Defizitärer Kleinwagen Daimler und Geely bei Smart-Verkauf offenbar auf der Zielgeraden

Der Autokonzern Daimler will seine Kleinwagentochter Smart schon länger loswerden. Nun hat sich offenbar ein Käufer gefunden: Daimlers chinesischer Großaktionär Geely.

Der Elektro-Smart EQ forfour (Archiv)
Daimler

Der Elektro-Smart EQ forfour (Archiv)

Von manager-magazin.de-Redakteur


Daimler steht offenbar kurz vor dem Verkauf der Hälfte seiner Kleinwagentochter Smart an den chinesischen Großaktionär Geely, berichtet die "Financial Times" auf ihrer Internetseite unter Berufung auf drei mit den Plänen vertraute Personen. Noch vor der Auto-Messe in Shanghai wollten die Autohersteller den Deal bekannt geben.

"Wir sind auf der Zielgeraden", erfuhr auch manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen. Vor der Messe wolle man mit einer Vereinbarung an die Öffentlichkeit, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Ob es allerdings auf einen hälftigen Verkauf von Smart oder eine andere Form der engen Zusammenarbeit mit Geely hinauslaufe, sei noch unklar.

Das manager magazin hatte bereits in seiner März-Ausgabe berichtet, dass Daimler für das Nachfolgemodell des Smart, der ab 2020 nur noch elektrisch fahren soll, einen Partner sucht und deshalb Gespräche mit Daimler-Großaktionär Geely führe. Denn der Start des Smart in das Elektrozeitalter verlief bislang holprig. Daimler verkaufte keine 15.000 Elektroversionen des Kleinwagens im vergangenen Jahr. Zudem gab es Ärger mit dem Batterie-Lieferanten LG Chem, was den Absatz zusätzlich bremste.

Wartezeit bis zu einem Jahr

Kunden müssen derzeit bis zu ein Jahr auf einen E-Smart warten. Das Problem seien aktuell weniger die Zellen, sondern die Batteriesysteme, verlautet weiter aus Unternehmenskreisen. Sie müssen so gebaut werden, dass sie dicht, stabil und sicher sind. Spätestens in einem Jahr aber solle die Batterie-Elektrik kein Problem mehr darstellen.

Bei Daimler kann indes auch niemand mit dem Gewinnbeitrag von Smart zufrieden sein - er existiert schlicht nicht. Der Konzern fährt seit Gründung der Marke vor 21 Jahren Verluste mit dem Auto ein. Analysten von Evercor ISI schätzen, dass Daimler mit dem Smart jährlich zwischen 500 bis 700 Millionen Euro verliert, berichtet die "FT". Im vergangenen Jahr setzte der Konzern 130.000 Smart ab - ein Bruchteil der rund 2,25 Millionen Premiumfahrzeuge, die Mercedes Benz verkaufte.

Berlin könnte Daimler noch einen Stein in den Weg legen

Hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche lange Zeit seine schützende Hand über Smart gehalten, scheint sein Nachfolger Ola Källenius weniger Geduld mit der dauerdefizitären Marke zu haben, berichtete zuletzt das "Handelsblatt". Daimler-Großaktionär Geely mit Li Shufu (55) an der Spitze, der schon länger eine engere Verzahnung mit dem deutschen Autobauer sucht, könnte dem Kleinwagen nun neues Leben einhauchen und zugleich einen Teil des Kostenrisikos tragen, den so eine Umstellung mit sich bringt.

Vor dem Hintergrund wachsender Skepsis gegenüber chinesischen Investoren könnte aber selbst ein Teilverkauf auf politischen Widerstand in Berlin stoßen, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Daimler nahestehende Bankenkreise. Als Geely vor gut einem Jahr 9,7 Prozent Anteile an dem Autobauer erworben hatte, reagierte man nicht nur in Berlin überrascht und reserviert. Der Einstieg hatte damals eine Debatte ausgelöst, ob Transparenzregeln verschärft werden sollen.

Im vergangenen Jahr wurde dann ein Gesetzentwurf verabschiedet, der der Bundesregierung das Recht einräumt, Investitionen von Nicht-EU-Unternehmen in sensiblen Branchen, die von der Verteidigung bis zur Energie reichen, zu über 15 Prozent zu blockieren.

Auch ist bisher unklar, was Li strategisch mit dem Daimler-Anteil vorhat. Berichte zu Beginn des Jahres, Geely wolle sich von Daimler-Anteilen wieder trennen dementierte der chinesische Autobauer prompt. Die Chinesen sind in den vergangenen Jahren auch durch Zukäufe in Europa stark gewachsen. So besitzt Geely Volvo Cars, die britische Sportwagenmarke Lotus und ist an der Truck Volvo Group beteiligt.



insgesamt 9 Beiträge
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thetruetoday 27.03.2019
1. Ausverkauf deutscher Technologie
Ja, verkauft nur alles an die Chinesen. Unmöglich, wenn man deutsche Technologie ständig ins Ausland bzw. China verkauft, weil man meint den Hals nicht voll genug zu kriegen, wenn mal was schlechter läuft. Irgendwann bekommen wir die Quittung dafür.
Pinky McBrain 27.03.2019
2. Oh je
Ich fahre seit 20 Jahren SMART. In vielen Belangen ist dieses Auto einfach nur grandios. Allerdings ist die letzte Version, die sie mit Renault zusammen gebaut haben ist immer noch knuffig, ansonsten aber nicht mehr zu gebrauchen. Ich befürchte ein wenig, das das jetz nicht besser wird...
ROBIN7 27.03.2019
3. Daimler
verkauft gerade seine Zukunft. Toll. Aber die SUVs, Diesel und Dickschiffe bringen halt mehr Rendite. Zumindest für die nächsten 3 Jahre. Und dann sind die "Beutegreifer" aus dem "Management" weg - und sehr reich. Ausbaden werden diese unternehmerischen Idiotien dann die Arbeitnehmer, die man dann allerdings aufhetzen kann gegen "die Ökos" oder die GRÜNEN, denn die sind ja bekanntlich daran schuld, dass man überall auf der Welt keine deutschen Dreckschleudern mehr kauft. Nein: Die Chinesen und auch TESLA lachen jetzt schon über uns. Der Eisberg hat uns schon längst gerammt...
matzesalm 27.03.2019
4. Politik muss einschreiten
Bitte Politik stoppt solche Deals mit China. Ich kann es verstehen, dass Unternehmen froh sind über Chinesische Investoren. Doch bitte denkt nicht immer an die kurfristigen finanzielle Vorteile die daraus entstehen. Denkt längerfristig. Wenn ein Unternehmen nicht mehr haltbar ist, dann bitte Europäische Investoren. Aber keine Chinesen in deutschen Schlüsselindustrien sowie Zukunftstechnologie Unternehmen. Jedem sind Chinas Ziele bekannt. Man sollte sich mal vor Augen halten, dass China diese Ziele über solche Übernahmen erreichen. Bedeutet irgendwann ist China nicht mehr Deutschlands Werkbank, dann sind wir die Lakeien. Wohl auf anderen Ebenen. Aber haben keine Eigenverantwortung und Zugriff.
schocolongne 28.03.2019
5. Schwäbische Rätsel.
Warum wird ein City-Mobil seit jeher überwiegend in Industriegebieten in Stadtrandlage und schlechter ÖPVN-Anbindung verkauft, wo die gläsernen Ausstellungstürme wenig attraktiv zwischen Großmärkten und Lagerhallen herum stehen? ...und ist mit seinen 2m Länge gleich doppelt so teuer als ein viersitziger Dacia Sandero und genau so teuer wie das Dacia-Flaggschiff Duster, obwohl der Smart 4Two bei der Montage im Handumdrehen zusammengesteckt werden kann? Wieso entwickelt Mercedes kleinstteilig unterschiedliche SUV-Modelle, bekommt aber das City-Mobil Smart nicht wirtschaftlich auf die Reihe? -wohl weil man nicht muß. Denn der Smart entlastet als Pool-Mitglied die Bilanz beim Flottenverbrauch und mit den anderen Modellen wird eben noch viel mehr verdient, dieser Effekt wird bei zukünftigen Verbrauchs und Emmissionszielen um so dringender gebraucht. Ist das angebliche Smart-Desaster komplettes Management-Versagen, oder von langer Hand geplante Strategie? Wie auch immer, das Smart-Cabrio macht gute Laune -und die ersten Modelle sind die charmantesten;)
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