Preisen, die wenig später für Onlinedienste dieser Liga erzielt wurden, stiegen Butterfield und Co. für viel zu wenig Geld aus. Bei Slack beteuerte er in den vergangenen Jahren wiederholt, nicht an einem Verkauf interessiert zu sein.

apr/dpa/Reuters