Slowakei Wenige Cent mehr Lohn - deutsche Firmen sind empört

Die Slowakei ist das Billiglohnland der Eurozone, jetzt sollen Arbeiter etwas höhere Schichtzulagen bekommen. Geht gar nicht, wettern deutsche Unternehmen. Cooler bleibt die Konkurrenz aus Österreich.
Blick auf die Donau in Bratislava

Blick auf die Donau in Bratislava

Foto: Alkimos Sartoros/ picture alliance / dpa

Die Slowakei gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den Ländern, in die Firmen ihre Produktion wegen niedriger Löhne auslagern. Deutschland war von Beginn an der wichtigste Investor und Handelspartner des EU-Landes. Doch nun sehen deutsche Unternehmen den Standort in Gefahr. Denn vom 1. Mai an müssen Arbeitgeber in dem EU-Land schrittweise höhere Zuschläge für Nacht-, Feiertags- und Wochenendarbeit bezahlen.

Unmittelbar vor Inkrafttreten eines entsprechenden neuen Arbeitsgesetzes warnt die deutsche Wirtschaft vor negativen Folgen. Vor allem die Arbeitsplätze niedrig qualifizierter Arbeiter in strukturschwachen Regionen würden durch steigende Mindestlöhne gefährdet, sagte der Geschäftsführer der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer (DSIHK), Guido Glania.

Die Gehaltssteigerung beträgt in den meisten Fällen zwar nur wenige Cent pro Arbeitsstunde, die neue Regelung kann den Stundenlohn an einem Sonntag aber auch doppelt so hoch ausfallen lassen wie bisher. Mit einem gesetzlichen Mindeststundenlohn von weniger als 2,80 Euro gehört die Slowakei weiterhin zu den Niedrigstlohnländern der EU. Der Durchschnittslohn liegt bei 954 Euro pro Monat.

Die deutschen Firmen sind mit dem neuen Arbeitsgesetz trotzdem unzufrieden. Schon im November hatte die DSIHK dagegen Front gemacht: "Die von der Regierung beabsichtigte dramatische Erhöhung der Mindestzuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit gefährdet den Industriestandort Slowakei", kritisierte die Wirtschaftslobby damals. "Einer der stärksten Vorteile, die flexible und relativ kostengünstige Einrichtung von Nacht- und Wochenendschichten, droht mit einem Schlag verloren zu gehen."

Volkswagen-Mitarbeiter kämpften für höhere Löhne

Signalwirkung für die Erhöhung der Löhne hatte nach Einschätzung von Beobachtern auch der Streik der Beschäftigten von Volkswagen Slovakia im vergangenen Sommer. Dabei hatten erstmals slowakische Mitarbeiter eines großen westlichen Konzerns gegen den Status der Slowakei als Billiglohnland protestiert und schrittweise Lohnerhöhungen um 14 Prozent innerhalb von drei Jahren durchgesetzt.

DSIHK-Geschäftsführer Glania warnt nun, langfristig könne "das Produktivitätswachstum nicht mit den Lohnsteigerungen mithalten". Er kritisierte, die Unternehmen könnten die Politik der Regierung nicht mehr nachvollziehen. Diese hole ständig neue Investoren in die Slowakei und erhöhe damit den Facharbeitermangel und Lohndruck, verspreche aber gleichzeitig den Unternehmen, dass sie die benötigten Arbeitskräfte finden werden.

Öste rreichische Lobbyisten bleiben gelassen

Auch österreichische Wirtschaftsvertreter sagen, dass der Fachkräftemangel das größte Problem der Slowakei sei. Das Nachbarland Österreich ist für die Slowakei ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftspartner. Das neue Arbeitsgesetz beurteilen österreichische Vertreter aber weniger dramatisch als die deutschen Wirtschaftslobbyisten. "Zentraleuropa wird langfristig nicht mehr in erster Linie ein Low-Cost-Standort sein, sondern zu einem Best-Cost-Standort werden müssen", sagte der österreichische Wirtschaftsdelegierte Christian Kügerl. "Die Slowakei hat sehr gute Chancen, weil sie anders als Tschechien, Polen oder Ungarn Mitglied der Eurozone ist."

mmq/dpa