Bericht zur Klimakonferenz Landwirtschaftsunternehmen warnen vor Gefahren der Landwirtschaft

Einige der weltweit größten Lebensmittel- und Agrarkonzerne üben ungewöhnlich deutlich Selbstkritik an den verbreiteten Produktionsweisen. Die Umstellung auf nachhaltige Praktiken erfolge zu langsam.
Bauer in Kanada im Juli: 40 Prozent regenerative Anbauflächen bis 2030

Bauer in Kanada im Juli: 40 Prozent regenerative Anbauflächen bis 2030

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Jeff McIntosh / AP

Lebensmittelkonzerne wie Mars und McDonald’s sind genauso wenig wie das Agrarunternehmen Bayer oder die Handelskette Waitrose bekannt für ihre Selbstkritik. Doch gemeinsam mit anderen Unternehmen aus der Lebensmittel- und Agrarbranche greifen sie nun die Gewohnheiten der eigenen Branche an.

Zusammen haben sie einen Aktionsplan zur weltweiten Ausweitung der regenerativen Landwirtschaft vorgestellt. Das Ziel: die Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen und die biologische Vielfalt zu sichern.

Tempo »viel zu langsam«

Der Bericht stammt aus einer Arbeitsgruppe der Sustainable Markets Initiative (SMI), einem von König Charles III. gegründeten Netzwerk, das sich auf Klimafragen konzentriert. Die Gruppe hat ihren Bericht  nun wenige Tage vor Beginn des Uno-Klimagipfels in Ägypten veröffentlicht.

Obwohl sich nachhaltige Anbaumethoden auch in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie in den vergangenen Jahren verbreitet haben, finden sie bislang nur auf 15 Prozent aller Flächen Anwendung, beklagt die Gruppe. Bis 2030 müssten aber mindestens 40 Prozent der weltweiten Anbauflächen regenerativ bewirtschaftet werden, um die Klimaziele noch zu erreichen.

Das Tempo sei »viel zu langsam«, es müsse sich bis 2030 verdreifachen, um die Erderwärmung bei unter 1,5 Grad Celsius zu halten, hieß es. Dass sich die Unternehmen so positionieren, ist erstaunlich – werfen ihnen Kritiker doch selbst vor, durch Fehlentscheidungen zum Klimawandel beigetragen zu haben. Insgesamt sind Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie für etwa ein Drittel aller Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich. Die Landwirtschaft verbraucht zudem einen Großteil der weltweiten Süßwasservorräte.

»Wir befinden uns in einer beispiellosen Zeit, in der die Lieferketten unter enormem Druck stehen und die Auswirkungen des Klimawandels nur allzu real sind«, sagte der Vorsitzende der Gruppe, der scheidende Mars-Chef Grant Reid. »Regenerative Landwirtschaft ist ein entscheidender Teil der Lösung.« Allerdings seien die kurzfristigen wirtschaftlichen Argumente für einen Wandel für Landwirte bislang »nicht überzeugend genug«.

Konkret fordert die Gruppe der Lebensmittel- und Agrarkonzerne mit Blick auf die Klimakonferenz in Ägypten:

  • Gemeinsame Maßstäbe für Umweltergebnisse

  • Umwelt- und Klimaschutz soll den Landwirten mehr Einkommen bescheren

  • Zugleich sollen sie an den Kosten der Umstellung beteiligt werden

  • Die Regierungen sollen den Landwirten die Umstellung ermöglichen und sie dafür belohnen

  • Neue Beschaffungsmodelle sollen entwickelt werden, um die Kosten zu verteilen

Daran, dass die Weltklimakonferenz bei diesen und anderen Punkten ernsthaft weiterkommt, gibt es erhebliche Zweifel. Klimaaktivistin Greta Thunberg boykottiert den Gipfel dieses Jahr – und sprach von einem Forum für Greenwashing. Kritik gab es auch am Ausrichterland Ägypten, insbesondere wegen seines Umgangs mit Menschenrechten.

apr
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