Kauf von Sodastream Warum Pepsi jetzt in Sprudelwasser macht

Pepsi will den Sprudelmaschinen-Hersteller Sodastream für 3,2 Milliarden Dollar kaufen. Mit dem Deal will sich der Cola-Hersteller auch ein gesünderes Image geben. Kann das gut gehen?
Pepsi-Flaschen

Pepsi-Flaschen

Foto: ? Mike Segar / Reuters/ REUTERS

Etwa 3,2 Milliarden Dollar will der US-Konzern PepsiCo für den israelischen Sprudelmaschinen-Hersteller Sodastream zahlen. 144 Dollar sollen die Sodastream-Anleger je Aktie bekommen, fast ein Drittel mehr als den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage.

Pepsi hat gute Gründe, sich den Deal einiges kosten zu lassen. Denn für den US-Getränkeriesen ist die Übernahme ein strategisches Investment, um sein zuckersüßes Sortiment zu ergänzen - und um sich im Wettbewerb mit den Erzrivalen Coca-Cola und Dr. Pepper zu wappnen.

Bisher deckt der Konzern mit seinen hauseigenen Getränken wie Pepsi-Cola, Gatorade, und Tropicana nämlich vor allem jenen Teil des Getränkemarktes ab, der süß, hochkalorisch und ungesund ist. Und der die Umwelt belastet durch die vielen Flaschen, die transportiert und oft nicht recycelt werden. Bis zu 500 Millionen Behältnisse ließen sich laut Sodastream täglich allein in den USA sparen, würden die Verbraucher zu Hause in wiederverwendbaren Flaschen ihre Getränke sprudeln und mischen.

Und - so die Logik - wer zu Hause sein Leitungswasser mit Kohlensäure und Saft oder Sirup versetzt, habe auch seinen Zuckerkonsum unter Kontrolle.

Bisher versuchte Pepsi, dem Zuckerproblem durch kleinere Flaschengrößen entgegenzuwirken - mit zweifelhaftem Erfolg. Wie Erzrivale Coca-Cola kämpft auch Pepsi schon länger mit einer Flaute im Kerngeschäft mit Softdrinks. Sprudelndes Mineralwasser hingegen entwickelt sich in den USA immer mehr zum Verkaufsschlager. Gesünder, praktischer und umweltschonender, das sind die Versprechen des Heim-Sprudelns.

Pepsis Erzrivalen Coca-Cola und Dr. Pepper haben den Trend längst erkannt und tüfteln bereits seit Jahren an Angeboten, um sich mit Sprudelmaschinen in den Küchen ihrer Kunden zu positionieren. Passende Sirups und Getränkekapseln sollen - ähnlich dem Nespresso-Prinzip - zusätzliche stete Gewinnquellen auftun.

Schon 2014 erwarb Coca-Cola zehn Prozent an dem amerikanischen Sodastream-Konkurrenten Keurig, das Projekt zur Herstellung einer Coca-Cola-Maschine für zu Hause scheiterte allerdings. Im Juli 2018 kaufte Keurig dann den Cola-Konkurrenten Dr. Pepper. Das Ergebnis: der größte Getränkekonzern Nordamerikas und eine Maschine, in der mit Geschmackskapseln und Leitungswasser eigene Limo gesprudelt werden kann. Höchste Zeit also für Pepsi aufzuholen.

Kühlschrank mit eingebauter Sprudelanlage

Gerüchte über ein Kaufinteresse an Sodastream gab es schön länger, doch mittlerweile sind die Argumente zu gut, um noch zu zögern: Zum einen legte Sodastream 2017 das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte hin, der Aktienkurs stieg um fast 150 Prozent. Einen großen Anteil daran dürfte die Innovationsoffensive unter Chef Daniel Birnbaum haben, der das Unternehmen seit 2007 leitet. Er richtete die Firma konsequent auf Nachhaltigkeit aus und sucht neue Angestellte für die "Revolution" - dafür, "die Welt zu einem besseren Ort zu machen".

Sodastream-Trinkwassersprudler

Sodastream-Trinkwassersprudler

Foto: Arne Dedert/ dpa

Ein Ergebnis von Birnbaums Innovationsoffensive ist etwa eine Kooperation mit Samsung: Mit dem Elektronikhersteller entwickelte Sodastream einen Kühlschrank mit eingebauter Sprudelanlage. Und auch die normalen Sprudler werden zunehmend schicker, die Geschmacksmöglichkeiten vielfältiger.

Allein in Deutschland verkauft das Unternehmen mehr als 40 Sirups - von Cola-Light über Bio-Rhabarber bis hin zum "Sparkling Gold" für ein sektähnliches Brausegetränk mit "fruchtig trockener Riesling Note" und zehn Prozent Alkohol.

Zudem hat das israelische Unternehmen sein Imageproblem der vergangenen Jahre überwunden. 2014 war es in die Kritik geraten, weil es in den durch Israel besiedelten palästinensischen Gebieten fertigen ließ. Die Kritik sei unberechtigt, sagten sowohl das Unternehmen als auch palästinensische Angestellte, die in gemischten Teams arbeiteten und nach israelischem Tarif bezahlt wurden - also zu dem Vierfachen des palästinensischen Lohnniveaus. Trotzdem schloss Sodastream die betroffene Fertigung und zog sich damit aus dem Fokus der israelkritischen Boykottbewegung; der Aktienkurs stieg wieder.

Dass Sodastream ausgerechnet einer Übernahme durch PepsiCo zustimmt, ist eine Kehrtwende im Verhältnis der beiden Firmen. Denn in der Vergangenheit teilte die Firma ordentlich gegen die großen Getränkehersteller aus. Für viel Aufsehen sorgten zwei Werbespots aus dem Jahr 2013, in denen Kunden den Sprudel-Knopf ihrer Sodastream Maschine betätigten, woraufhin anderswo palettenweise Limo-Flaschen von PepsiCo und Coca-Cola zersprangen. Zwar durften die Clips nicht wie geplant in den Werbepausen des Super Bowls ausgestrahlt werden, da die großen Getränkekonzerne mit Klagen drohten. "Sorry, Coke and Pepsi", säuselte Markenbotschafterin Scarlett Johansson stattdessen. Die Nachricht war jedoch unmissverständlich: Das Heim-Sprudeln kann es mit den ganz Großen aufnehmen; bei YouTube wurden die Filme millionenfach geklickt.

Künftig soll es nun friedlicher zugehen: Die Firmenleitungen beider Unternehmen haben dem Deal bereits zugestimmt, nun müssen nur noch die Sodastream-Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden sich äußern. Laut PepsiCo soll die Übernahme bis Januar 2019 geregelt sein.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der deutsche Firmensitz von Sodastream befinde sich in Bad Soden. Tatsächlich wurde er mittlerweile nach Frankfurt am Main verlegt.

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